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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-06-12 · Heft 24 (12.6.1841) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 24 (12.6.1841)
Date
1841-06-12
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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340 Und in der That, die edlen, theils schon zur That verwirklichten Gesinnungen der ungarischen Nation haben in der kürzesten Zeit die schönsten Früchte getragen, denn seitdem die Juden Ungarns der Nation näher gestellt worden, seitdem die Nation ihnen freundlich die hülfreiche Hand geboten, hat sich die elektrische Bewegung, die die ineinandergeschlungenen Hände der Gesellschaft durchzuckt, auch ihnen mitgetheilt, und sie in geistige Regung gebracht. Bereits beginnt bei der reiferen Jugend ein literarisches Streben sich zu entwickeln; bereits haben die meisten Gemeinden in ihren Sprengel» zeitgemäße, den Wünschen der Nation entsprechende, Veränderungen und Einrichtungen, sowol im Kultus, wie in den Bildungs- und Unterrichtsanstalten getroffen. Die Gemeinde der Hauptstadt ist hierin nicht zurückgeblieben, ihr hätte es jedoch geziemt, den andern zum Beispiele hierin voranzuschreiten. Ich muß es gestehen, bei uns herrscht eine selten zu findende Unthätigkeit. Alles, was wir für die gemeinsame Sache thun, ist: daß wir uns freuen bei jedem freudigen Ereigniß, und bei jeder Unbill jammervoll die Hände ringen. In ein unbegreifliches kar mente versunken, liegen wir auf dem Verdecke, und überlassen unser Glücksschiff der Strömung der Zeit, die, zum Glück, so gütig ist, uns weiter zu strömen, wir sollten aber in der That das Ruder zu führen, und desto sichrer und schneller dem Ziele zuzusteuern verstehen. Ich werde nicht anstehen, in eine genauere Erörterung hierüber einzugehen, für jetzt will ich, nach diesem, nur mit leisem Tadel berührten Punkt, den literarischen Bemühungen mehrerer, für das Aufblühen des ungarischen Idioms begeisterten jungen Literaten, das unbedingteste Lob zollen, wovon, wenn ich es nach Verdienst vertheile, dem Herrn Moritz Bloch der größere Theil und noch ein Extra- Lob gebührt, wobei ich nur bedaure, daß ich sie in ihrem einflußreichen Wirken nur mit schwachen Worten ermuthigen kann. Zwar bin ich überzeugt, daß Herr Bloch Ausdauer und Energie genug besitze, sein, ebenso schwieriges, als an literarischem Nutzen großes Unternehmen zu einem erwünschten tragungen das Ansehn von Originalien giebt, aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt. Corresp. Ziele zu führen; dennoch scheint es mir wünschenSwerth zu bleiben, die Gemeinden möchten diesen seinen, die günstige Stimmung für das Judenthum so sehr befördernden Leistungen mehr Aufmerksamkeit, und — warum sollte ich anstehen es auszusprechen? — Beförderung angedeihen lassen. Max. Breuer. Preuße». Vom Niederrhein, 2ö. Mai. (Privatmitth.) Das gänzliche Stillschweigen über die religiösen und bürgerlichen Verhältnisse der hiesigen Juden beweist hinlänglich eine Erschlaffung bei unfern Glaubensgenossen hier zu Lande, die den alles verderbenden Jndifferentismus zur notwendigen Folge hat. Was die Synagoge betrifft, so hat hier noch keine der rühmlichen Verbesserungen unserer Zeit Eingang gefunden. Sollte man es glauben, daß eine Predigt hierorts zu einer seltenen Erscheinung gehört? Daß das Wort Gottes aller Orten das ganze Jahr hindurch verstummt, höchstens hier und da zweimal^ gepredigt wird? Eine im Jahre 1841 nicht leicht glaubliche Erscheinung, aber, leider nur allzuwahr! Und dieser Uebelstand, dieser alles Lebens entbehrende Gottesdienst wuchert nicht nur in den kleinen Dorfgemeinden, denen die Mittel zur Anordnung eines Bessern fehlen, sondern auch in den größern Städten, wie z. B. in Köln, einer Stadt, die alle Elemente, um den Anforderungen der Zeit zu entsprechen, in sich vereinigt, steht Religionsschule und Synagoge verwaist da. — Nicht als ob der hiesige Oberrabbine Herr vr. Ullmann nicht nach Kräften diesem Uebel abzuhelfen sucht, nein, er giebt sich vielmehr alle Mühe, in seinem Sprengel wahre Religiosität zu verbreiten; es schmerzt ihn tief, seine Untergebenen in religiöser Bildung nachstehen zu sehen — aber seine Anordnungen scheitern an dem Starrsinne der Gemeinden. So hat der vr. Ullmann namentlich hinsichtlich der religiösen Trauung heilsame Einrichtungen zur Hebung dieses feierlichen Aktes getroffen; aber was geschieht? — die Geist tödtende, das Gemüth nicht ansprechende Form wird beibehalten, und — wir werden zum Gespötte unserer christlichen Mitbrüder. Schon der Umstand, daß hier jeder Private — er sei dazu berufen oder nicht — die religiöse Trauung vollzieht, liefert einen

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