Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1841)
- Date
- 1841-05-22
- Page
- Seite 301 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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301 Theologie. Der mosaische Opferkullus, dargestellt in unserm Bibelwerke. (Fortsetzung aus No. 4.) Wir übergehen hier die Deutung der Priesterkleidung, welche nichts anders, als das, nach außen gewandte Heiligthum ist, so daß nach der Analogie die Uriin und Tummim den steinernen Tafeln, das Choschen der Lade, das Efod dem innersten Teppich, die Gürtel den Vorhängen (aus denselben Stoffen und Farben), die Glöckchen dem Leuchter, die Granatäpfel dem Tisch, die Röcke den Umhängen des Hofes ff. entsprechen. Nur daß, wie das Heiligthum die Vermittelung mit Gott, so die Priesterkleidung speziell die Ausführung des göttlichen Rechts symbolisirt, weshalb das blaue Oberkleid (b'»u) so bedeutsam hervortritt. Wir übergehen dies hier genau zu erörtern, Und wenden uns schließlich zu dem Opferritus selbst. Indem wir dessen Bekanntschaft voraussrtzen, geben wir hier die Erörterung der innern Bedeutung desselben, wie sie dort ausgeführt worden. Wir haben schon oben ausgeführt, daß das Darbringen der Opfer durch die vor- und erst« Periode der religiösen Entwickelung des Menschengeschlechtes reicht, und in jenen unmittelbarer Ausdruck der Empfindung (Hebel, Noach ff.) war, in dieser, d. i. in der Periode der, durch die Offenbarung bewirkten Loslösung der Erkenntniß, mit den Ideen der Offenbarung durchtränkt ward, indem derOpferritus nach den Begriffen der Offenbarung geordnet und mit ihnen versehen wurde. Diese Begriffe lebten in der unmittelbaren Anschauung der Zeit, weshalb sie das heilige Wort selbst nur hie und da anzudeuten brauchte. Daß sich aber mit der Zeit, je mehr die Intelligenz vom Gefühlsleben sich absonderte, und dieses verflachte, die mit dem Opfer verbundenen Begriffe bei dem Volke in Ist., eben so wie bei den andern Völkern, vereinseitigten, zeigt der Kampf, den Propheten und heil. Sänger dagegen unternahmen. Die verflachten Begriffe, die zu bekämpfen, waren vorzüglich zwei: einen Theils nämlich, daß Gott der Opfer bedürfe,.und sie also als Gotte dargebrachte Geschenke anzusehen, die seinen Zorn besänftigten, wogegen sich so nachdrücklich Ps. 50, 8 ff. Jesch. 40, 16. vgl. Alevacki. 110, I. Ln. verwahrt; anderntheils daß der Opferdienst das wesentliche'Thun des Menschen sei, und böser Wandel dafür bei Gort unberücksichtigt bleibe, überhaupt der Opferdienst die Frömmigkeit des Menschen ausmache, wogegen ankämpfen 1. Schem. 15, 22. Jesch. I, II. Jirm.7, 22. 23. Hosch. 6, 6. Amos 5, 21. Mich. 6, 6. ff. u. v. O. Je heftiger demnach diese Männer solche Ansichten zurückweisen, desto klarer ist es, daß der Opferung eigenthümliche, der göttlichen Offenbarung und dem bis jetzt entwickelten Gottheitsbegriffe angemessne Ideen einwohnten. Welche sind diese nun? Philo, der bei seinem Streben, allen Theilen des heil. Wortes eine geistige Unterlage zu schaffen, dennoch weniger die Gedankenspitze einer gesammten Institution zu finden befähigt ist, als vielmehr an Einzelnheiten allegorische Deutungen anzuknüpfen, kann nur angeben, „daß die blutigen Opfer zum Wohlgefallen für unser, im Blute bestehendes Wesen, die unblutigen Opfer für die uns einwohnende, gottähnliche Vernunft" geschehen; die Ganzopfer seien zur „Ehre Gottes," die trab«, die er nach den 8ept. awTrjgiov Heilsopfer nennt, „von Gott Gutes zu erbitten," die Sündopfer „Verzeihung der Sünde und Besserung zu erlangen" {de victim. pag. 836. 838.) So oberflächlich diese Auffassung ist, so ist sie doch wenigstens nicht so einseitig, wie die folgenden. Die rabbinische Ansicht, welche auch in der christlichen Kirche bis heute die meisten Anhänger zählt, ist: die Sünde des Menschen geht auf das Opferthier über, welches anstatt des schuldigen Menschen den Tod erleidet; (am deutlichsten wird dies PNL'' 'r>pj zu 8NPT S. 54. 4. ed. Frankf. mit den Worten ausgedrückt: s^npnw tüns MN b» riiniLT nm:’i UMT1 UND'' 18LNb» 3Np:n b» p© 12b b» rnan ■o N2WN b» NM tnob Tb» vnnw 'n "bi? 12 NM">w MN °p°i isan 821 ras: vM). Demnächst wäre das Opferthier nur Stellvertreter des sündigen Menschen, für den es den Tod als Strafe erleidet (ian N'Nw nass nnn iMn Inn nnn Ramban, ebenso Gesenius, Hengstenberg, Tholuk ff.), eine reale Stellvertretung (Scholl.) Diese, gewöhnlich die juridische genannte Ansicht ist leicht zu beseitigen, denn wohnte ihr die geringste allgemeine Wahrheit ein, so müßte die Tödtung der Hauptakt des Opferns sein,