Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1841)
- Date
- 1841-07-03
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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886 Elemente des Regierungsentwurfes verwarf (s. das. No. 21.22.29.32.), indem das Prinzip der Gleichstellung negirt, das Schutzverhältniß nur zum Staate, nicht zu Privaten und Korporationen aufgehoben, die Erwerbung von Grundeigenthum höchst beschränkt wurde ff. Die zweite Kammer zeigte sich um weniges freisinniger, und nur den enormen Anstrengungen der Herren vl>. Freudentheil und Christian! gelang es, einige weiteren Konzessionen zu gewinnen (s. das. Ro. 37. 42.) Bei den Differenzen, die sich hieraus zwischen den beiden Kammern ergaben, wurden Konferenzen über Konferenzen gehalten, bis die zweite Kammer in den meisten Punkten nachgab. Endlich gelangte das Gesetz an das Ministerium zurück, das die Sanktion durch die königliche Unterschrift erwartete, um es zu promulgiren — als König Wilhelm IV. das Zeitliche segnete, Ernst August den Thron von Hannover bestieg, die Kammern auflöste, das Staatsgrundgesetz für ungültig erklärte, das vorliegende Gesetz nunmehr nicht sanktionirte. Mehre Male ließen die Israeliten Hannover's Bittschreiben zu den Füßen des Thrones um Verbesserung ihrer in allen Lheilen unerträglich drückenden Lage gelangen — die Antwort erfolgte in diesen Tagen durch den Gesetzentwurf, dessen Inhalt wir heute mittheilen. Welches wird das Schicksal desselben in den jüngst versammelten Reichsständen sein? Ein Korrespondent der Leipz. Allg. Zeit, beantwortet diese Frage folgendermaßen: „Die Kammern werden diesen Entwurf berathen und in ihren Beschließungen vermuthlich sehr voneinander abweichen. Die erste Kammerz. B. wird aller Wahrscheinlichkeit nach die im Entwürfe ausgesprochene Erwerbsunfähigkeit der Juden in Betreff des Grundeigenthums bestätigen, da sie (die erste Kammer), die eigentliche Repräsentantin des großen Grundbesitzes, die Rivalität des den Juden eignen Spekulationsgeistes fürchten dürfte, wiewol die Juden die Kenntniß und Fähigkeit der landwirthschaftlichen Verwaltung erst mit der Zeit erwerben müßten. Dagegen wird die zweite Kammer darauf dringen, daß den Juden der Erwerb von Grundeigenthum freigegeben werde, damit nicht die ganze Kraft jenes Spekulationsgeistes sich des Handels und der Gewerbe bemächtige. Aehnliche Motive wie diese, dann aber auch die liberalere Gesinnung der zweiten Kammer, werden auch bei den übrigen Bestimmungen die Ansichten beider Kammern voneinander entfernen." Werfen wir auf diese Erscheinungen einen Gesammtblick, so können wir es uns nicht verhehlen, daß sich in den jüdischen Verhältnissen eine Erschlaffung und Abspannung kund thut, die im Allgemeinen eine bedeutende Förderung nicht erwarten läßt für die nächste Zukunft. Der Zeitgeist hat sich müde gerungen an dieser Frage, und auf den erlangten Resultaten, daß überall Etwas geschehen müsse, beruhend, überläßt er einer kommenden Zeit, den Sieg vollständig zu machen. Es ist ein Waffenstillstand eingetreten, in welchem die Gegenparthei das Verharren in den früheren Zuständen oder das Zurückführen auf dieselben, unsere Anhänger und Vertheidiger aber die vollständige Durchführung ihres Prinzips aufgebcn. Belletristik. Der Jude in Graneda. (Fortsetzung.) 14. Freundlich legt sich Dammernacht Auf Graneda's stolze Pracht, Und der kühle West erwacht: Doch der jugendliche Ritter Rührt die Either Vor der Dame Fenstergitter. „Schlossest Du das Auge kaum, Senke sich der süße Traum Leis um Deines Herzens Saum: , Laß den Jüngling niedersteigen, Der Dir eigen, Sich zu Deiner Lippe neigen." „Oder lauschest Du hervor, Ziehe in Dein offnes Ohr Meiner Liebessänge Chor,