Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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279 den. Dies wird unfehlbar die gewünschte Wirkung Hervorbringen." — (Dieser Rath ist gewiß der vernünftigste, kräftigste und würdigste. Aber wie ihn ausführen? Die jüdische Masse ist durchaus des Gedankens, durch Zusammenwirken einen tüchtigen Stoß auszuführen, noch unfähig, eine Centralisation ihrer Kräfte kennt sie noch nicht, und das Judenthnm und dessen Würde hat den Zauber nicht für sie, um sie mehr thun zu lassen, als was ihr ganz nahe liegt oder ganz nahe gebracht wird. Wir sehen daher nichts anders ab, als daß sich ein tüchtiger Geschäftsmann, der jener Bankgesellschaft als Mitglied angehört, an die Spitze dieser Bewegung stelle, eine Adresse der Art entwerfe, an seinem Platze eine Anzahl Unterschriften von Mitgliedern der Gesellschaft mosaischen Glaubens erziele, und dann in dieser Zeitung eine Aufforderung zur Theilnahme erlasse. Wir sind zur Aufnahme, Empfangnahme der Unterschriften ff. sehr gern bereit. D. Redakt.) Schwerin (Meklemburg), 30. April. (Privatmitth.) Die zu Neujahr 1841 gegründete Religionsschule gedeiht recht gut, und hat bereits ein öffentliches Examen abgehalten, das sehr befriedigte. Die Schule ist nun erweitert, ein Hülfslehrer angestellt, und wird außer der Religion und den damit zusammenhängenden Disciplinen noch Geographie, Geschichte, Naturgeschichte und Französisch gelehrt"). Auch für Gesangunterricht ist bereits so weit gesorgt, daß 12 Knaben vor und nach jeder sabbatlichen Predigt einen Ehorgesang «»stimmen können. Der Landes-Rabbine 0r. Hold heim strebt nun dahin, ein Schullehrerseminar zu gründen, was zu dem Nothwendigsten für unser Land gehört, um die übrigen Gemeinden passend zu versorgen. — Zn Güstrow, einer starken Gemeinde, ist der Dr. Löwe aus Strelitz als Prediger und Lehrer erwählt, und wird seine Stelle bald antreten. Auch in zwei anderen Ge- #) Das ist ja ein Monstrum von einer Religionsschule! Soll es eine allgemeine Schule sein, warum nur die oben bemeldeten Disciplinen, warum nicht deutsche Sprache, Rechnen, Schreiben ff.? Soll es nur eine Religionsschule sein, wie steht es dieser an, einige profane Disciplinen als Schweif anzuhängen? D. Redakt. meinden sollen nächstens zwei tüchtige Männer als Prediger und Lehrer angestellt werden, sobald der Herr Landes-Rabb. einen günstigen Bescheid von unsrer hohen Landes-Regierung erhält, daß die jüdischen Bewohner das zur christlichen Bürgerschule bis jetzt beigetragene Geld auf die Erhaltung ihrer eignen Schule verwenden können. Italien. Mailand, 15. März. (Privatmitth.) Im nahen Piemontesischen sieht es in Bezug aufJsraeliten noch recht mittelalterlich aus. Nicht als ob die dortigen Israeliten in ihrer Denkungsweise gegen ihre nahen französischen und deutschen Glaubensbrüder zurück wären, denn auch ihre Wohnungen sind vom Lichte dessen erleuchtet, in dem wir Alle das Licht sehen, auch ihr Ohr „ist nicht taub, zu hören," die Stimme der Zeit, welche alle Menschen zum vernünftigen Fortschritte in leiblichen und geistigen Dingen ermahnet, auch sie fühlen ihre Fesseln und beten: „sprenge die Bande der Unterjochung;" sondern die Gesetze des Landes sind gegen die Israeliten zurück. Was die Vater nicht ahnen konnten, das erfahren ihre Kinder. Die armen Kleinen möchten gern zu den Füßen christlicher Lehrer sitzen, und werden wie Parias an'der Schulpforte zurückgewiesen. „Die Kindlein fordern Brod — Niemand bricht es ihnen." (Trauerl. 4, 4.) — Das Sprüchlein, das der Lehrer den christlichen Kindern erklärt: „Laßt die Kindlein zu mir kommen," das geht ja die Zudenkinder nichts an; denn sie wollen es nicht auswendig lernen. Man wirft zwar die Knablein nicht mehr in den Nil, weil es auch um den Nil her milder geworden ist, und weil für sie jetzt das Wasser Balken hat, denn sie haben von ihren Vätern das Schwimmen gelehrt bekommen; aber man wirft sie und ihre Schwesterlein in den Sumpf ägyptischer Unwissenheit. Denn auch ihre jüdischen Prioatlehrer, an die sie nun ausschließlich gewiesen sind, werden zu ihrem Berufe nicht vorbereitet, werden nicht geprüft und nicht beaufsichtigt. Diese werden nach Willkür gewählt und eben so willkürlich entlassen, und wie es unter solchen Umständen mit den lieben Gotteskindlein steht, läßt sich denken, wenn es auch nicht zu leugnen, daß es auch im Piemontesischen, wovon Schreiber