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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-22 · Heft 21 (22.5.1841) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 21 (22.5.1841)
Date
1841-05-22
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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Rußland und Polen. Wilna, 29. April. (Privatmitth.) Ein Komite von 12 Männern theilt uns in einem schönen hebräischen Briefe mit, daß unter ihren Auspizien, unter Leitung der Herren A. Ginzburg und S. Salkind .und unter Inspektion des Herrn H. Klazko eine Schule errichtet worden, in welcher die heilige Schrift mit dem kmr Mendelssohn's, hebr. Grammatik, Talmud (was und wie? wird nicht angegeben,) russisch und deutsch, Rechnen, Kalligraphie und israel. Religionslehre gelehrt werden, und ersucht uns, zur Beispielnahme und Anerkenntniß es in der Allgem. Zeit, des Judenth. zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Belletristik. Förderuttg und Hemmniß. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung.) Wer beschreibt die Gefühle, die bei Anhörung dieser Worte mein jugendliches Herz zerriffen! Wer beschreibt die Stunden, die wir nach dieser Eröffnung mit einander verlebten. Mein Vater besaß die Kraft der Rede in einem hohen Grade. An diesem Tage schien ein Ausfluß des Jenseits schon von seiner Zunge zu fließen. Ich fühlte mich bald in eine himmlische Sphäre versetzt, von der aus die Erde so klein, das Leben so kurz erschien, daß ich morgen schon dem Vater in die Versammlung der Geister zu folgen glaubte. Mit der sinkenden Sonne nahmen die Kräfte meines Vaters merklich ab. Um nichts Irdisches zu verabsäumen, hatte er schon früher nach einem Arzte gesandt. Dieser kam, ließ den Vater auf das Feldbett in der grünen Stube legen — es war die Stelle, wo auch meine Mutter verschieden — und gegen 9 Uhr, da der Tod wirklich sich auf das Antlitz des Vaters legte, Leute unsres Glaubens holen. Die Todteyvögel kamen, und füllten das Zimmer. Sie wollten mich entfernen, aber ich sträubte mich mit aller Kraft, und mein Vater winkte mir; ich setzte mich an sein Bett, er faßte meine Hayd. Noch einige Male neigte er sein Haupt mir zu, und murmelte Worte des Segens in mein Ohr. Seine Hand erkaltete, und die meine in seiner, daß sie auch abstarb. Um Ilj Uhr riß man mich gewaltsam von der Stelle, ein leises Aufröcheln und er war nicht mehr! Lange lag ich auf der Schwelle des Sterbezimmers,' und nur über meinen Körper sollte man den seinen entfernen. Aber man hob mich auf, und trug mich auf ein Bett, wo mich Jammernden der Schlaf überwältigte. Lassen Sie mich die nächsten Wochen übergehen. Es kam Alles, wie mein Vater gesagt. Man lobte seine Rechtlichkeit, aber stellte mich vor die Hausthüre, mit dem Wanderstab in der Hand. Ich war in das Marktgewühl von P. eingezogen. Mein Onkel hatte geschrieen über das Unglück seines Bruders, und sich eben so schnell wieder beruhigt. Er hatte ein zänkisches Weib, ein Haus voll üngewaschner Kinder und ein lebhaftes Geschäft. Welche Veränderung! Aber ich war Mann geworden. Mein Oheim verwandte die 59 Thaler, die mein Vater mir hinterlassen, gewissenhaft. Er berechnete, wie viele Monate er mich dafür zu einem billigen Preise erhalten könnte. Es waren neun Monate. Er gab mich daher bei einem Schächter in die Lehre, um mich während dessen zu diesem Amte zu qualisiziren. Allein ich war in vier Monaten ausgestellt. Daher 'übergab mir mein Oheim eines Sonntags Morgen ein neues Kleid, meine Approbation als Schächter und 20 Thaler, mit der Anweisung, mich auf den Weg zu machen, und mir eine Stelle zu suchen. So war der, an alle Bequemlichkeiten gewöhnte, fremder Leute ungewohnte Knabe in seinem 16. Jahre auf die Heerstraße gestellt, um sich ein Unterkommen zu suchen. Es war natürlich, daß ich vorerst so lange wanderte, wie meine Paar Thaler ausreichten, und das war, bei sonstigem Zufluß der Mildthätigkeit, die ich bald zu benutzen krnte, nicht kurze Zeit. So befand ich mich bereits im Herzen Deutschlands, als mich.meine versiegende Baarschaft mahnte, ein festes Bi«ben zu suchen. Ich mag Ihnen diese Wanderung nicht schildern. Ich litt viel, aber ich blieb gesund und reinen Herzens. Die Zurücksetzung, der Hohn, die der jüdische Pilger damals noch überall zu ertragen hatte, hatten das Gute, daß sie ihn auf

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