Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1841)
- Date
- 1841-06-12
- Page
- Seite 350 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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350 mehr Anforderungen an den Volksals an den Jugendlehrer mit Recht gestellt werden können, desto nöthiger wäre eine Bestimmung, welche die sämmtlichen Zweige de§ Wissens, welche der Rabbinats-Kandidat kennen muß, namhaft machte. Auch sollte, was an einigen Gymnasien geschehen ist, die Slaatsregierung Sorge tragen, daß der Jüngling, welcher sich der jüdischen Religion befleißigt, schon an der Studien-Anstatr von einem Rabbinen präparirt wird und an der Universität durch einige Lehrer seine Fortbildung erhalte. Doch sehen wir jetzt am wenigsten der Erfüllung solcher Wünsche entgegen. — Betrachten wir das Wirken der Rabbinen, so ist's einleuchtend, daß bei der Verschiedenheit der Bildungsstufen unter den Rabbinen, bei dem Mangel einer geistlichen Oberaufsicht, oder, was noch besser wäre, einer Synodatverfassung, Einheit und Gleichheit in dieser Sphäre nicht zu finden ist. Gewiß ( jedoch wurde in dieser Hinsicht das Wirken der baierschen Rabbinen in allzu grellen Farben dargestellt. Wie die Religionsschule in Baiern immer nur von der Lichtseite gemalt wurde, so zeichnete man das Rabbinatswesen stets von der Schattenseite. So viel ist gewiß, daß seit dem Auftreten intelligenter Rabbinen in Baiern in den verwahrlosten Gottesdienst fast allenthalben Ruhe und Ordnung gekehrt, daß Feierlichkeit den-Gesang und Bortrag der Gebete beseelt; daß besonders in Oberfranken auch eine würdige Bestattung der Tobten eingeführt, und viele andere Mißbrauche abgestellt, dagegen heilsame Einrichtungen getroffen wurden. Auch ist's gewiß von Bedeutung, daß durch die gebildeten Rabbinen -das Moment der Belehrung' in den Cuttus wieder ausgenommen ist. Die Einheit wird allerdings vermißt; allein ist sie in den Schulen größer? Auch war durch das Zusammentreffen der Kreiskomites der Weg zur Einigung gebahnt; allein die Vorschläge sind meist ad acta gelegt. Auch benehmen sich die gleichgesinnten Rabbinen gegenseitig, und die Abweichung ist großentheils nicht so wesentlich, als sie der Laie sich denkt. Indessen ist noch die größte Strecke des zu gehenden Weges nicht gebahnt. Noch ist Vieles in der Synagoge und im Leben zu wirken, um dem um sich greifenden Jndifferentism zu steuern, um veraltete Vorurtheite, die mit den Lehren und Gesetzen des Mosaism im Widerspruch stehen, zu tilgen. Aber man fordere nicht zu viel von Einzelnen; nur durch das Berathen und Zusammenwirken vieler Rabbinen und verständiger Laien kann mehr erzielt werden. Aber auch die Negierung darf weder gleichgültig das Judenthum sich selbst überlassen, noch auch eigenmächtig ekngreifen, sondern durch Aufstellung wissenschaftlicher Lehrer, durch Zusammenrufen von Synoden, durch finanzielle Unterstützung des Kultus das geistige und religiöse Heil ihrer israelitischen Unterthanen fördern. Solange die Regierung gleichviel ob die Aufklärung fördernd oder hemmend, immerhin nur daran denkt, das Judenthum dem Christenthum zuzuführen z in solange werden alle Maaßregeln nachtheilig auf die Religiosität einwirken. Man erkenne einmal die alte, bewahrte Selbstständigkeit des Jsraelitenthums an, nehme von ihm Hohn und Druck, und gebe ihm die Mittel zur freien Entwickelung und Entfaltung — und der alte feste Stamm mit frischen Wurzeln, wird schöne Blüthen und segensreiche Früchte zum Heile seiner Bekenner und zur Freude aller Frommen bringen. — Zweiter Artikel. Die bürgerlichen Verhältnisse. Wir können die Schilderung dieses zweiten Theils nicht beginnen, ohne vorher nochmals einen flüchtigen Blick auf die Rabbinatsverhältnisse zurück zu werfen, um einen gerechten Tadel auszusprechen, welcher theils die Persönlichkeit einzelner Rabbinen trifft, theils in der Größe der Rabbinats-Distrikte seinen Grund hat. Wir meinen die Seltenheit des Predigens, ein Fehler, der schon früherhin einmal von dem Königs. Ministerium d. I. gerügt, aber heute noch nicht abgestellt ist. Die Vernachlässigung der Belehrung in der Synagoge, zu allen Zeiten bedauernswerth, ist besonders in unfern Tagen in denen so sehr Vieles festzustellen ist, zu beklagen. Wozu soll die Predigt dienen, wenn im ganzen Jahre oder gar nur alle zwei Jahre eine gehalten wird? Und doch hören die Filialgemeinden nicht öfter einen religiösen Vortrag. Ja, selbst in den Gemeinden, wo der Rabbine seinen Sitz hat, betritt derselbe großentheils nur einigemal des Jahres die Revnerstatte, und die meisten Sabbate -bleibt die Gemeinde ohne Belehrung. Wie ist dem abzuhelfen? Dadurch, daß die Rabbinen selbst fleißig, wo möglich jeden Sabbat und Festtag predigen, und in den Filialgemeinden — solange wir keine Sammlung populärer Vorträge, welche dem Bildungsgrade der Landgemeinden angemessen ist, besitzen — durch den Lehrer geschriebene Predigten, die *) Dieser Vorwurf ist nicht gerecht. Man lese No.LI dieses Jahres. Redakt.