Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1841)
- Date
- 1841-06-05
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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322 samkeit in dm theologischen und profanen Wissenschaften. Ich habe manche Stunde mit diesem ehrwürdigen Manne in der Unterhaltung verbracht, der jetzt unter den Qualen von tausend schrecklichen Torturen gestorben. Dennoch sehen wir zweifellos in Uesen Ereignissen „den Finger des Allmächtigen." Da nichts absolut Böses aus der ewigen Quelle der Wahrheit und des Heils stießen kann, so glaube ich, daß auch hierdurch Juden und Christen sich näher kommen sollen, daß es ruhmreich sich vollende. Das kann aber die nicht entschuldigen, welche solchen Vorgängen mit einer unglaublichen Gleichgültigkeit für ein menschliches Dasein zusahen, und groß wird die Verantwortlichkeit derer, welche dort zu Beschützern und als Repräsentanten der civilisirten Staaten bestellt sind, vor der Welt und vor ihrem Schöpfer sein. Ein Freund theilte mir mit, daß die Umgekommenen in ihren Martern nur das Wort hören ließen: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott ist einig!" und mit diesen Worten starben die heiligen Märtyrer. Die, welche mit der unglücklichen Gemeinde wahrhaftes Mitgefühl empfinden, können allein ausrusen: „Gesegnet seist du, Ewiger, der ynt Gerechtigkeit richtet!" Ein aufgeklärter Mann, welcher Religion er auch angehört, kann keinen Juden solches Verbrechens schuldig glauben, aber es ist die unwissende und verwahrloste Volksklasse, deren Gemüther den Geist ihrer eignen Religion nicht gefaßt haben, welche Druck und Verfolgungen für verdient hält. Diese gemeinen Menschen sind es, welche, voll Neides, nur die Gelegenheit ergreifen, sich des Eigenthums Andrer zu bemächtigen. Wenn der arme unterdrückte Israelit, der Schatten alten Ruhmes, nichts mehr hat, den Unterdrücker zu befriedigen, so nimmt der letztere Zuflucht zu alten erfundenen Geschichten, um sein Opfer unter solchem Vorwände von der Erde verschwinden zu lassen. Einer meiner Freunde bemerkt in einem Journal: „Fern sei es von uns, hierbei Mangel an Ausrichtigkeit ff."") bis zum Ende""). *) Herr Dr. Löwe citirt hier den Aufsatz, den wir damals in der Magdeb. Zeit., und alsdann in der Allg. Zeit, des Judenth. vor. Jahr. No. 18. abdrucken ließen. Redakt. **) Sehr interessant ist es, am Ende jenes Berichts vom Major v. Hailbronner (No. 6. S. 75) den Be- Preußen. Magdeburg, 23. Mai. (Privatmitth.) Unter allen Fortschritten, welche die Bekenner unsres Glaubens in der Neuzeit vollbracht, gehört es zu den erfreulichsten, wenn die Wirksamkeit ausgezeichneter Männer für das Allgemeine im Steigen begriffen ist. Wenn wir auf die Resultate solcher Wirksamkeit außerhalb des speziellen jüdischen Kreises öfters einen Blick werfen, so verdienen wir sicherlich den Vorwurf nicht, als ob wir alles Gute, was von Juden ausgeht, ausschließlich erheben und beloben, damit prunken und rühmen wollen. Sehr fern lag und liegt uns solche Absicht. Sondern wir müssen auf dergleichen von Zeit zu Zeit zurückkommen, um unfern Gegnern es zum Bewußtsein zu führen, daß die Insinuation, die Juden nämen an dem öffentlichen Wesen geringen Theil, keine zeitgemäße mehr sei. Es ist demnach die Bezeichnung der Leistungen von Juden nur eine Nothwendigkeit, in welche wir wider Willen versetzt werden. Bemerken wir außerdem, daß es uns sehr wohl anstehe, durch solche Berücksichtigungen den Eifer für das allgemeine Beste in den Gliedern unsres Glaubens immerfort zu erwecken, und selbst unter ungünstigen, ja feindlichen Verhältnissen rege zu erhalten: so wird sich jeder Billigdenkende uns auch hierin anschließen. — AuS der jüngsten Zeit können wir mehre erfolgreiche Bemühungen jüdischer Glaubensgenossen hervorheben. So hat unlängst die Preuß. Staatszeitung darauf aufmerksam gemacht, daß das neue Zollsystem, welches die englischen Minister in diesem Augenblick zur Hebung der sinanziellen und industriellen Verlegenheiten Großbritannien's in Vorschlag gebracht, von dem Herrn David Salomons zu London im vorigen Jahre in einer Schrift vorgezeichnet und motivirt worden ist. — In der jüngsten Buchhändlermeffe war es ein Israelit, Herr Dr. Veit zu Berlin, der in der Genesuch in der Familie Picckolto beschrieben zu lesen, und wie er „Mitleid empfand," als die junge, schöne Frau sogar einen Ball zu geben versprach, sobald die Unschuld ihres Mannes erkannt sei. Aus der vor. No. ersahen die Leser, daß ihre Hoffnung, ihre Zuversicht auf den Lenker im Himmel nicht getauscht worden — der Ball ist gegeben worden! Redakt.