Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1841)
- Date
- 1841-06-12
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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339 schen .Machinationen gänzlich unbekannt ist, Vieles gewahr, und ihm der Schleier gelüftet, welcher sonst über so manche Saat des Bösen gelegt ist, deren Frucht es harmlos hingenommen. Freilich wird auch hier, wieder eine bedeutende, gewichtige, einflußreiche Autorität gebrochen, aber mit diesem Opfer wird auch das Publikum wieder mündiger, und das ist Gewinn genug. — Wir fühlten uns gedrungen, mit einigen Worten hier darauf hinzuweisen, weil unsre Glaubensgenoffenschaft lang und oft von jenen beiden Blättern gelitten hat, ünd weil Beide sich gegen uns einer Unredlichkeit, einer parteiischen Ungerechtigkeit schuldig gemacht haben, die sich nicht minder in ein Lügengewebe verstrickte, und damit verhüllte. Es ist daher für uns von großer Wichtigkeit, den Charakter, den sich jene beiden Blätter in ihrem Streite gegenseitig imputiren, für sie festzuhalten, und zur Bezeichnung der Verfahrungsweise, die sie auch gegen uns verfolgten, zu gebrauchen. Die öffentliche Meinung wird daraus Vortheil ziehen , und wir einen wesenhaften Schutz. Qesterreich. Pesth, im Mai. (Privatmitth.) „Mein Leipzig lob' ich mir; es ist ein klein Paris und bildet seine Leute!" Diesen Ehrentitel, mit dem Göthe die sächsische Hauptstadt beehrt, könnte man paffender der unsrigen beilegen; denn was für Frankreich Paris, das ist Pesth für Ungarn, das Herz des Landes, aus dem alle den Staatsbürger belebenden Impulse ausgehen, alle Rückwirkungen sich koncentriren. Diese Stadt ist der Centralpunkt des immer höhern Aufschwung gewinnenden Kommerzes, die Wiege einer neu sich entwickelnden Industrie, einer hoffnungsvoll sich entfaltenden Kunstperiode, und der Hochaltar, auf dem die heilige Flamme der Intelligenz lodert, nach allen Richtungen ihr geweihtes Licht verbreitend. Männer, groß im Reiche der Idee, üben hier das Priesteramt, und jeder Licht-Gedanke, der emporleuchtet, verbreitet sich mit der Schnelle des Gedankens und des Lichts über alle Theile des Landes, die ihn theils in sich ausnehmen, theils auf ihre eigenthümliche Weise reflektiren. Der Anblick Uttgarn's, des gesegneten reichen, des reich gesegneten Landes, ist der, einer prachtvollen Morgenlandschaft, über die eine schöne I Morgenröthe eben hereinbricht, eine neue Sonne der Verheißung emportragend. Nicht aber auf die verschiedenen Menschenklassen — auf „höher gestellte" und „Niedriggeborne" — auf deren vielfältige Beschäftigungsweisen allein — seien es intellektuelle oder gewerbliche, auch in die dunklen, von den Stürmen des Schicksals, von den Wolken des Mißgeschickes so lange umdüstert gebliebenen Ghettos, ist ein Strahl jener frühlingsverbindenden Morgenröthe gesunken; der ägyptischen Finsterniß, der nordischen Nacht der Miserien, folgt ein lichter Tag, ein Tag der Befreiung, denn die Schranken, die das Volk des Landes so lange, so lange beengt, sind großentheils geöffnet. Die ersten starken Schläge auf die tief eingewurzelte, tausendjährige Rieseneiche des Aberglaubens und der Vorurtheile, sind bereits am verflossenen Reichstage von Männern des Geistes und der Beredsamkeit geführt worden, und was wir, von einer vielleicht nicht fernen Zukunft hoffen dürfen, zeigt uns eine so eben auf dem literarischen Markte erschienene Broschüre: die Emanzipation der Juden in Ungarn, von Joseph Freiherrn von Cötoös. Der Verfasser, eindurch seine Phantasie- und geistvollen Schriften berühmter Schriftsteller, wie durch seine Stellung und Redegewalt, einflußreicher Publizist, hat in dieser, ganz im Geiste des Liberalismus und der Humanität abgefaßten Schrift alle jene Sch ein gründe und Sophismen, die je gegen diese Forderung des Zeitgeistes geschmiedet worden, in ihrer ganzen Nichtigkeit und Scheinheiligkeit dargestellt, und sich den edlen Verfechtern dieser Sache mit einer Wärme und Hochherzigkeit angeschloffen, die jeden Freund des Fortschritts mit Freude und Bewunderung erfüllen muß. Die geistreiche Schrift ist von dem Verfasser seinem freisinnigen Freunde und edlen Mitstrebenden Simon von Dubraviczky, erstem Bicegespann des Pesther Komitats — einem der feurigsten Sprecher für die Emanzipation — gewidmet °j. *) Herr Herrmann Klein, der rühmlichst bekannte Translator mehrerer bedeutenden Werke der neuern ungar. Literatur, die durch ihn auch in Deutschland, wo denselben eine gebührende Anerkennung zu Theil wurde, bekannt geworden — hat die Broschüre mit der von ihm zu erwartenden Meisterschaft, die allen seinen lieber-