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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 404 (sequence 8)
Language
German
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Die Zeitsragen, wenn man sie wahrhaft betrachtet, sind keine Form- und Modus-, sondern Daseins-Fragen; täuschen wir uns nicht! nennen wir das Kind beim rechten Namen! Die Frage ist nicht, wie soll man!-rir»a mm mit Bequemlichkeit halten, sondern, ist sie überhaupt zu halten? Die Frage ist nicht, ob man Fleisch mit Milch essen darf, dann kann man antworten, unter hirmn •>* *75 sei das nicht gemeint, das Verbot sei nur Sitte gewesen, und man hat es später in das Gesetz gebracht; nein, ich srage dich, du vr. Rabbine, darf ich die junge Ziege in der Milch der Mutter kochen? oder sonst in einer Weise, wie es die Schrift gemeint hat. Darüber muß marr erst einig und klar sein! sonst baut man auf gebrechliches Fundament, und hat Theologen ohne Theologie. Ich sehe schon im Geiste verstohlene Blicke hierüber aus das Christenthum werfen; kann uns das aber befriedigen? Und um aller Himmel willen, vergleicht die jetzige Reformation der Juden nicht mit der christlichen, die christliche war eine ehrliche, Luther hat auf die Schrift geschworen, und es ist kein Gedanke in ihm aufgekommen, der um ein Haar von ihr abgewichen. Daher drang auch sein geben worden — darüber ginge altes und neues Judenthum unter und verloren, und unsre Enkel hätten nicht einmal das Nachsehen. Wartet denn überhaupt das Publikum so lange, bis die Theologen fertig geworden? Hat es nicht gewöhnlich langst entschieden, wenn diese den Gegenstand erst zur Sprache bringen? Ist es daher nicht nothwendig, dem Publikum vor Allem Institute zu schaffen, die, wenn sie auch noch nicht lauter Entschiedenes geben, ihm doch Etwas geben? — Der Vers, fragt nach einem Religionsbuche. Schreiber Dieses unterrichtet seit 8 Jahren — nach keinem Religionsbuche, sondern lediglich nach der heil. Schrift. Ein allgemein eingeführtes Religionsbuch gicbt es nirgends. Ein Buch ist todter Buchstabe, und der Lehrer muß den Geist und das Leben darüber bringen. Er wird ergänzen, was dem Buche fehlt, er wird übergehen, was es zu viel hat. Ist das Buch schlecht, kann cs der Lehrer gut machen, ist der Lehrer schlecht, Hilst das beste Buch Nichts. Das sind klare Sachen, und eine Religionsschule kann sehr gut instituirt werden, ohne daß ein Buch da ist. Die Religion ater gar nicht lehren lassen, weil sie nicht in der unverrückbaren Ordnung des ABC aufmarschieren kann, möchte immer unverantwortlich bleiben, und ein Gemeinde-Vorstand kann sich nicht davon frei machen. D. Redakt. Wirken durch, während jetzt der Leichtsinn für Muth, die Dialektik in ihren diplomatischen Wendungen für einsache beredte Ehrlichkeit dasteht. Das ist es, was in der Provinz kaum zum allgemeinen Bewußtsein gekommen ist, das die kleinen Verbesserungen geringe macht, die man im Kultus und Unterricht hervorgerufen. Die Daseinsfrage des Judenthums ist nicht angeregt, Verbesserung der Außenseite ist daher einerseits genügend, andrerseits wenig verfänglich; hier ist jene Harmlosigkeit längst geschwunden, daher bereiten sich große aber gegenwärtig kaum noch zu nennende Epochen vor. — Nur von solcher Seite aus betrachtet, kann es Ihnen begreislich werden, wie man es hier nicht durchsetzen konnte, daß der ‘jin sein Kostüm tragen darf, wie man es nur unter den größten Kämpfen durchsetzen konnte, daß ein Chor seinen Gesang begleitet, und sonstige unwesentliche Verbesserungen ohne ernstlichen Einfluß. Hier weiß das alte Judenthum, daß es auf einem Fundamente steht, und daß dem neuen ein solches fehlt, und es benutzt seine Stärke mit Recht. Es frägt kopfschüttelnd nach jenem ersten Vertreter der Reform, nach den Enkeln derer, die als Muster ausgestellt werden, nach denen Mendelssohn's, Friedländer's, Jakobsohn's, und mag und kann nicht nachgcben*). *) Wir geben sehr gern dem würdigen Verfasser zu, daß es Daseins fragen sind, die das Judenthum noch durchzumachen hat. Wenn er aber mit Recht die schnell segelnden Reformatoren verwirft, so kann er ja auch noch nicht die entschiedene Beantwortung dieser Fragen fordern. Bei allem Diesem müssen wir aber nicht vergessen, daß sich inmitten dieser Fragen ein neutrales Gebiet gebildet hat, wo die aufrichtigen Juden von! beiden Seiten zusammentrcffen können, ja sollten. Es j ist dies eben — Schule und Gottesdienst. Bei Letzterm j stehen wir ganz auf historischem Boden. Wir wissen,! daß der Ritus der Synagoge nicht der Ritus des Tem- * pels, also der Kultus der heil. Schrift ist. Von einer j Tradition vom Berge Sinai her kann hier gar nicht die Rede sein, und der alte Ursprung wird von den Rabbinen selbst nur sehr wenigen Stücken unsrer Tesilla zugeschrieben. Was demnächst erst so spät in das Judenthum gebracht worden, wessen geschichtliche Entstehung so klar nachgewicsen oder nachzuweisen ist, kann man es anders als ein geschichtliches Gut betrachten, das der Geschichte wieder unterworfen ist? Hier stehet der Refor-

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