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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-22 · Heft 21 (22.5.1841) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 21 (22.5.1841)
Date
1841-05-22
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 Junggeselle. Was soll ich Ihnen nun noch bekennen? Sie haben es errathen., Ich liebte Theodore, und daß meine Liebe getheilt war, bezeugte mir oft ein Blitz aus ihrem dunkeln Auge, wenn eine herrliche Stelle, eines Klassikers die Flügel der Seele gelüftet, oder das traute Beisammensein den süßen Dust des Wohlbehagens um die Herzen gebreitet hatte. Aber unsre Liebe schwelgte nur im stillen Rausche des Selbstbewußtseins, und Wort und Berührung lagen uns fern, wie eine andre Welt. Freund, haben Sie nie bemerkt, daß das Ueberglücklichsein des Menschen von der Welt stets mit Mißbilligung und Feindseligkeit angetastet wird? und daß — o ich will dem Lenker unsrer Schicksale, der in der Höhe schaut, wenn wir in der Tiefe wandeln, keinen Vorwurf' machen — das Verhängniß hierin immer sich zum Genossen der bösen Menschenwel? macht? Man will uns solches nicht gestatten, es soll nicht geduldet werden auf Erden, und die Zeit einer solchen Beseligung nur eine kurze sein! — Ich war in der Erfüllung meiner Pstichten so eifrig, ich betete so inbrünstig vor der Gemeinde, nie hatten mich solche Schauer der Andacht durchdrungen, wenn icb vor die heilige Lade trat, meine Zöglinge pflegte ich mit so inniger Liebe, und das Wort drang so beflügelt von meinen Lippen in ihre Herzen, selbst das unbehaglichste Geschäft, das Tüdten der Thiere, ward mir zur Weihe, und unter den Worten des Segensspruches .fühlte ich mich an den zertrümmerten, Altar meines Volkes, an den ewigen Altar meines Gottes versetzt, dessen Naturgesetzen ich ein Opfer brachte. Und wenn ich dann heim eilte, und meine theüern Wirthe empfingen mich, und die Stunden eilten unter belehrendem und entzückendem Dreigespräch dahin — wer war seliger, wem leuchtete das Leben Heller unter dem Doppelstrahl der Pflichterfüllung und, der reinsten, unschuldigsten Liebe! Eines Tages — es war der erste Sonntag nach dem Beginn des Frühlings und der erste Frühlingstag — ließ mich der Vorsteher der Gemeinde rufen. Nach einigen, mit einer gewissen Aengstlichkeit von dem guten Manne vorgebrachten Lobsprüchen, die die Zufriedenheit der Gemeinde mit meinen Leistungen aussprachcn, machte er mir mit vielen umschwusigen Worten kund, daß Einige aus der Gemeinde sich beschwerten, ich hätte einen zu häufigen und zu genauen Umgang mit der Frau und deren Tochter, bei der ich wohnte, daß, so unschuldig dieser Umgang auch sei, er sich doch für den jüdischen Lehrer nicht schicke, und daß man daher verlange, ich solle nächster Tage ausziehen, oder die Stelle aufgeben. Welche Wirkung brachten diese Worte in mir hervor. Mag ich auch später, bei ruhiger Beschauung, sie ganz natürlich gefunden haben: damals kam mir ein so bitteres Gefühl der Abhängigkeit in die Seele, ich fühlte mich empört, daß man, trotz eifrigster Erfüllung meiner Pflichten, um die wenigen Thaler Lohn, sich berechtigt glaubte, mein untadrlhastes Privatleben willkürlich zu beherrschen, und mir Schritt und Wege vorzuschreiben, daß ich vor Zorn und Erbitterung kaum Worte finden konnte. Endlich faßte ich mich, und sprach mich ohne Rückhalt aus. Nicht zum Sklaven hätte ich mich verdungen, willenlos ein Spiel der Laune zu sein; man solle mir zeigen, worin ich wirklich gefehlt, und dann mich zurechtweisen; sonst aber wäre ich, außer den Stunden meines Dienstes, freier Herr meiner selbst. Meinen heftigen Aeußerungen gegenüber wurde auch der Vorsteher heftig, und als ich das harte und selbstgefällige Wort geäußert, man wisse meine Leistungen nicht zu schätzen, und verwechsle mich mit anderen Subjekten meines Standes — Überwürfen wir uns gänzlich, und der Dienst wurde aufgekündigt, womit ich mich einverstanden erklärte. Wuth im Herzen kehrte ich nach Hause zurück. Und was wartete da meiner? Freund, Sie wissen, wie nach einer Zeit der Ruhe der Sturm mit doppelter Kraft erwacht, und dann aus allen Enden der Welt über den schwachen Sterblichen hereinbricht, als ob er höhnisch uns zuriese: Halte Dich, wenn Du kannst, Du Schwacher! Ich fand meine Wirthin ringend mit dem Tode, nachdem ein Schlagfluß plötzlich sie überfallen, und völlig gelähmt hatte. Theodore stand jammernd an ihrem Lehnstuhle, vergebens ihre wenigen Mittel der Belebung versuchend. Und" Keiner stand ihr bei, Niemand theilte ihren Jammer. Ich lief im Fluge zum Arzt des Städtchens — er war verreist. Ich holte aus der Apotheke einige Essenzen, und eilte zurück, und fand — eine Leiche und eine verzweiflungsvolle Waise. Ich war selbst erstarrt bei diesem Anblick, wie zu Stein gewordene Gestalten standen wir uns, ach! wer maß die Zeit — gegenüber an dem Todtenstuhle der

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