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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-29 · Heft 22 (29.5.1841) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 22 (29.5.1841)
Date
1841-05-29
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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308 Landsleute der Juden in allen Thcilen der civilisirten Welt, an ihrem Standpunkte, ihren Bewegungen und ihrem Bestehen als einer besondcrn Glaubenspartei auch in diesem Lande gleicher Rechte, immer innigem Anthcil nehmen. Diejenigen, welche unter uns wohnen, und zu dem Glauben gehören, den sie für den einzig wahren halten, scheinen nichts destowcniger geneigt zu sein, die Ueberspanntheit der Zeit zu meiden, und die Allmacht mit väterlichem und erleuchtetem Eifer anzubeten. Die dunkeln Wolken der Vorurtheile einzelner Sekten und die religiöse Intoleranz scheinen verscheucht worden zu sein durch die sich immer erweiternde Macht der Vernunft und Philosophie. Auch bei Gelegenheit dieser Einweihung finden wir besonders die Einführung von Instrumentalmusik hcrvorzuheben, welche durch ihre sanfte und majestätische Harmonie viel zur Erhebung der Feierlichkeit beitrug. Wir glauben überhaupt, daß die Verbindung der Musik mit dem Gottes» dicnsic nicht nur durchaus zulässig, sondern in dieser Zeit unentbehrlich ist, und daß wir auf die heilsamsten Folgen ihres göttlichen Einflusses rechnen dürfen. Wenn von Manchem bezweifelt wurde, ob beim jüdischen Gottesdienst die Musik passend wäre, so glauben wir, daß dieser Zweifel durch die glückliche Verbindung beider bei dieser Gelegenheit beseitigt wurde. Die Wirkung auf uns war eine heilige Ehrfurcht und reines Dankgefühl. Die schöne Orgel ist von passender Größe und eine schöne Zierde der westlichen Gallerie. Das schöne Spiel des Organisten, Herrn M. de Costa, unterstützt durch ein wohleingeübtes Chor, wirkte durch Anmuth und Kraft des Tones außerordentlich. Der Gemeinsinn der Israeliten unserer Stadt ist des höchsten Lobes würdig, indem sie einen Tempel in wahrhaft klassischem Styl (in dorischer Gattung) und mit eleganter Einfachheit erbaueten. Die innere Verzierung und Vollendung desselben verdient Bewunderung, der Kronleuchter ist von einem außerordentlichen Glanze und von einer vorzüglichen Schönheit. Das Material und der Bau der Bundeslade, welche reich und geschmackvoll draperirt ist, die schönen Bekleidungen der Gesetzrollen, welche mit goldnen und silbernen Zierrathen gekrönt sind, alles zeigt denselben Geschmack für Anwendung des Großartigen in der Synagoge, (obgleich stets weit entfernt von abgöttischen Darstellungen,) welches das alte Volk stets charakterisirte, noch von den Zeiten des ersten und zweiten Tempels her. Der Anblick dieses heiligen Gebäudes erweckt eine religiöse, hoffnungsvolle Begeisterung, eine ruhige Betrachtung, welche nicht gestört wird durch vermischte Verwandtschaften des Styls, die das Auge in den anderen Kirchen unserer Stadt trifft. Der Verlust der jüdischen Gemeinde, durch die merkwürdige Feuersbrunst im Lahre 1838, ward so für deren Mitglieder ein Gewinn, indem er diesen heiligen Bau veranlaßte, welcher vielleicht hinsichtlich der Symmetrie und Schönheit unvergleichlich ist. Sämmtliche Unkosten des Baues wurden aus eigenen Hülfsquellen bestritten, obgleich gewiß auch andere Religionssekten beigetragen hätten, wenn man ihre Hülfe in Anspruchs genommen hätte. Folgendes war die Ordnung der Feierlichkeit: die heiligen Rollen wurden von den Vorstehern der Synagoge vom alten Heiligthume nach dem neuen Gebäude getragen, diese waren von 6 Mitgliedern der Gemeinde begleitet; dann folgte der Präsident und der Geistliche. Sobald sie der innern Thür sich näherten, nahmen sie ihre Stellung zwischen den Pfeilern, welche die äußere Gallerie tragen, dann wurde dreimal das Horn (Schofar) geblasen, und dann sing das Chor den Gottesdienst mit Vers 26—20 vom 118ten Psalm im Original an. Die heiligen Rollen wurden dann langsam um das Pult des Vorlesers getragen, und zuletzt nahmen die Träger ihren Platz im Hintergründe desselben ein. Der Geistliche, der verehrte G. Polznanski stieg dann hinab, und unter dem Beistände zweier Mitglieder der Gemeinde, trat er vor die Bundeslade, sprach den geeigneten Segensspruch, und zündete zum erstenmal die ewige Lampe an, dann kehrte er nach dem Lesepulte zurück, und blieb mit den übrigen, welche die heiligen Rollen trugen, an der westlichen Seite desselben, während das Chor eine von Herrn P. Müsse gedichtete, sehr schöne englische Ode sangen. Dann verlas der Geistliche einen Segen für diese und andere Gemeinden, denen der 67ste Psalm im Original, ebenfalls vom Chor gesungen, folgte. Dann sprach der Geistliche ein Gebet für die Regierung der Vereinigten Staaten und sämmtliche Obrigkeiten; die heiligen Rollen wurden in die Bundes-

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