Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1841)
- Date
- 1841-05-22
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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verlassen, und an eineiss fremden Orte, fern von den Ihrigen, sich aufzuhalten, wobei zu bedenken ist, daß, wofern rin solcher Lehrling nicht bei einem israelitischen Meister oder Ackermann untergebracht ist — deren Letztere München und seine Umgegend wol nomine, aber nicht re Wenige zählen mag — er auch noch Kost suchen müsse, was unangenehm und störend ist. Ueberdies ist die Gegend um München keine sehr für den Ackerbau günstige. — Gewähre man also, daß auch anderwärts, besonders wo ein Comite sich befindet, dessen Anzahl aber für kleine Landgemeinden auf 5, anstatt auf 10 festgesetzt werden sollte, der Lehrling unter der Aufsicht des Comite-Vorstandes und noch eines Mitgliedes sein Handwerk oder Feld bearbeiten lerne. Durch Genehmigung unserer Vorschläge würde dieser löbliche Verein gemeinnütziger werden und wirken, während wir bei den bestehenden Statuten fürchten, seine Thätigkeit werde wiederum kein weites Feld finden. Preußen. Aus Oberschlesien, 26. April. Die Leipz. Allg. Zeit, enthält unter der Ueberschrist „Wahn und Wahrheit" folgendes Inserat, welches zum Rahmen unsrer Zeit für unsre Enkel noch Werth haben wird. „Es haben sich in jüngster Zeit in dieser Gegend zwei Vorfälle ereignet, welche dis zur Evidenz darthun, daß nicht nur im fernen und fanatischen Orient der Glaube, daß Juden zu ihren Osterfeiertagen Christenblut brauchen, sondern daß dieser mittelalterliche und gräßliche Wahn, für den Tausende von Juden unschuldig geblutet, auch in diesem Theile des so erleuchteten Deutschlands, nachdem er längst zu Grabe getragen schien, jetzt wie ein grinsendes Gespenst abermals entstanden sei." „Es muß dies den Menschenfreund um so mehr betrüben, daß auch Personen von sonst vorurtheilsfreier und besonnener Denkungsweise grade rücksichtlich der friedfertigsten Menschenklasse, von welcher dreist behauptet werden kann, daß in ihrer Mitte Mord und Todtschlag etwas ganz Unerhörtes ist, sich von diesem sinnlosen Vorurtheile nicht loszumachen vermögen. In Ujest kam den I. April d. I. ein Landmädchen bei einer jüdischen Familie in den Dienst. Sei es," daß sie deshalb von ihren Genossinnen geneckt wurde oder daß sie von jener berüchtigten Damaskusgeschichte mit den Hunderten von Zusätzen gehört hatte, und auch sonst von reger Phantasie sein mag, genug, je näher die jüdischen Osterfeiertage herankamen, desto furchtsamer erschien sie, namentlich am Tage vor dem Feste, wo zufällig mehre Juden, und besonders der jüdische Scharfrichter, alias Schächter (bekanntlich verbieten die jüdischen Gesetze ihren Bekennern, um jede Thierquälerei zu verhindern, das benöthigte Flügelvieh selbst zu schlachten), mehre Mal in dem Hause ihres Brotherrn verkehrten." Diese Furcht erreichte den höchsten Grad, als Abends der streng orthodoxe Jude sein Sterbekleid anlegte, eine dergleichen Mütze aufstülpte und alle jene Ceremonien verrichtete, wie solche H. Heine in seinem „Rabbi von Bacharach" so treu schildert; da glaubte die arme Magd nicht anders, als ihr letztes Stündlein habe geschlagen." „In der Angst ihres Herzens wagte sie nicht, sich in ihrer Kammer schlafen zu legen, sondern begab sich zu dem im Hause wohnenden Gendarmen, vorgebend, ihr Brotherr gehe damit um, sie heute zu schlachten. Diese Mittheilung gestattete dem guten Manne keinen Schlaf, denn noch war nicht 3 Uhr nach Mitternacht vorüber, als er mehre Nachbarn von den kannibalischen Absichten der Juden in Kenntniß setzte \ den Kämmerer und die Magistratualen herauspochte, welche nebst den verschiedenen inzwischen erwachten und erweckten Bürgern zum Bürgermeister sich begaben und ihn auffoderten, polizeiliche Maßregeln zu ergreifen. Allein der alte und vernünftige Mann, dem diese Angabe lächerlich vorkam, lehnte jede Einmischung ab." „Daher begab sich der Haufe zu dem Stadtrichter, ihn auffodernd, die Sache zu untersuchen, was auch augenblicklich geschah. Die Magd sagte aus, ihr Brotherr habe Versuche gemacht, sie zu ermorden. Inzwischen war es Tag geworden, und die Mähr ging von Mund zu Munde. Der Pöbel rottete sich zusammen, auch die in festlicher Stimmung erwachten Juden krochen aus den Betten ob des Geräusches, und namentlich war der blutdürstige Brotherr einer der Letzten, welche erwachten und von dem Vorgänge etwas erfuhren. Hierauf ergriffen Letztere diejenige Maßregel, welche hier am räthlichstcn erschien: sie begaben sich nämlich zu dem Ortsgeistlichen, fürstbischöflichen Commiffarius, Hrn. Erzpriester Schneider, einem humanen und hellden-