Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1841)
- Date
- 1841-06-12
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225198--03602-3313147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
348 lig äußern; aber damit stimmen wir noch lange nicht in die Lobeserhebungen, welche den Religionsschulen meist von deren Lehrern in öffentlichen Blattern gebracht wurden. Nein, ohne irgend eine Persönlichkeit zu berühren, haben wir Vieles zu beklagen und zu wünschen für diesen wichtigen Zweig unserer religiösen Bildung. Werfen wir auf die Unterrichtszweige und die Unterrichtsmethode einen Blick, so vermissen wir in diesen ganz und gar Gleichheit und Vollständigkeit. Gegenstand und Form wechseln nach der Willkür einzelner Lehrer, Schutinspektoren und Rabbinen. Zn einer Schule wird Chumesch mit Raschi ohne Auswahl übersetzt, eine andere vernachlässigt das Uebersetzen ganz und gar; hier werden grammatische Regeln eingeschärft; dort ist man um diesen Lehrzweig unbekümmert; chald werden Gebete übersetzt, bald gehört das nicht zum Unterrichte. Eben so steht es mit dem Gesänge. Und mit der Religionslehre selbst? Da diktirt noch ein Lehrer sein aus vielen jüdischen und christlichen Katechismen zusammengetragenes Heft seinen Schülern, die noch nicht orthographisch schreiben können; dort treffen wir kein Lehrbuch und kein Schreibheft. Jetzt finden wir Kley, jetzt Al. Behr, hier Herxheimer, dort Johlson! Dieses alles würde noch zu dulden sein, wenn wir überall Lehrer hatten, welche aus dem lebendigen Urquell der Schrift religiösen Geist und religiöses Leben geschöpft hätten. Dem ist leider nicht fo, sondern gar häufig dreht sich der ganze Religionsunterricht der Jugend um das, was man sonst Natuc-> religion genannt hat, d. h. um einige allgemeine Lehren, und diese sollen ausreichendem Heranwachsenden Jüngling und der reifenden Jungfrau Warme und Liebe für Israels Leben und Beruf unter den Völkern einzuflößen! Wol sollte durch die Zusammenberufung der Kreiskomitees im Jahre 1836 diesem Uebel einigermaßen abgeholfen werden; allein noch sehen wir umsonst der , Realisirung der ausgesprochenen Wünsche und Anträge entgegen. — Immerhin wird an manchen, an vielen Schulen viel Gutes geleistet; aber an andern Orten klagen die Gemeinden mit Recht, daß die religiöse Belehrung sehr ungenügend sek. Nicht immer liegt dieser Fehler an dem Willen,, sondern häufig auch an der Fähigkeit der Lehrer. — Wie kann abgeholfen und der Religionsunterricht auf eine höhere gleichartige Stufe gebracht werden? Wenn wir 1) einen Lehrplan für den Unterricht erhielten, welchen eine Commission sachverständiger Männer unter den Auspizien der Regierung entwerfen und ausarbeiten sollte, und über welchen vor der -Sanktion desselben das öffentliche Urtheil gehört werden müßte. Wenn 2) Ein Lehrbuch, gefertigt von den dazu fähigen Rabbinen, wobei außer auf die Form, auch auf das nicht zu Viel und nicht zu Wenig gesehen werden müßte, eingeführt würde. Als Vorbereitung dazu gehörte eine biblische Geschichte mit Beifügung der wichtigsten Schriftverse. Wenn 3) gesorgt wird, daß der jüdische Lehrer sowol bei dem Praparandenunterricht, als an dem Seminar einen tüchtigen Unterricht in der mosaischen Religionslehre und der hebräischen Sprache erhielte. Zur Ueberwachung über Lehrer und Schulen müßte den Rabbinen eine gewichtigere Stimme eingeraumt werden, da bis jetzt die Jnspectorm einen zu großen Einfluß äußern, denen doch nie ein so inniges Interesse und vollständiges Wissen von der jüdischen Religion zuzutrauen ist. Endlich sollten auch in jedem Kreise die Lehrer mehrere Arbeiten einschicken, und hier und da Zusammenkünfte gehalten werden, damit die Fortbildung der Lehrer, von denen Manche außer ihrer Schule sich um tausend weltliche Dinge und Geschäfte mehr kümmern, als um ihre Bildung, gesichert und unter Aufsicht genommen würde. Unsere Schilderung ist in Wünsche übergegangen; allein aus dem, was wir wünschen, sehen wir was uns fehlt, somit ist der Wunsch eine indirekte Schilderung. Zudem mögen diese Wünsche nicht bloß in Baiern, sondern auch in anderen Staaten vor der Hand noch pia desideria sein, welche die Beherzigung der Betheiligten verdienen. Schließen wir diese Beschreibung über das Schulwesen, so dürfen wir das Urtheil fällen, daß die mächtigen Fortschritte des Religionsunterrichts in Belehrung und Mahnung im Gegensatz zu dem in früherer Zeit alle Anerkennung verdienen; daß ferner die Einrichtung und Erhaltung der Schulen auf Kosten der Gemeinden, welche diese gerne tragen, sobald nur in der Schule etwas geleistet wird, den israelitischen Gemeinden gewiß zum Ruhme gereiche; daß auch für die ganze Schöpfung dieses unentbehrlichen Instituts der Religionsschule, der Regierung Dank gebühre; aber der Erfüllung der oben ausgesprochenen Wünsche sehen wir gewiß nicht mit Unrecht entgegen. Denn nicht vollendet treten solche Werke ins Dasein; darum sollte die Regierung stets mit väterlicher Fürsorge diese Institute überwachen und für die Besserung beständige Sorge tragen. So lange Staaten und Regierungen sich um die religiöse Bildung der israelitischen Unterthanen nur in so weit kümmern, als sie — wie sie sich ausdrücken — diesen Unterricht dem bürgerlichen Leben unschädlich oder nützlich wissen wollen;