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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-29 · Heft 22 (29.5.1841) · p. Seite 314

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 22 (29.5.1841)
Date
1841-05-29
Page
Seite 314 (sequence 10)
Language
German
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314 ser, Templer oder deutschen Ritter eindringlicher normiren konnten. Die Worte klirren fast wie die Waffen, welche gegen alle Ungläubigen feindlich gerichtet werden sollten. Freilich hat man als solche nur Wenigere erachtet. Türken oder Fetischanbeter dürften sich schwerlich aufmachen, um den philosophischen Licentiaten - oder Doktorgrad der Universität Breslau zu ambiren. Unsere Ungläubigen sind allein die Juden, und ihrem gelehrten Ehrgeiz galt es, Schloß und Riegel vorzuschieben. Da jetzt fast alle Schulamtskandidaten promoviren und auch Diejenigen, welche sich zu Aemtern an jüdischen Schulen oder Kirchen bestimmen, sich einer Prüfung unterwerfen müssen, so erscheint es etwas hart, daß die Juden in der Reihe der Gelehrten zwar als Gemeine dienen müssen, aber bei allen Verdiensten nicht zu einem hohem Range aufstekgen können. Aber die philosophische Fakultät der Universität Breslau war nicht geneigt, diejenigen Ansichten für durchgreifend oder nur einflußreich anzunehmen, auf Grund deren Berlin und Halle die Würde eines Doktors der Philosophie mit dem Judenthume nicht für unvereinbar halten. Wenn sie sich dabei auf ein altes Herkommen beruft, so lassen wir dies willig insoweit gelten, als damit die philosophische Fakultät nach dem Geiste der Zeit, in welcher das Herkommen, nicht der Zeit, in welcher, das Reglement entstanden ist, beurtheilt und gerichtet werden will. Das Reglement aber ist vom Jahr 1840. Berlin, 12. Mai. In einem Schreiben von hier an die Augsb. Allg. Zeit, kömmt folgender Passus vor: „In Preußen hat man bisher Anstand genommen, Ordenskreuze auch an Nichtchristen zu verleihen. Dieser Anstand ist jedoch kürzlich beseitigt worden, indem der König den rothen Adlerorden einem muselmännischen Diplomaten der hoben Pforte verliehen hat. Jüdische Glaubensgenossen haben zwar in den Kriegen von 1813 bis 181» das eiserne Kreuz vielfach erworben, doch hat man seitdem ebenfalls geglaubt, ihnen das heilige Zeichen des Christenthums nicht mehr verleihen zu dürfen, wiewol sie es, als Landwehrmänner, fortwährend noch auf ihren Czakos tragen, und es hier mit seiner schönen Inschrift: „Mit Gott, für König und Vaterland" gewiß eben so heilig halten, als ihre christlichen Kameraden. — Jüdische Porträts. I. Ludwig 28ihl. Das Judenthum mit seinen geschichtlichen Kämpfen, mit seinem Ringen und Streben für das unveräußerlichste, wenn gleich lange vorenthallene Recht ist endlich dahin gelangt, wo ihm auch die Gegner ihre Achtung nicht mehr länger versagen können. Es ist gleichsam ein Waffenstillstand eingetreten, welcher wenigstens bekundet, daß man die Schwäche u.nd Untüchtigkeit des Feindes überschätzt hatte. Hoffen wir, daß zum gänzlichen Frieden und zur Versöhnung aller recht bald der letzte Schritt gethan werde. Aber statt des Parteienkampfes ist ein edelerer Wettstreit entstanden, ein Wettstreit um die Verbreitung erhabener und schöner Gefühle, hoher Sittlichkeit und Tugend, ein Wettstreit um den Adel der Gesinnung und hochherzige Liebe und Hingebung für Volk und Vaterland. Doch auch auf diesem neuen Felde, gestehen wir es nur, sucht man den Mitstrebenden entweder von der Arena zu entfernen, oder so viel Staub aufzuregen, daß er nicht erkannt wird. Selbst auch bei solchen Männern, die sich durch eigene Kraft Bahn gebrochen und in den Vordergrund gestellt haben, werden nur .die schwächeren und dunkeleren, nicht aber auch die hervorragenden und glänzenden Seiten dem Judenthume zuerkannt. Wie oft sind z. B. Börne und Heine, die Geächteten und Verrufenen, als Juden geschmäht und verachtet, Heine und Börne, die Dichter und Denker, als Christen erhoben und gepriesen worden? Mögen unsere Gegner sich immerhin solche Inkonsequenzen zu Schulden kommen lassen, uns soll nichts die Freude und den Stolz über unsere Dichter verkümmern. Denn das Herz des Dichters eint, wie in einem Brennspiegel, alle Empfindungen und Gefühle der Menschheit gleich Strahlen, zur einen und ewigen Flamme, und der warme Pulsschlag eines Einzigen ist Bürge für das geistige Leben Tausender. Manchem mag das Ausgesprochene als eine bloße Hyperbel erscheinen; wer aber in den tiefen Schacht eines Dichtergemüthes hinab zu steigen vermag, dem wird es eine Wahrheit sein, lauter und ewig, wie die Sonne des Tags, wie die Sterne der Nacht. Ware zum Beurtheilen und Verstehen eines Dich-

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