Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-22 · Heft 21 (22.5.1841) · p. Seite 302

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 21 (22.5.1841)
Date
1841-05-22
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225195--03553-3313095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

302 und vom Priester vollzogen werden, was Beides nicht der Fall ist; ferner würden die v'aba, infouders als Dankopfer, und die Speisopfer ganz ohne Halt und Sinn sein; nicht weniger wurden ja Opfer für unzählige Sünden gebracht, die durchaus nicht den Tod als Strafe nach sich zogen; endlich wird nirgends vom heiligen Worte der Tod, sondern blos das Blut als Sühnmittel angegeben. Zu diesen äußern vollgültigen Einwürfen kommt noch die ganze niedrige Auffassung, nach der der Opferakt zu einem leidigen richterlichen Strafakt herabgezogen, Gottes Gerechtigkeit in der Annahme einer Stellvertretung verletzt, und jeder Anklang von Heiligung, die von dem heil. Worte durch die Opfer bezweckt wurde, und in der Alles in, um und an dem Opfer, den Opfernden, Priestern und dem Heiligthum hochheilig sein mußte, entfernt wird. Ebenso wenig kann die eigentliche Ansicht der Synagwge mit ihr übereinstimmen, da diese später die von ihr vorgeschriebenen Gebete ganz an die Stelle der Opfer treten ließ, und das Studium der Toraabschnitte über die Opferthiere dem Opfern gleich stellt (Menachot 110. 1.); wohingegen die christliche Kirche ihr Dogma von dem Lode ihres Stifters ganz darauf baute. — Eine anders gefärbte, jedennoch aber sehr nahe stehende Ansicht ist die, welche der berühmte R. Mosche Alscheich in na?a 'n zu snp,’i S. 2. I. ff. am klarsten entwickelt: daß der Opfernde, indem er die Hände auf den Kopf des Thieres legt, durch Buße, Sündenbekenntniß und das Legen der Hände auf den Kopf des Opferthieres die Kraft der Sünde von sich auf das Letztere überträgt (naVn wn» aiasi ‘■ps1' “TD"1 'narr nvni aan narr inrran 'rrvia 'wi i:wa), und sie mit dem Thiere vernichtet. Ohne von diesem zu wissen, hat in neuerer Zeit Hasenkampf dieselbe wieder vorgetragen und erweitert, indem er in dem Verbrennen des Fleisches bas „Symbol der Sündenvernichtung," in dem Sprengen des Blutes „das Symbol der Gemeinschaft mit Gott" sieht, so daß die Idee des ganzen Opfers sei: die Vernichtung der Sünde und Wiedervereinigung mit Gott. So viel Richtiges diese Idee an sich hat, so falsch ist die Angabe ihrer Symbole, denn sonst hätte das Sprengen des Blutes nach dem Verbrennen des Fleisches statt finden müssen, was ganz falsch ist, und gerade bei den eigentlichen Sündopfern wurde das Fleisch nicht verbrannt, sondern von den Priestern gegessen. — Eine mehr allegorische Deutung' bringt Abarbanel heran, welcher insonders das Ganzopfer als ein Gleichniß der Vereinigung der Seele mit Gott nach dem Tode ansieht. — Am bedeutsamsten, umfassendsten und scharfsinnigsten hat aber bis jetzt die mosaischen Opfer im Allgemeinen und Speziellen Baehr in seiner Symbolik des mos. Kultus dargestellt, weshalb wir seine Ansicht etwas genau skizziren wollen. Indem er die Opfer im Allgemeinen als ein Heiligungsmittel erkennt, findet er die Hauptidee des Opfers ausgesprochen in 3 Mos. 17, 11., welchen Vers er so übersetzt: „Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch gegeben zum Altar, zu sühnen eure Seelen, denn das'Blut sühnt durch die Seele." Er leitet hieraus Vierfaches ab: I) daß, weil hier nur vom Blute als Sühnmittel, die Rede ist, das Blutsprengen die Hauptsache des ganzen Opfers ist; 2) daß das Sühnen, d. h. Wegschaffen, eig. Bedecken (iE*) der Hauptzweck des Opferns ist; 3) daß die Sühnung von Gott ausgeht, und diese die Seelen der Menschen zum Gegenstände hat; 4) daß das Blut Sühnmittel ist, weil der av: darin sei. ava aber ist das animalische Lebensprinzip, welches zugleich das Band zwischen dem Leibe und dem Geiste, und als solches auch Geburtsstätte der Sünde ist. Der Nefesch des Thieres wird daher symbolisch für den Nefesch des Menschen stellvertretend hingegeben, in den Tod, so daß die Bedeutung des Opferns ist: daß das sündige Sein (des Nefesch) an Gott in den Tod hingegeben wird, um das wahre Sein, d. i. die Heiligung durch die Verbindung mit Gott zu erlangen. Zugleich hat der Akt auch sakramentalischen Charakter, indem er von Gott so eingesetzt und angeordnet ist. — Nehmen wir nun auch alle Praemissen Baehr's als richtig an, so wird es sich doch bald Herausstellen, daß auch feine Auffassung eine einseitige ist, und nur eine Seite des Opferns, wenn auch diese trefflichst, erläutert. An der gedachten Stelle ist allein vom Blute des Opfers die Rede, weil diese ganze Erklärung nur an das Verbot des Blutessens (daselbst V. 10.) geknüpft wird, das Blut soll nicht gegessen werden, weil es als Sühnmittel auf den Altar kömmt. Es ist also jedenfalls nur vom Blute als Sühnmittel die Rede, nicht aber vom ganzen Opfern. In diesem bleibt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.