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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-06-26 · Heft 26 (26.6.1841) · p. Seite 373

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 26 (26.6.1841)
Date
1841-06-26
Page
Seite 373 (sequence 5)
Language
German
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373 Staaten ist und daß jeder Ausländer sich dem allgemeinen Recht unterwerfen muß, bis dasselbe durch besondere Verträge beschränkt wird. Daß es gerecht, daß es nützlich sei, Unterhandlungen anzuknüpfen, um in dieser Hinsicht eine Abänderung der ungerechten Gesetzgebung des einen oder des andern deutschen Staates zu erlangen, begreife ich, und ich glaube, Frankreichs Ehre und Interessen erheischen, daß zum Schutze seiner Unterthanen solche Verhandlungen unternommen werden. Allein so lange noch keine besondere Uebereinkunft besteht, kann man nicht federn, daß die Franzosen von dem allgemeinen Recht ausgenommen werden sollen. Ich glaube daher, daß es passend ist, die Bittschrift an die Regierung zu verweisen, so lange aber das allgemeine Recht nicht durch einen speziellen Vertrag, der ein besonderes Recht an die Stelle des allgemeinen Rechtes setzt, abgeändert worden ist,- muß man das allgemeine Recht des Auslandes achten, wie wir verlangen, daß man es achte." Es wurde dann über die Zuweisung der Bittschrift an den Minister abgestimmt und dieselbe beschlossen." Preußen. Berlin, 7. Juni. Die Leipz. Allg. Zeit. enthält unter obigem Datum folgenden Artikel: „Während sichdie Legislationen von allen Seiten auf die liberalste Weise damit beschäftigen, die Juden allgemach in bürgerlicher Beziehung den Bekennern der herrschenden Religionen gleichzustellen und die starre Jsolirtheit aufzuheben, in die sich jene seit Jahrhunderten mit ihren Satzungen zurückzogen, hat sich hier in der jüngsten Zeit ein Vorfall zugetragen, der von der nachdrücklichsten Reaktion im Haus Israel selbst zeugt. Es circulirt hier nämlich bei einigen strenggläubigen jüdischen Familien unter der Hand ein Cirkular, angeblich durch einige fromme Rabbinen des Großherzogthums Posen veranlaßt, in welchem das betreffende Ministerium ersucht wird, dahin zu wirken, daß diejenigen Juden, welche am Sabbat ihre Läden offen halten oder sonst weltlichen Geschäften obliegen, nach dem Buchstaben der jüdischen Gesetzvorschrift für meineidig gehalten und, abgesehen von etwanigen besondern Strafen, für unfähig erklärt werden, irgendwie ein Zeugniß oder dergl. abzulegen. Ob dieses Cirkular die genügenden Unterschriften erhalten und demnach überreicht, oder ob es unterdrückt werden wird, ob es sich überhaupt einer Berücksichtigung der höchsten Behörden zu erfreuen haben kann, wiewol es allerdings streng talmudisch ist, das Alles vermag ich natürlich nicht zu sagen, jedenfalls aber erscheint hier ein merkwürdiges Zeichen der Zeit, und man sieht, daß eine Judencmanzipation nicht einmal allen Gläubigen recht sein möchte. Lies extremes se touchent! Fast aber möchte ich glauben, daß die aus Posen berichteten Excesse gegen die dortigen Juden aus eine oder die andere Weise mit ihren, meinem Berichte zum Grunde liegenden Bestrebungen im Einklänge stehen." — (Aus den sichersten Quellen können wir versichern, daß dieser Artikel völlig unwahr, und eine Erdichtung solcher Korrespondenten ist, die dem Publikum gern etwas Pikantes austischen. Die Redakt.) Wollstein, 24. Mai. (Privatmitth.) Schon am 3. d. v. M. trat unser neue Rabbine, Dr. H. S. Hirschfeld seinen Wirkungskreis hier an. Er wurde aus eine so glanzende Weise und so herzlich empfangen, daß man wol behaupten kann, es sei solche Ehre von Seiten einer Gemeinde nur äußerst Wenigen zu Theil geworden. Das Zutrauen und die Liebe zu ihm nimmt auch nun mit jedem Tage zu, und seine überaus geistvollen Vorträge, die durch die große Kraft der Beredsamkeit nie ihren Eindruck verfehlen, wenden ihm Aller Herzen zu, und halten die Begeisterung für ihn rege. Da indessen die Feier seiner Ankunft sowol als die nachhaltende Wirkung seiner Reden mehr ein persönliches Interesse haben und vorübergehender Art sind, so hielt ich es nicht angemessen, von ihnen allein der Oeffentlichkeit Bericht zu erstatten, und zögerte mit der Anzeige, bis sich etwas Wichtiges und Allgemeinnützliches für die Oeffentlichkeit zum Berichte eignen würde. Das kann aber bei der thätigen - und umsichtigen Amtsführung unseres Seelsorgers nicht fehlen, und so fand ich schon in der kurzen Zeit Gelegenheit auch jenes zu berichten. Eine Religions- und eine Industrie-Schule wurde nach vielen Mühen von unserm Rabbinen gegründet; und sie zählen nun schon 130 Zöglinge. Ein schönes Denkmal, das er seinem frommen Eifer setzte; der

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