Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1841)
- Date
- 1841-06-05
- Page
- Seite 328 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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828 lichung ihre Geburtsstadt als Wohnungsort zu wählen : so muß hingegen der schon erwähnte Beschluß, welcher dem den Baslern besonders eigenthümlichen Billigkeitsgefühle weit angemessener ist, als das bisherige Verfahren, gewiß einen jeden Betreffenden mit Freude und Dank gegen die hiesige Wohllöbliche Regierung erfüllen; die jungen Basler Israeliten aber muß er zu der Hoffnung berechtigen, daß ihnen in Zukunft ein besseres Loos bevorstehen werde, und daßffie nicht mehr den Zeitpunkt ihrer ehelichen Verbindung gleichsam auch als den Zeitpunkt ihrer Verweisung aus^hrer Geburtsstadt werden betrachten inüssen, w|e durch ihr bisheriges Betragen noch keine VeranKssung gegeben haben, und gewiß auch in Zukunft keine geben werden. SelUtttfl Förderung n nd H e m Eine Skizze aus dem Leben, tFortsetzung und Schluß.) Das Kriegsleben ergriff mich aus eine eigene Weise. Ich war in den letzten Jahren zu innerlich! geworden, mein Geist hatte eine sehr günstige Entj Wickelung genommen, aber er spann sich in sich selbst j ein, und trug sein ganzes Gcspinnst an und mit! sich herum. Mein ganzes Dasein war nach innen! gewandt, und die Außenwelt war kaum für mich! da. Jetzt galt es, des Leibes Kräfte immerfort > übend zu erhalten, und übend zu bilden, und in > regster Wachsamkeit sich selbst und das Ganze zu l wahren. Man stritt und kämpfte für ein außer sich j Vorhandenes, und wovon man dennoch ein lebenj diges Glied war. Und endlich unterdrückte die kör-; perliche Anstrengung alle Reflexion. Auch schaute! es sich aus dem Sturmbande des Tschako's ganz! anders in die Welt. Hier war jeglicher Unterschied zwischen Menschen und Menschen gefallen, die gemeinsame Noth, das gemeinsame Loos und das gemeinsame Ziel trug jedwede Schranke ab, und der : Hieb der blanken Waffe schien nicht bloß den Feind, sondern auch das feindliche Vorurtheil niederzuhauen. Wer aber so vielfach die Hemmnisse des letztem empfunden, versenkt sich am meisten in den Jubel, in welchem es schwindet. Eine Beschreibung unsrer Krieszüge will ich ihnen nicht geben, saure Jahre waren es, die Jahre 1813, 1814 und 1815, aber auch herrlich, wie sie so leicht nicht wiederkehren. Ich focht tapfer mit, ich blutete für die heilige Sache der deutschen Unabhängigkeit, und trage die Narben an meinem Leibe. Aber ich kehrte doch ganz anders wieder. Jetzt erst war ich Mann geworden, gewandt an Körper, gesund und kräftig an Seele. Ich trug die Gewißheit, daß ich mit dem Siege auch den Sieg meines Lebens erringen helfe, mit mir herum, daß ich mir ein Vaterland erkämpfe und eine Aussicht. Als der Krieg zu Ende war, war ich Feldwebel, und hatte die Anwartschaft auf das Kreuz. . Unser Regiment kehrte zurück, und zog mit Sang und Klang in die heimathlichen Fluren zurück. Wer aus dem Dienste treten wolle, wurde aufgefordert, seine Entlassung einzureichen, so wie wer von. den Avancirten in den Civildienst übergehen wollet, seine Qualifikation und Ansprüche. Ich zögerte nicht, und da meine Oberen mir sehr wohl wollten, und versprachen, mich besonders zu fördern: so suchte ich um die Vergünstigung nach, ein Jahr ein Seminar besuchen zu dürfen, um dann an einer städtischen Schule ein mäßiges Lehramt zu versehen. Ich hatte um so eher gegründete Hoffnung, da das Preußische Gesetz den Juden das Lehrfach geöffnet hatte. Ich glaubte längst jeden Gedanken an Judenbeschränkungen in das Blut und die Leichengruben der Schlachtfelder versunken. Aber ich erhielt keine Resolution. Ich kam nochmals ein, und unterstützte mein Begehr durch Zeugnisse meiner Vorgesetzten. — Da ließ mich eines Tages der Oberst rufen, und forderte, in höher« Aufträge meine Erklärung ab, ob ich — mich tau» j fen lassen wolle, so stände der Erfüllung meiner Wünsche Nichts im Wege. Ich gab eine verneinende Antwort, und sie ging ab. Diesmal brauchte ich nicht lange zu warten, ich erhielt meine Entlassung, und zugleich — einen abschläglichen Bescheid: als Jude könnte ich nicht in den Staatsdienst treten. Ich gestehe, solch' fürchterliche Stunde habe ich nie wieder erlebt. Nicht