Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1841)
- Date
- 1841-07-03
- Page
- Seite 383 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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383 der Mitte der Rede ward Herrn Heine eine Medaille, die die Gemeinde auf dieses Ereigniß hat prägen lassen, in mehreren Exemplaren überreicht, und andere unter das anwesende Publikum ausgetheilt. Die Medaille ist schön, zeigt auf der Vorderseite das frappant ähnliche Bildniß Heine's mit der Umschrift: „Menschenliebe ist die Krone aller Tugenden," auf der Rückseite die Fayade des zu errichtenden Bauwerks. Das Haus wird übrigens in allen Punkten nach Aufgabe eines Komite's von Aerzten eingerichtet, und 80—108 Krgnke einschließlich bezahlender Kostgänger fassen können; Architekt und Baumeister sind sehr zu loben. Nach der Rede wurde die Urkunde, welche in den Grundstein gesenkt ward, verlesen. Auf einer großen Pergamentrolle deutsch und hebräisch geschrieben, wurde sie von den vornehmsten Anwesenden unterzeichnet. Eine Kopie dieser Urkunde wurde dem Wohlthäter übergeben, die mit vieler kalligraphischen Mühe geschrieben, in einen mit einer reichen und geschmackvollen Goldstickerei versehenen violetsammetnen Bande eingebunden, und sodann in ein kostbares Kästchen von ausgezeichneter eingelegter Arbeit (Marquetterie), auf welchem der Vers: „Also bauete Salomon das Haus, und vollendete es" stand, gelegt war. Hierauf fand die Grundsteinlegung statt: den ersten Hammerschlag that der präsidirende Bürgermeister, den zweiten Heine, den dritten der präsidirende Gemeindevorsteher. Nun nahm der Chacham Herr Bernays das Wort. Nach Beendigung dieser Rede wurde eine von Herrn Haarbleicher gedichtete, von Herrn Cobelli in Musik gesetzte Kantate abgesungen, die einen allgemeinen Beifall fand *). Darauf sprach der Vorsteher das Schlußwort, und *) Auch die Cantate liegt uns vor, und hat sie, was nicht immer bei derartigen Festgedichten der Fall ist, poetischen Werth. Wir heben folgende Stelle aus: Chor. Ach wie viele sind der Leiden Auf des Menschen kurzer Bahn, Die er nicht vermag zu meiden Die er nicht besiegen kann! Bald in Angst und bald in Schmerzen, Nie befreit von Furcht im Herzen; Weil das Unglück und die Noth Immer seinem Haupte droht. ein Choral beschloß die Feier. Dieselbe hat hier Epoche und einen sehr angenehmen Eindruck gemacht. ° Am folgenden Sabbat (dem 12ten) kam Herr Heine in den Tempel, wo er zur Tora gerufen ward, und vr. Frankfurter nach der Predigt einen sehr rührenden Segen sprach. Hamburg, 19. Juni. (Privatmitth.) (Es liegen uns über die eben beschriebene Feier noch drei Berichte vor, welche übereinstimmend noch folgende Urtheile ungefähr aussprechen, die bei so allgemein entschiedener Fassung wir dem Publiko nicht vorenthalten können. Redakt.) -In das Zelt zurückgekehrt, bestieg nunmehr der geistliche Beamte der Gemeinde Herr Isaak Bernays die Tribüne und hielt eine — Rede, über deren Inhalt sowol als Vortrag, es besser sein wird zu schweigen. Es genüge die einfache Thatsache, daß die Ungeduld des Publikums sich dergestalt kund gab, daß der präsidirende Vorsteher sich veranlaßt sah auf die Tribüne zu steigen und dem mit geschlossenen Augen Vortragenden Redner, durch Zupfen am Kleide zu verstehen zu geben, daß man wünsche er möge seinen Vortrag beenden. Nach einigen noch hergesagten verwirrten Worten verließ Herr Bernays zur Beruhigung seiner Zuhörer den Katheder. Das Publikum gewann Zeit während eines jetzt dargebotenen glänzenden Frühstücks, sich deutlich darüber auszusprechen, wie unverzeihlich es von den Vorstehern war, daß sie, da sie die Unfähigkeit ihres Geist- Sicherheit ist nicht gewahret. Nicht dem Kinde, nicht dem Greis: Was die Erdenwelt gebähret Reißt sie fort in wildem Kreis. Unverbürgt ist unser Bleiben; Wolken, die im Sturme treiben, Wechseln ihre Schaumgestalt Nicht so schroff und nicht so bald. Arie. Mit festverbundcnen Augen Durchwandeln wir das Leben: Die höchste Weisheit hat dies so bestimmt; Denn ach, wie könnten wir ertragen Den Anblick der Gefahren Die jeden unsrer Schritte Gierig umlauern! D. Redakt.