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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-22 · Heft 21 (22.5.1841) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 21 (22.5.1841)
Date
1841-05-22
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
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290 Juden besonders wandte und ihnen so Manches an's Herz zu legen wünschte. — Herr O'Brien, der als ein wahrer Betsechter der Freiheit (Champion for liberty) dastand, scheaete sich keineswegs die beschränkten Ansichten eines Sir Robert Jnglis, im Parliamente ausgesprochen, zu belächeln und unterließ nicht die toleranten und weit freisinnigeren des Lords John Ruffel im glänzendsten Lichte darzustellen. Er hat sich emsig bemühet, sich mit dem Charakter der Juden in beinahe jedem Lande Europens bekannt zu machen, die älteste und neuere Geschichte der Juden im Allgemeinen und der in England insbesondere zu erforschen, und aus der letzter» stellte er hauptsächlich diejenigen Thatsachen heraus, die. ihnen am Meisten zur Ehre und zum Ruhme gereichen müssen. Er wollte überdies ihre Talente anerkannt wissen und konnte in jeder Hinsicht nur das beste Urtheil über sie fällen. . Seine aufgeklärten Meinungen und jMrheitsliebende Gesinnungen wurden mit großtz^WVeifall ausgenommen und nur ganz selten ertönte^D ironisches hear! hear! im gedrängten Saale. — Würde der Mann in seinem rühmlichen Unternehmen besser unterstützt, so dürfte man die schönsten Hoffnungen hegen; vor der Hand jedoch ist es nur die Sache eines sehr kleinen Zirkels im Verhältnisse zur großen Einwohnerzahl Londons. Jedenfalls hat sich Herr O'Brien nicht nur um die Juden in England höchst verdient gemacht und ist er um so mehr der größten Bewunderung und Achtung würdig, als er eben noch beinahe isolirt in seinem Eifer dastehet. Es läßt sich jedoch hoffen daß, früher oder später, seine Worte in tausend Herzen Anklang finden, seine edlen Bemühungen Früchte tragen werden und er endlich über Intoleranz und Aberglauben, vielleicht auch Ignoranz') triumphiren wird. D. A. Deutschland. Karlsruhe, 26. April. (Oberd. Z.) Sitzung der Abgeordneten-Kammer. Herr Sp eye rer über, reichte eine Petition von Heidelberg um Gleichstellung der Israeliten mit ihren christlichen Mitbürgern in politischen Rechten. — —. (Es fand dies bei den jüngst eröffneten Ständen statt. In obigem Berichte ist nicht gesagt, ob die Petition von Seiten der Israeliten oder der Christen ausgegangen; denn der letzte Landtag erhielt mehre Petitionen von Christen um Gleichstellung ihrer israelitischen Brüder. Redakt.) Aus Baiern, 26. April. (Privatmitth.) Seit . einem halben Jahre 'ist auf der Universität Erlangen rin Israelit als Assistent an der chirurgischen Klinik angestellt, was auf Betrieb des nun in München lebenden Prof. Dr. Strohmeyer geschehen. — Daß der in München bestehende Unterstützungs-Verein für israelitische Ackerbau - und Handwerks-Lehrlinge wieder neu und frisch seine Lebens - und Wirkungskraft äußert — ist gewiß höchst erfreulich. Auch ist es zu billigen, daß dieser Verein nicht alle Handwerker gleicher Unterstützung würdig hält. Ueberhaupt fehlt es unfern israelitischen Bürgern am meisten an Lust und Liebe für den Ackerbau, und gerade diese Nahrungsart ist es, welche den auf dem Lande Wohnenden am wahrscheinlichsten das Auskommen sichert. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß die Liebe zum Ackerbau mehr durch Aufmunterung und Sustentation angefacht und gefördert werde. Schrift und Talmud empfehlen diesen das sittliche Leben in vieler Hinsicht stärkenden Nahrungszweig an vielen Stellen. So lange Israel keine Ruhestätte gefunden und der Jude vom Orte zu Orte, von Land zu Land getrieben wurde, da mußte der Sinn für Akkerbau unterdrückt werden; aber seitdem den Bekenner» des Mosaism in den verschiedenen Zonen wieder ein fester Sitz gegönnt ist, dürfte die Lust zum Feldbau wieder erwachen. Waren ja unsere Väter in Palästina lediglich dazu bestimmt. — Was wir in den Statuten des genannten Vereins nicht billigen können, das ist 1) der zu hohe Beitrag von 24 Kr. monatlich als Minimum, und 2) die Vorschrift, daß die Lehrlinge, die Unterstützung erhalten wollen, am Sitze, oder in der nächsten Umgebung des Verwaltungsausschusses zu München, ihrem Berufe obliegen müssen. Ad 1) werden dadurch, zumal auf dem Lande und in kleinen Gemeinden Viele abgehalten, als Mitglieder einzutreten. .Der Fonds würde gewiß gewinnen bei Festsetzung eines. geringer» Beitrags, da doch damit der Mildthätigkeü keine Schranke gestellt wird. ,Ueberdies ist die thätige Theilnahme vieler Mitglieder für ein solches Institut in vieler Beziehung förderlich. Ad 2) Bedenke man, daß die Unterstützung von 44—60 fl. für die wenigsten Lehrlinge ein zureichender Grund und hinlänglicher Ansporn sein kann, ihre Heimath zu

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