Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 287 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225194--03537-3313078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
287 Aber es brach abermals ein Mißjahr herein, und dies vollendete das Unglück meines Vaters. Vergebens hatte er bei Vielen, denen er früher oft beigestanden, und ihr Glück begründet, um Vorschüsse angepocht, sie ließen ihn räthlos ziehen. Dazu kam noch, daß ein Nachbar, auch ein Jude, auf meines Vaters Gut brannte; dieser hatte alle Obligationen auf meinen Vater 'aufgekauft, und die Verfallzeit war nahe. Ich sehe noch wie heute eines Morgens den ehrwürdigen Greis, bleich wie der Tod, aber stolz ausgerichtet, -wie immer, in mein Zimmer treten, den großen Folianten, in welchem ich gerade mit meinem Lehrer las, zuklappen, dem Rebbi winken, und seinen Quartallohn auszahlen. Der Rebbi ging mit mitleidsvollem Blicke davon, nachdem er die Hand segnend auf mein Haupt gelegt. Jetzt nahm mich mein Vater an der Hand, und führte mich zum Sopha. — Samuel, sagte er feierlich, heute Abend, um 1I* Uhr bist Du eine Waise. Still, glaube nicht, daß ich meinem Leben ein Ende mache. Aber Du weißt, daß. es in unsrer Familie erblich ist, die Todesstunde vorauszuempsinden. Dein Großvater und Dein Urgroßvater starben zur vorausbestimmten Stunde, und ich fühle, auch meine Ahnung wird mich nicht täuschen. Dort in der grünen Stube auf dem Feldbette werde ich meine letzten Seufzer aushauchen. Morgenfrüh kommen die Gerichtsleute, und werden Alles in Beschlag nehmen. Es bleibt Dir Nichts übrig, als dieser Brief. Mit dem gehst Du nach P. zum Onkel. Alles, was ich habe, gehört meinen Gläubigern, Sie werden Gott sei Dank finden, daß sie wenig durch mich verlieren. Nur Deiner Mutter Heirathsgut habe ich für Dich zurückbehalten, es sind 50 Thaler, sie liegen in dem Briefe. Mein Segen wird auf Dir ruhen, und Dich geleiten. lFortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen IjNgr. (iGgr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. So eben ist fertig geworden: I. Festgebete dritter u. letzter Band (rwiatö) mit e. neuen eigenthümlichen Uebersetzung für Frauen. Preis aller 3 Bande 4 Thlr., Schreibpapier 5 Thlr., Velinpapier 6^ Thlr.— 2. srsnzr» vollständig 2 Thlr., die Schulausgabe J Thlr. — 3. Relrgions-Lehren der Israeliten nn rrrnn als i Leitfaden beim Unterricht und zum Gebrauch bei Einsegnungen. Dritte erweiterte Auflage 10 Sgr. — 4. Deutsches Akrdachtsbuch für Israeliten, in Gesängen und Gebeten (rnrnn). Sechste sehr vermehrte Ausgabe. Eingebunden 25 Sgr. Dr. I. Heinemann in Berlin. Vorsicher einer Ersiehunge-Ansialt für Söhne und Töchter. Der Unterstützungs-Verein für israelitische Ackerbau- und Handwerks-Lehrlinge in Baiern fordert diejenigen baienschen Israeliten, welche den Ackerbau oder ein Hand, werk zu erlernen gesonnen sind und die Unterstützung dieses Vereins ansprechen wollen, auf, sich unter Beibringung von Zeugnissen über bisher gepflogene gute Aufführung und über ihre Mittellosigkeit von heute bis längstens §rei Monate portofrei anher zu melden. Wegen der näheren Bestimmungen beliebe man die HK. 3 bis 7 der Statuten nachzulesen, welche am Tage dieser Ausschreibung an die Rabbinate versendet werden. München, den 21. April 1841. Der Verwaltungs-Ausschuß. H. Aub, Rabbine. vr. A. Behr. PenstlonS - Anzeige, Meine seit Ostern c. eröffnete Pensions- und Erziehungsanstalt empfehle ich hierdurch der gütigen Beachtung derjenigen geehrten Eltern, welche ihre Kinder, auch außer der Schute, unter eine strenge, aber liebevolle Aufsicht zu stellen und ihre wissenschaftliche Bildung durch eine kräftige Nachhülfe zu fordern beabsichtigen. Karlpraße, im goldnen Hirschel, 2 Stiegen hoch. Breslau, den 21. April 1841. I. Wolf, Inspccter u. ReligionSlehrer. Gasthaus - Empfehlung. Der von mir seit 6 Jahren errichtete Gasthof hatte sich so eines zahlreichen Zuspruchs zu erfreuen, daß ich mir die Freiheit nehme mich für die nächste Badesaison bestens zu empfehlen. Die Lage meines Hauses in dem beliebtesten Theil der Stadt ganz nahe zn den Badern. Durch prompte und billige Bedienung wcrde ich die Gunst des reisenden Publikums ferner zu erhalten suchen. S. Crihett in Aachen.