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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-03 · Heft 27 (3.7.1841) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 27 (3.7.1841)
Date
1841-07-03
Page
Seite 393 (sequence 13)
Language
German
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messene Ausdehnung zu geben, und unsere Kkrchensprache in drei Klassen auf eine Weise zu.betreiben, wie es nicht bloß das religiöse Bedürfniß erfordert, sondern so, daß dadurch auch die allgemeine Spcachbildung gefördert wird. Zu den hier betriebenen Lehrgegenständen konnte in dem vorigen Semester die Griechische Sprache für die zu höhern Studien befähigten Knaben hinzugefügt werden. Das Englische wird mit einigen zum Kaufmannsstande bestimmten Schülern vorläufig privatim betrieben. Die Mannigfaltigkeit der Lehrfächer verleitet uns keinesweges dem einzelnen Knaben mehr aufzubücden als Alter und Fassungsgabe, sowie seine künftige Berufsbestimmung, wo diese sich vorherfehen läßt, ihm zuzumuthen gestattet. Im Gegentheil ist durch die Abtheilung in drei Klassen und die gleichzeitige Behandlung verschiedener Lehrgegenstände in derselben Stunde Gelegenheit geboten jedes Individuum nach seinem Bedürfniß und seinen Fähigkeiten zu beschäftigen. Am allerwenigsten gehen wir darauf aus die minder Begabten zu einem Bildungsstande emporzuschrauben, für den sie nicht gemacht sind. Im Gegentheil werden solche in der untersten Klasse zurückgehalten, wo sie nur die ihnen begreiflichen Kenntnisse und nothwendigen Fertigkeiten erlangen und desto mehr zu den Tugenden der Arbeitsamkeit, der Ordnung u.s.w. angehalten werden, die gerade den Mitgliedern der untern Volksklassen so sehr zu Statten kommen. Ohne Zweifel besteht in dieser größtmöglichen Beachtung der verschiedenen Individualitäten eine Hauptaufgabe der Erziehungsanstalt, deren Lösung von gewöhnlichen Schulen in gleichem Grade weder gefordert, noch ausgeführt werden kann. Was übrigens die Vereinigung von Kindern Mosaischer und Christlicher Religion, armer und wohlhabender Eltern anbelangt, so können wir aus vollster Ueberzeugung die Versicherung aussprechen, daß diese Mischung nicht nur.keinerlei Nachtheil mit sich führt, sondern sich für das Werk der Erziehung und Menschenbildung im höchsten Grade förderlich zeigt. Und. wie könnte cs auch anders sein? Verschiedenartige Elemente sollen ja im Menschenleben, wie in der Natur, wechselweise auf einander und mit einander wirken, was kann also rathsamer sein, als eben diese heterogenen Bestandtheile des bürgerlichen Verbandes schon auf dem sinnig überwachten Tummelplätze der Jugend sich neben einander bewegen und an einander gewöhnen zu lassen? Was könnte mehr geeignet sein alles Feindliche unter den verschiedenen Stufen der Gesellschaft attmälig zu verwischen?, Muß es nicht den wohltätigsten moralischen Einfluß üben, wenn der verwöhnte und eingebildete Sohn reicher Eltern das Kind des ärmsten Tagelöhners oder Kleinhändlers sich vorgezogen steht, weil es ihn an Sittsamkeit, Ordnung und Fleiß übertrifft? Eben so zuverlässig laßt sich behaupten, daß einzig durch eine gemeinschaftliche Jugenderziehung jenes Vorurtheil des Christen gegen den Juden in unserem Vaterlande mit der Zeit schwinden muß, für welches kein Mensch einen eigentlichen Grund angeben kann, das man bald als mit der Muttermilch eingesogen, bald als natürliche Apathie u. dgl. bezeichnet, das aber auf nichts weniger als auf Verschiedenheit des Glaubens zurückgeführt werden kann, aus dem einfachen Grunde, weil es sich auch bei Solchen vorsindet, die, ihrem eigenen Geständnisse zufolge, nichts weniger als Christen sind. Dunkle Gefühle dieser Art können unmöglich sortbestehen da, wo die beiderseitige Jugend wahrend der harmlosesten Zeit ihres Lebens Scherz und Ernst mit einander getheilt haben. Freilich gedeiht das unbefangene Zusammenleben der Kinder aus den verschiedensten Religionsparteien vorzugsweise auf einem Standpunkte, auf dem — wie bei uns — von dem Ueberheben der Genossen der einen Konfession über die der andern gar keine Rede sein kann, und wo desh^ -die sonst so häufigen Mißhelligkeiten und Neckereien gar nicht möglich sind. Wer uns sein Kind anvertraut, thut es nur in Folge seines speziellen Vertrauens und weiß im Voraus, daß bei aller religiösen Differenz ein Gesetz, eine und dieselbe Haus- und Schulordnung alle unsere Scholaren gleichmäßig umschließt und verpflichtet. Mancher, der von dem jetzt so häufigen Wahn befangen ist, eine so vollständige Toleranz könne nur mit religiösem Jndifferentismus gepaart sein, wird diese Andeutungen vielleicht mit bedenklichem Kopsschütteln lesen. Er komme und überzeuge sich, wie hier Jeder so gewissenhaft als irgendwo seiner Kirche anhängt; er überzeuge sich namentlich, wie auch das häusliche Leben in unserem Institute allen Anforderungen einer ungeheuchelten Frömmigkeit entspricht, er komme und sei Augenzeuge, mit welcher Sorgfalt und Begeisterung wir des Gottesdienstes in dem zu unserer Stiftung gehörigen Jakobs-Tempel warten, und wer uns dann noch verketzern möchte, der wird uns wenigstens in unserer Ueberzeugung nicht irre machen, in unserem Streben nicht stören. Sicher ist das jetzt hier bestehende Verhältniß der Art, wie es der verewigte Stifter immer gewünscht und erstrebt hat. Ihn aber wird Niemand der Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen bezüchtigen, wer ihn kannte und Gelegenheit hatte wahrzunehmen, wie gerade tiefe Religiosität den Grund-

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