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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-29 · Heft 22 (29.5.1841) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 22 (29.5.1841)
Date
1841-05-29
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
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311 zur christlichen Schule beisteuert"), der neuen Anstalt überwiesen wird. Einige junge Leute, die hier Hauslehrerstellen bekleiden, haben sich erboten, Jeder täglich 1 Stunde unentgeldlich Unterricht zu erth eilen." ,,Von dem Erfolge meines neuen Unternehmens werde ich Sie zur Zeit in Kenntniß setzen, da ich weiß, wie lebhaft Sie sich für die Verbesserung der jüdischen Verhältnisse interessiren." Referent schließt diesen Bericht mit dem innigsten Wunsche, daß der wackere Herr Mamroth in seinem Eifer für die Schule nicht erkalten, und daß, wie es ihm gelungen, ein Obdach für die Pflege körperlich Kranker, es ihm eben so gelingen möge, eine Pflanzstätte kräftiger Nahrung für die geistesschwache Generation in Kalisch zu begründen: — dann wird nach dem neuen Vorbild auch in der umliegenden Gegend Polens eine wohlerzogene jüdische Jugend emporblühen, befreit von den beengenden Sklavenbanden verjährter finstrer Vorurtheile, erstarkt in einer wahrhaft gediegenen Geistesaufklärung, erkrästigt in einer vernunftmäßigen Auffassung der Religionslehre , die aller wahren Weisheit Anfang und Ende ist, erleuchtet in dem angestammten Glauben der Väter. An einer so herangebildeten Jugend bewahren wir alsdann, nach dem Ausspruch des Propheten""), „das Zeugniß und besiegeln, wie an treuen „Jüngern die Lehre: dann harren wir wiederum des „Ewigen, ob er auch eine Zeitlang sein Antlitz barg „vor dem Hause Jakobs; denn — deß bin auch ich „gewiß — solche Kinder verleihet uns der Ewige zu „Zeichen und Vorbildern einer bessern, ihm wohlge- „fälligen Zukunft in Israel." .11 .« Deutschland. Sondershausen, im April. (Privatmitth.)- Nachdem bereits in No. 13 dieser Blätter über die Anstellung des israelitischen Predigers und Lehrers Heidenheim an der hiesigen fürstlichen Realschule referirt wurde, so wird hier nachträglich bemerkt, daß derselbe nach den Landesgesetzen nun erst, seit dem I. April c., nach wohlbestandencm Probejahre und einer mit seinen Schülern abgehaltenen Prüfung laut *) Ohne daß jedoch auch nur wenige Knaben, oder Mädchen die christliche Freischule besuchen (der Einsender). "") Jes. 8, 16. 17. 18. höchsten Rescripts und No. 16 des hiesigen Regierungsblattes definitiv und zugleich mit einer Gehaltszulage von unserm durchlauchtigsten Fürsten bestätigt und vom Konsistorio gesetzlich verpflichtet worden ist. Er hatte das Glück, in Begleitung unseres trefflichen, für das Wohl unserer Gemeinde unablässig strebenden Vorstehers, des Hofagenten Czarnikow, in einer halbstündigen Audienz dem edlen Fürsten persönlich seinen tiefgefühlten Dank abzustatten, und beide hörten aus dem fürstl. Munde Worte der Huld und Humanität, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen, und es wohl verdienten aller Welt bekannt zu werden. Welche Bedeutsamkeit übrigens die Anstellung eines jüdischen Lehrers an öffentlichen Schulen hat, wie auf solche Weise am ehesten eine wahre Emanzipation herbeigeführt und mittelalterlichen Vorurtheilen begegnet, wie dadurch keinesweges unser heiliger Glaube, wie manche Engherzige wähnen, erniedrigt, sondern erhöht wird, das soll heute bloß angedeutet werden, wir behalten uns jedoch vor, ferner darüber zu berichten. Die Erfahrung spricht bei uns nur zu eindringlich, kaum ist seit der Vereinigung der Schulen") ein Jahr verflossen, und schon lassen sich die erfreulichsten Resultate dieser wahrhaft fürstlichen Maßregel nicht verkennen. Es gewährt dem Menschenfreunde großen Genuß zu sehen, auf welche Weise hier schon früh den kindlichen Herzen höhere Begriffe von Religion und Menschenwürde praktisch eingeflößt werden und wie christliche Schüler aufmerksam auf die Worte des jüdischen Lehrers lauschen und ihm mit wahrer Liebe zugethan sind. Nach dem diesjährigen Programm errheilt Letzterer in fürstl. Realschule in der deutschen und lateinischen Sprache, in der Geschichte und Geographie, in den höhern kaufmännischen Rechnungen und in der Buchführung Unterricht und besorgt außerdem bei der israelitischen Gemeinde das Amt eines Reli- ") Es diene hier beiläufig zur Nachricht, daß nicht eigentlich, wie es in No. 13 d. Bl. heißt, Mangel an Mitteln die Auflösung der israel. Elementarschule nach sich Zog, sondern daß eben nur die gestellte Aussicht einer solchen Vereinbarung Gemeinde und Lehrer dazu bestimmen konnte. Eorresp.

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