Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1841)
- Date
- 1841-06-19
- Page
- Seite 363 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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363 über die Schriften, das Streben, die Handlungen Anderer zucken sie die Achseln. „Ach Gott! das sind lauter, Lichterchen gegen mich großes Licht!" Nebenbei macht man. hier und da die Cour, und gelingt es, ein Aemtchen zu bekommen, so geht nichts über's tlvlce lar mente, über's Faullrnzen. Anstatt die Gemeinde kräftig zu heben, die Kinder in Religion zu unterrichten, überall thätig, hülfreich zu sein, Stütze der Bedrängten und Elenden zu werden, anstatt selbst noch viel und viel zu lernen, werden — Romane gelesen und Bücher geschrieben, Religionsbücher, Elementarbücher, Flugschriften, Zeitungsartikel. Dabei würden sie für einige Thaler das ganze Zudenthum verkaufen, wenn Abnehmer vorhanden wären. Fern sei es von mir, den vielen ehrenwerthen Männern unter den Gelehrten Israels höhnend entgegen zu treten, die im Schweiße ihres Angesichts arbeiten für das Wohl ihrer Brüder, unbelohnt und unerquickt, mit seltner Aufopferung ihrer Kräfte, aber warum soll man nicht einmal auf die Halbheit und Ungezogenheit, auf die pfauenartige Selbstbeschauung und den Dünkel so vieler Erscheinungen mit Fingern Hinweisen, von denen man Alles, nur keine religiöse Hebung ihrer Gemeinden erwarte und in deren Händen die religiöse Erziehung der Jugend zu erblicken, grausig und lächerlich zugleich ist. Denn wie will man wahre Begeistrung für die Religion Israels in den jungen Gemüthern erschauen, wo die Lehrer selbst nur dem Scheine mehr als dem Sein huldigen und Alles auf eitle Plapperei und Rednerei ohne Wahrheit der Empfindungen hinausläust. Und vollends die armen Subjekte, denen die Erziehung und religiöse Bildung der Jugend auf dem Lande anvertraut wird, die armen sanscülotten Schächer und Schächter, die unter dem Druck der Grobheit und Verachtung Alef Bet lehren, einige Kapitel Chumesch eintrichtern und allenfalls auf die tabula ra8a des jugendlichen Herzens einige Abschnitte im Johlson mit den darin befindlichen Bibelsprüchen tragen! Wie wird dem Menschenfreunde, wenn er solche Lchrsubjekte sieht, sie sollen Bildung verbreiten, selbst ohne Bildung, sie sollen die jugendliche Pflanze frei und gerade richten, ach selbst krummgewachsen, sie sollen den frischen Lebenshauch der Religiosität der Brust des Kindes einbauchen, selbst schwindsüchtig und verdorrt, schlummernde Kräfte wecken, selbst schon abgestorben!" Nun laßt uns umsehen, unter den Eltern! Da sind welche, die wollen für ihre Kinder gar keine Religion. Sie selbst hangen aus Gewohnheit und Herkommen noch dem Judenthume an, aber aus ihrem Hause, ihrer Umgebung wird Alles verbannt, was ans Jüdische erinnert. Die Kinder sollen bei Leibe gar nicht erfahren, daß sie Juden sind, ja sie genießen in den Schulen christlichen Religionsunterricht; ob sie denn einst eben solche Juden, wie die Eltern werden wollen oder das Judenthum verlassen, das — mag der Zukunft, dem Zufall oder Belieben anheim gestellt bleiben. Aber die Kinder erfahren es dennoch, daß sie Juden sind! Sollte es ihnen nicht der christliche Religionslehrer recht deutlich bemerkbar machen, damit sie sich des Vorzugs bewußt werden, dessen sie der Herr vor tausenden ihrer Volksgenossen gewürdigt! sollte der Schreibelehrer sie nicht am Sonnabend spöttisch fragen: na, schreibst Du denn auch heute? sollte der kleine Schulkamarade nicht bald die kindlichen Püffe und Stöße mit einem kleinen „Mauschel" oder dergleichen christlichen Liebenswürdigkeiten und Hätschelnamen begleiten? Wie ginge es wol anders! Das' Kind erzählt das zu Hause und die Eltern sind darüber sehr erzürnt und gehen zum Direktor und Lehrer und sie sind sehr erbost, daß man ihren Kindern es so begreiflich macht, daß sie Juden wären, da sie selbst doch nichts davon wissen wollten. Und das arme Kind wird den Zwiespalt im Herzen erzogen, es weiß gar nicht, wohin es gehört, ob es zum Gott der Christen oder Juden beten und rufen soll, bis ihm der ganze Gott sehr gleichgültig wird und es im Leben und Sterben nicht wieder an ihn denkt. Da gehen denn die Lebensjahre hin ohne Halten und Walten, es fehlt dein heiliger Geist, großes einiges Wesen, ohne den Alles, in der Natur und im Menschen vergeht und verlebet. Die Last des bürgerlichen Lebens drückt nachher schwer und kein Gedanke Gottes ist, der sie erleichtert, kein höheres, begeisterndes Gefühl, das die Brust hebt. Schrecklich! ein ganzes Leben zu führen entweder im Kampfe religiöser Empfindung oder ohne alle religiöse Empfindung, sich Tage, Monate und Jahre durchzuschleppen, ohne daß einmal der Himmelsthau den Weg durch die Wüste befeuchtet! Das sehen wol viele Eltern ein und sie nehmen sich vor, ihre Kinder anders zu erziehen und mit