Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1841)
- Date
- 1841-05-29
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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310 ligen Interessen des Judenthums aufrichtigen Antheil nehmen, nicht gleichgiltig sein, über jene unsrer Grenze so nahe liegende und vor nicht langer Zeit zu Preußen gehörige Stadt als Ergänzungsartikel die Verkündigung einer nahen bessern Zukunft zu vernehmen. In jener traurigen, aber doch durchaus wahren Schilderung der jüdischen Angelegenheiten in Kalisch geschah auch eines Mannes Erwähnung, der in der Lhat in gar vielfacher Rücksicht verdient, vielen Israeliten, besonders seines jetzigen Vaterlandes als nachahmenswerthes Musterbild anempfohlcn zu werden. Es verbindet nämlich der Herr- Louis Mamroth, gebürtig aus Posen, -mit dem liebenswürdigsten Aeußern eine innerliche lebens - und geistvolle Gemüthlichkeit und eine herzlich warme thatkräftige Menschenliebe, durch die er die Gemächer seiner Brüder in und außerhalb Israels mit einem mächtigen Seelenzuge an sich fesselt und alle Herzen mit unwiderstehlicher Zauberkraft an sich bannt. Seine überall sich bekundende praktische Humanität und sein rühmliches Streben, das in Polen noch unkultivirte Feld der Civilisation urbar zu machen und mit der Zeit auch anzubauen, wurde vom Kaiser Nikolaus nicht übersehen, von dem er außer mehrerer ehrenvoller Patente, vor einigen Jahren einer mündlichen Unterredung gewürdigt und zur Anerkennung seiner Verdienste durch eine sehr werthvolle Medaille ausgezeichnet wurde. Aber mehr als dieß auszeichnende Metall schmückt und krönt ihn eine schönere Zierde, sein liebevolles Herz, das ihn auch für das jüdische Waisenhaus in Posen eine namhafte Summe spenden ließ. Durch seinen unermüdlich ausdauernden Eifer bei der Begründung und die rastlose Thätigkeit für die fortwährende Förderung des jüdischen Hospitals, das j so starke Opposition von Seiten intriganter Subjekte! erfuhr, die sich — horribile dictu — Gelehrte und Heilige — Chaffidim — nennen; durch die genaue Sorgfalt, die er trotz seiner in außergewöhnlichem Grade überhäuften Geschäfte dieser frommen Stiftung zuwendet, die in Betracht der vortrefflichen Einrichtung und der darin obwaltenden pünktlichen Ordnung — ohne irgend eine Uebertreibung — alle Ewartung übcrtrifft und viele Hospitäler in großen Gemeinden Preußens weit hinter sich zurückläßt, hat sich Herr Mamroth ein Denkmal errichtet aere pereonius *). Die oben versprochenen erfreulichen Nachrichten über die zu erwartenden Fortschritte der jüdischen Jugend in Kalisch betreffend, so sind dieselben einem Jan. d. I. von Herrn Mamroth an einen frühem Hausgenossengerichteten Schreiben entnommen, worin sich ein klares ungefärbt treues Abbild der Bestrebungen des Briefstellers abspiegelt, der unter Anderem Folgendes schreibt: „In No. 37 der Allg. Zeit, des Jud. las ich einen Artikel über den traurigen Zustand der jüdischen Jugend in hiesiger Stadt wegen des Mangels an Elementarschulen, worin Referent vollkommen Recht hat. Zu meiner Freude kann ich Ihnen indeß miltheilen, daß in Folge einer ziemlich langen Unterredung mit dem jetzigen hiesigen Oberrabbinen derselbe der Errichtung einer solchen Anstalt nicht nur nichts entgegensetzen wird, sondern mir sogar versprach, wenn das Institut ins Leben treten sollte, seinerseits mitzuwirken, die Jugend von der Nutzbarkeit desselben zu überzeugen und sie zu dessen Besuch anzufeuern. Wenigstens hat doch diese Erklärung etwas Beruhigendes für mich, und ich darf nicht etwas Aehnliches, wie im Jahre 1822 befürchten, wo bereits die Regierung der Eröffnung einer Schulanstalt die Genehmigung ertheilt hatte, — der damalige Rabbine aber durch vorgespiegelte religiöse Grundsätze finstrer Jahrhunderte das beabsichtigte gute Werk ganz vereitelte. Ich hoffe, im Lause d. I. meinen längst gehegten Plan in Betreff der Errichtung einer Elementarschule hier wenigstens im Kleinen zu verwirklichen; vielleicht gelangt dann mit der Zeit die Sache zu einem größern Wirkungskreise, wenn nur erst der schwierige Anfang gemacht ist." „Da die jüdische Gemeinde mit Abgaben aller Art zu sehr belastet ist, so ist die Hauptschwierigkeil, woher der Fond zur Erhaltung einer Schule beschaff! werden könnte. Es ist aber möglich, daß die Regierung die 2»0lt fl., welche die hiesige Judenschast *) Auch der Herr vr. Morgenstern erwirbt sich unsterbliche Verdienste um diese wohllhatige, heilsame Anstalt, für die er in ärztlicher und ökonomischer Hinsicht mit Leib und Seele und mit wahrer Selbstverleugnung unermüdlich wirksam ist.