Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
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280 dieses sich überzeugt hat, tüchtige Lehrer giebt, welche unter Aufsicht und Schutz des Gouvernements viel Gutes wirken, würden. Das Traurigste ist noch, daß die bessern israelitischen Lehrer, aus Mangel an gebührender Versorgung, ihrem Berufe entsagen, und so dem Herrn, der noch viele Hände in" seinem Weinberge beschäftigen kann, die brauchbarsten Arbeiter entzogen werden. Mehre israelitische Eltern schikken daher mit nicht geringen Kosten ihre Knaben (die Mädchen, künftige Mütter, und die Kinder der Armen, gehen leer aus) in auswärtige Schulen, setzen also, wenn auch mit Schmerz, ihre zarten Pflänzlein lieber fremdem Klima aus, als sie auf heimischem Boden verkümmern zu lassen. Einige Familien sind hierher gezogen, wo unter der humanen österreichischen Regierung dem Schulbesuch ihrer Kinder nicht nur kein Hinderniß in den Weg gelegt wird, sondern aller mögliche Vorschub gegeben wird. — wipaa NN12S WYirö NN122. Auch der Altar des Herrn trauert. Wie es mit dem Lehrstuhle in der Schule sich verhält, so verhält es sich auch mir dem Lehrstuhle in der Synagoge (scuola). Der Moren u, (so nennt man in Italien allgemein den Rabbinen,) theilt mit dem Lehrer nicht selten gleiches Schicksal; auch er ist der Willkür unterworfen, wenigstens in Bezug auf Vorbereitung, Aufnahme und Entlassung; um seine Amtsverwaltung kümmert sich Niemand *). Wie viele Wesen werden unter solchen Umständen schon im Embryo moralisch getödtet, die durch natur- und himmelgemäße Entwickelung und Unterstützung zur Freude Gottes und der Menschen herangereift wären; und die Erde schöner, „den Himmel himmlischer gemacht hätten." Mailand, 14. April. (Privatmitth.) Auf der hiesigen Akademie sind dermalen nur drei jüdische Zöglinge, welche sich aber durch Betragen und Fleiß rühmlichst auszeichnen, nämlich ein Mailänder, ein Piemontese und ein Franzose. Letzterer, Maler Jacmain aus Paris, ein Enkel des 'bekannten seligen Triester Großrabbinen. Cavaliere Abram.di Cologna, hat in dem letzten Schuljahre für eine gelieferte Co- *) Ausführliches über Synagoge und Schule, Rabbiner, und Lehrer der Israeliten in Piemont, so wie über ihre Befreiung vom Kriegsdienste, in Bälde. Corresp. pie der Canova-Statue eine Medaille als ersten Preis in seiner Klaffe erhalten. — Auf der nahen, rühmlich bekannten lombardische» Universität Pavia sind dermalen, wahrscheinlich weil keine Juden dort wohnen, außer einem jüdischen Militärärzte, welcher daselbst seine medizinischen Studien vollendete, nur zwei jüdische Studirende, zwei Kandidaten der . Medizin. Einer derselben, Herr L. aus Lemberg, hat in diesen Tagen sein Doktorexamen gemacht. Ich erwähne dieß, weil ich dabei Veranlassung nehmen kann, eines Zuges christlicher Wohlthätigkeit und jüdischer Dankbarkeit zu gedenken. Herr Jos. Fr. Edler von Hegedäs, Pfarrer zu St. Margaretha in Wien, unterstützte nämlich mit wahrer Humanität, den jüdischen Doktor Herrn L. zur Erreichung seines Zieles, Und dieser widmet seine in lateinischer Sprache geschriebene Oi88ertutio inaugurnlis meäicu de scorbu(o seinem christlichen Gönner als Beweis der Dankbarkeit, welche recht deutlich aus folgenden, der Dissertations-Zueignung entnommenen gläubigen Worten hervorgeht: „Wie ward ich in meiner elenden Lage von der vorurtheilsfreien Denkungsart Euerer Hochwürden entzückt, wie gelabt und gestärkt von der aus Ihrer Hand empfangenen Hilfe, wie beseelt und ermuthigt von ihren kraftgebenden Trostworten; da.blos gefühlvolle Theilnahme und reine Herzensgüte deren Triebfedern waren!" — Noch bemerk' ich, daß der von allerhöchster Stelle vorgeschriebene Eid, welcher von den christlichen Kandidaten beim Doktorexamen mit drei gen Himmel gerichteten Fingern geleistet wird, dem Herrn Dr. L. mit Legung der Hand auf den Decalog eines hebräischen Pentateuchs, mit zwischen den Linien geschriebener lateinischer Uebersetzung, abgenommen wurde, und daß die dabei anwesenden TiU. Herren Professoren durch Aufstehen ihre Ehrfurcht vor dem heiligen Akte der Eides-Abnahme zu erkennen gegeben haben. — Als Anhang noch ein Beispiel jüdischer Wohlthätigkeit und christlicher Dankbarkeit. Bekanntlich zeiilnen sich die reichen italischen Israeliten durch wohlthätige Stiftungen aus. Auch ein Mitglied der geachteten Familie Finzi dahier beherzigte die rabbinische Lehre np'i'Z im» „der Glücksgüter Salz ist Wohlthätigkeit," und vermachte dem hiesigen christlichen vspitalv maggiore eine nahmhafte Summe. Die Spitaldirektion ließ das Brustbild genannten Wohlthäters anfertigen, um es alljährlich,