Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1841)
- Date
- 1841-06-26
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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371 gegen sein Volk klagt. Dieser Brief ist publicirt worden *). Frankreich. Paris, I. Juni. (Schluß.) Herr Carnot: „Ich bitte die Kammer um Entschuldigung, daß ich sie die Zeit verlieren lasse, allein die Sache ist wahrlich so wichtig, daß man wol einige Minuten auf ihre Erörterung verwenden kann. Wie kann man sie erledigen? Zu andern Zeiten hatte man sie durch Repressalien erledigt. Das ist es freilich nicht, was ich vorschlage. Ich führte vorher Napoleon an. Man unterbrach mich. Es gibt aber einen recht bemerkenswerthen Fall aus seiner Zeit. Bekanntlich mußten in einigen deutschen Städten die Juden früher eine Art von Zoll zahlen. Diese Abgabe bestand im Elsaß noch kurz vorder französischen Revolution; sie wurde erst durch ein königl. Dekret im Jahr 1784 abgeschafft; der Einfluß der französischen Revolution und einiger deutschen Schriftsteller veranlaßte überall ihre Aufhebung. Allein ein kleiner Fürst aus dem rechten Rheinufer begnügte sich nicht damit, sie in seinen Staaten fortbestchen zu lassen, sondern wollte auch die französischen Juden vom linken Ufer ihr unterwerfen, im Fall sie sein Gebiet beträten. Jean Bon St.-Andre, Präfekt des Departements vom Donnersberg, nahm es auf sich, zu erklären, daß als Repressalie sämmtliche Unterthanen des kleinen Fürsten, um den es .sich handelte, mit Ausnahme der Juden, denselben Zoll zahlen würden, sobald sie die französische Grenze beträten. Was geschah? der Zoll wurde für Alle aufgehoben. Nicht weit von da erreichte man denselben Zweck durch dieselben Mittel, und diesmal handelt es sich wieder um Sachsen. Bor 25 oder 30 Jahren, zur Zeit des Königreichs Westfalen, bestand dort noch der jüdische Leibzoll. Das Kabinet von Kassel zeigte dem Kabinette von Dresden an, im Fall dieses fortfahre, von den westfälischen Juden den Leibzoll zu erheben, werde man in Westfalen sämmtlichen sächsischen Unterthanen ohne Unterschied der Religion diesen Zoll °) Nicht unbemerkt wollen wir hier lassen, wie oft die Leipz. Allg. Zelt, auf Artikel unsrer Zeitung geradezu anspielt, ohne sie zu nennen. Vor Kurzem war es erst in Bezug auf einen Artikel aus Posen der Fall, welchen sie wiedcrgab. Redakt. auflegen. Die sächsischen Behörden beeilten sich, der Anfoderung nachzugeben, obwol sie von den einheimischen Juden den Leibzoll zu erheben sortfuhren. Was damals eine kleine deutsche Monarchie, die sich freilich auf das große Kaiserreich stützte, durch eine einfache Drohung erlangte, das, darf man wol annehmen, würde Frankreich mit eben so wenig Kosten erhalten." Der Minister der öffentlichen Arbeiten: „Wollen Sie vielleicht solche Mittel in Vorschlag bringen?" Herr Carnot: „Ich erklärte gleich anfangs, daß ich keine Repressalien verlange. Verhüte der Himmel, daß ich Maßregeln vorschlage, die feindlich gegen die deutschen Völker erscheinen könnten. Nichts würde meinen Gesinnungen so fern liegen; ich glaube im Gegentheil, wenn unsere Politik ihre Blicke dahin wendete, würde sie Hülfsmittel finden, die im Interesse des europäischen Fortschritts nur allzu sehr vernachlässigt sind. Allein es gibt eine stets erlaubte Art des Einschreitens, welche die gegenseitigen Verbindungen der Nationen nur noch enger schließen kann: Beispiel und Rath. Frankreich hat begonnen, ein Beispiel zu geben, jetzt steht ihm wol zu, Deutschland daran zu erinnern, wie die ganze Menschheit dem mosaischen Volke für so viele Jahrhunderte der Erniedrigungen und der Barbareien Entschädigung schuldig sei: so habe besonders Deutschland sich in seiner eignen Geschichte unter den Hauptschuldnern eingezeichnet. Ich selbst habe so tief gefühlt, daß Billigkeit der Hauptzug des deutschen Charakters ist, daß ich diesen nicht zu beleidigen fürchte, indem ich so spreche." Zur Linken: „Sehr gut! Sehr gut!" Im Centrum: „Genug! Genug!" Herr Carnot: „Ich bringe diese Frage hier zur Sprache, weil ich überzeugt bin, daß sie durch Unterhandlungen erledigt werden kann." Herr Fulchiron: „Es sind noch Bittschriften da von unglücklichen Franzosen..." Herr de Beaumont: „Dies betrifft auch einen Franzosen!" Eine Stimme: „Da laßt uns morgen (am Sonntag) eine Sitzung halten!" Herr Carnot: „Ich wünschte, daß die Kammer den Unterhändlern, die beauftragt werden, die Unterstützung der öffentlichen Meinung gebe;" deshalb halte ich diese Frage fest." Herr Duprat: „Aber alle Welt ist ja einverstanden damit, daß sie dem Minister zugewiesen werde." Herr Carnot: „Allerdings, aber alle Welt ist es nicht, ihr eine feierliche Billigung zu geben. Auch darf man sich nicht vcr-