Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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285 Belletristik. Förderung und Hemmniß. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung aus No. 14.) Doch auch diese Zeiten vergingen, und man beruhigte sich wieder. Der kurze Taumel verging, und Viele wollten wieder gut machen, was sie in der Verblendung des Augenblicks Bedauertes gethan. Da erging plötzlich der Ruf des obgedachten Landraths an mich, an die Spitze eines großartigen Fabrikgeschäftes zu treten, was dem Kreise eine lebendigere Nahrungsquelle eröffnen sollte, und zu welchem die Mittel herbeigeschafft worden. Er hatte,, wie er sich ausdrückte, bei mannigfachen Berührungen mich als pünktlichen, ordnungsliebenden, umsichtigen und vielerfahrenen Mann kennen gelernt, und sollte dem äußern Vertriebsgeschäfte der Fabrikate mit großem Avance vorstehen. Voll Muthes und Eifers gab ich mich meiner neuen Bestimmung hin, nachdem ich mein Geschäft einem jünger» Schwager überlassen. Ich ward in 12 Jahren eifriger Geschäftsthatigkeit ein wohlhabender Mann, und habe wegen vorgerückten Alters im vorigen Jahre meine Stellung mit vielen Ehren verlassen. Ein schöner Kreis von Söhnen, Töchtern und Enkeln umgiebt mich, ungetrübt sind die Jahre verflossen, und nur einige aus den Soldatenjahren zurückgebliebene Schäden, die mit dem Alter wieder zum Vorschein kamen, haben mich hierhergeführt, wo ich das Glück habe, Ihre Freundschaft mir zu gewinnen. Dies sind in der Kürze die einfachen, aber doch vielbewegten Lebensbegebenheiten meines Freundes Bernhard, der ein offenes, gemächliches, sonnenklares Herz als Preis eines reinen Lebens in das Grau des Alters hinübergerettet hat. Er sprach noch mit wenigen, aber kräftigen Worten sich darüber aus, wie allerdings das Judenthum in allen diesen seinen Ereignissen offenbar das Werk der Vermittelung übernommen, und ihn vom Abgrunde des Verderbens immer wieder zurückgezogen hatte. In dem Zauber, den ein gleiches Bekenntniß, gleiche Religionsceremonie, gleiches Gebetwort ausübt vom Süd zum Nord, vomÖst zum West, hatte die Vorsehung immer wieder das Mittel gefunden, ihn aus bodenloser Tiefe zu erheben. Was er sei, was er habe, seinem Glauben allein habe er es zu danken, und vor solchem Gewinn schwänden ihm irgend kleine Schäden und Benachtheiligungen wie Nichts auseinander. Lächelnd endete er, daß es Schade sei, daß er 'kein großer Mann in Israel geworden, weil er dann Alles als unmittelbaren Wink der Vorsehung hätte zurecht legen können. Nichts desto weniger liebe er seinen Glauben ebenso stark, wie nur irgend ein großer Mann, mit ganzer Seele und mit allen Lebensfasern. Dieselbe Liebe habe er in seinen Kindern, insonders durch Erzählung seiner Schicksale, geweckt und genährt. Was einmal der Mensch sei, müsse er ganz und ungetheilt sein. Nachdem mein Freund geschlossen, dankte ich ihm innigst für den genußreichen Abend, und verhieß ihm meine Gegengabe in der vffenmüthigen Darlegung meiner Lebensverhältniffe, die leider! ein so entgegengesetztes Bild darbieten. Ich will sie dem Leser nicht vorenthalten, da ich ihn einmal so weit geführt habe. II. Es war einige Tage später. Nach einem schwülen Vormittage war Nachmittags frühzeitig ein Gewitter heraufgezogen, und hatte sich mit Blitz und Donner, und dann in einem starken Landregen entladen. Eine Stunde später befand ich mich mit Bernhard lustwandelnd am Flusse. Die Sonne warf milde Strahlen herab, die Flur war erfrischt, die Pflanzenwelt hatte sich mir flimmernden Thautropsen bekränzt. Etwas angeschwollen rauschte der Bach stärker als gewöhnlich, und warf leicht und kräftig seine Wellen über die kleinen Hindernisse, die ihm das Gerölle. der nahen Felsen schuf. Sehen Sie, Freund, sprach ich, das Bild Ihres Lebens, das mir um so näher tritt, je mehr ich mich gedrungen fühle, Ihnen Ihr Geschenk verheißner Maßen heute zurückzugeben. Munter und frisch, wie dieser Bach, floß es hin, und die vom Schicksal hineingeworfenen Hindernisse dienten nur dazu, es lebendiger fortschießen zu lassen. Vom elsassischen Pferdejuden an haben Menschen, Religion und Gott wie ein freundliches Dreigestirn Ihren Pfad beleuchtet, und für jede Zeit des Kampfes ward Ihnen ein reicher Sieg und eine lange Benutzung deffelbcn- Leider! kann ich dies nicht sagen von meinen Er-