Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-29 · Heft 22 (29.5.1841) · p. Seite 318

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 22 (29.5.1841)
Date
1841-05-29
Page
Seite 318 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225196--03570-3313113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

818 die er jahrelang in seinem Busen getragenhaben mag, in Erfüllung bringen können;, sogar die äußeren Bedingungen waren ihm durch seine Beziehungen zu einflußreichen und hochgestellten Männern dazu gegeben: wenn er sich zu einem Opfer entschließen mochte, das man leider heute mit unerhörtem Leichtsinne, mit schauderhafter Gleichgültigkeit von so vielen bringen sieht: er hätte dem Glauben seiner Väter entsagen müssen. Er aber blieb standhaft und wollte sich nicht zu der Feigheit und Heuchelei verstehen, aus weltlichen Rücksichten das heiligste des Menschen zu verläugnen. Er brachte in ehrenvoller Entsagung seine Laufbahn dem Glauben seiner Väter zum Opfer. Düsseldorf im Mai 1841. Moritz Geisenheimer. Correspondenzen. Aus Baiern, Mai. Ueber die religiösen nnd bürgerlichen Verhältnisse der baietfchen Israeliten. Erster Artikel. Schul -> und Rabbinatswesen. Meinem Versprechen gemäß, wache ich den Versuch, einen Ueberblick über 1 den Stand der in der Ueberschrist genannten Verhältnisse zu geben, beginnend mit dem, was uns zunächst und am meisten am Herzen liegt, mit der Schilderung des religiösen Zustandes in der Schule und der Synagoge. Religionsschule und Synagoge bilden das Feld, auf welchem das religiöse Leben der Gemeinschaft sich darstellt und fortpflanzet; beide Institute sind Anstalten, welche für die Gegenwart den Maßstab darbieten, den Höhegrad 'der religiösen Bildung in der Gemeinde zu messen, und für die Zukunft die Perspektive gewähre», den Gang der kommenden Entwickelung zu ahnen. Wir würden jedoch weder die Wirksamkeit dieser doppelten Pflanzschule des religiösen Lebens in der Gegenwart richtig beurtheilen, noch auch eine wahrscheinliche Präsumplion für die Entwickelung in der Zukunft aufstellen können, wenn wir nicht die Vergangenheit im Auge behalten, wie sie uns den zu bearbeitenden Boden übergeben, und wenn wir nicht die Staatsgesetze berücksichtigen, unter welchen die Institute hervorgetreten sind und ,fortan wirken. Nichts führt leichter zu einem voreiligen Absprechen oder Lobhudeln über diesen Zweig geistiger Thätigkeit, als einseitiges Auffassen momentaner Erscheinungen, ohne Rücksicht auf die Umstande in ihrer Gesammtheit, ohne Achtung auf den innern Zusammenhang und den äußern Einfluß. In Folge dieser Einseitigkeit treten bald Männer, oder Andere sehen sie treten, an das Werk der Volkserziehung mit der begeisternden, aber täuschenden Zuversicht, das hohe vorgefaßte Ideal, welches sie in sich tragen, müßte durch ihr Lehren und Wirken gar schnell in dem ganzen Umkreise realisirt sein; bald bemächtiget sich Derer, welche diese schnelle Erwartung betrogen hat, eine traurige Vcrzweifelung, in welcher sie den Glauben an den endlichen Sieg des Lichtes über die Finsterniß völlig verlieren. Viele Männer, von dieser irrigen Ansicht getäuscht, ziehen sich dann mit dem Ausrufe: „es ist Alles umsonst, es wird doch nicht anders!" von dem Wirkungskreise für die religiöse und bürgerliche Hebung Israels zurück, an welchem sie vorhin mit warmem Herzen Theil genommen haben. Ein versteckter Egoism liegt immerhin hinter diesem sonst löblichen Verlangen nach der raschen Verwirklichung der gehegten frommen Wünsche, insofern nämlich, als man die Frucht der Mühe mit eignen Augen sehen will. Wunderbar! das messianische Reich der Vollkommenheit, welches die Bibel an dem Ende der Tage verheißt (Jes. 2, 2. Micha 4, 1. m-iOKS rrrrt 'm , das möchten wir eintreten sehen, jeglicher in seinen Tagen, und geben den Glauben an dasselbe auf, sobald die Hoffnung des baldige« Eintretens uns verläßt. Möchte doch Jeder bedenken, daß durch solche Gesinnung und That, die Annäherung an dieses schöne Ziel noch mehr erschwert und verzögert werde; daß Niemand sein Denken und Handeln für so vollkommen halten dürfe, daß er wähne, wäre dieses allgemein verbreitet, so würde die Vollendung der religiösen und sittlichen Bildung erreicht sein. Des Israeliten Aufgabe ist es, rastlos an seiner Veredlung zu arbeiten, und soweit es in seinen Kräften liegt, zu der Förderung der ächten Aufklärung beizutragen, ohne nach dem augenblicklichen Erfolg zu fragen. rDiTütt Heil dem Harrenden und Ausharrenden! Wer harret und hofft, hält aus; wer verzweifelt, wird loß und schwach. — Die verehrt. Leser werden uns diese Einleitung verzeihen; es sind Worte, die für den Israeliten fast allenthalben von gro-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.