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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-15 · Heft 20 (15.5.1841) · p. Seite 277

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 20 (15.5.1841)
Date
1841-05-15
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 soll nun das Ministerium, das faktisch noch niemals einen Juden zur Taufe aufgefordert hat, Um seine Fähigkeit für den Staatsdienst in Anspruch zu nehmen, von unfern Männern mit den Doktorhüten denken, wenn sie von jüdischen Mtagsärzten mit den mittelmäßigsten Kenntnissen, deren Dienste also dem Staate gar nichts Sonderliches fruchten können, fast allwöchentlich eine Meldung nach der andern erhalten, daß sie gern zur Taufe bereit sind, sobald ihnen dieses oder jenes vakante Physikat, (wofür sie noch nicht einmal die Prüfung bestanden!) voraus zugesi'chert wird; oder wenn ihnen das Schreiben eines Arztes zukömmt, daß, da der Physikus loci vorgestern gestorben, und er gestern die heilige Taufe empfangen habe, nun wohl auch sogleich die Physikatsverwaltung ad interim erhalten könne. Dabei sind mitunter die Bewerber in ihren Domizilien der Art beschäftigt, daß es am Allerwenigsten die Nvth ist, welche sie zu diesen Schritten leitet. Dasselbe gilt von jüdischen Philologen, die sich auf derselben Weise um Schullehrer-Vakanzen bewerben. — Was sollen die Ministerialräthe ferner dazu sagen, wenn sie hören, daß unlängst ein hiesiger Arzt in diesem Blatte mit dem erheucheltsten Pathos im Interesse des Judenthums aufgetreten, um in demselben seinen Namen vor den Mitgliedern der jüdischen Ressource, zu der er auch gehörte, groß gedruckt zu zeigen, und gleich hinterher, als er in Folge einer, mit einem hochgestellten ärztlichen Staatsbeamten angeknüpfte Bekanntschaft eine große Karriere sich verspricht, zur christlichen Kirche Übertritt! Wenn ein schwärmerischer, für höhere Religiosität höchst empfänglicher Geist von der durchdringenden Rede eines andern lebendig überzeugten Geistes so ergriffen und überwältigt ist, daß er nur durch den Glauben des Andern der höchsten Erkenntniß näher zu kommen glaubt, oder wo ein sanftes, stilles Gemüth im angebornen Glauben seiner Väter, in der es nicht genügend unterrichtet worden ist, keine volle Befriedigung seines sittlichen Bedürfnisses erhält, da ist ein Glaubenswechsel gewissermaßen verzeihlich, denn hier hat die Sehnsucht nach dem Schauen des Unsichtbaren die Seele aus ihren gewöhnlichen Fugen gebracht. Aber wie die schlechten Motive heut zu Tage bei den Tausenden so deutlich sich Herausstellen, und der ganze Taufhandel nur als ein Principiuni mobile materieller Interessen erscheint, da schaden solche Konvertiten uns ungemein in der öffentlichen Meinung. Ist der Glaubenswechsel der Quasi - Gebildeten unter uns wirklich zu einem Schacherartikel gesunken, opfern unsere Herrn Doktoren das Judenthum so unbedeutendem Bortheile, da dürfte zuletzt eine Forderung des Staats, daß wir uns alle taufen sollen, gar nicht mehr so unerhört erscheinen. Wenn sich daher solche Dinge, wie ich sie eben aus authentischen Quellen mitgetheilt, oft wiederholen, und eben so wenn Juden, die dem ernsten ärztlichen Berufe sich bestimmten, mit den ganz außerhalb ihrer Sphäre liegenden, politischen Pamphlets Ankläger der bestehenden Regierung werden, so kann dies Alles unsere Sache wahrhaftig nicht begünstigen, im Gegentheil vermögen solche Vorfälle, namentlich wie der mit dem Ostpreußen-Libell, innerhalb weniger Wochen, Jahre langen Bau über den Haufen zu werfen. Soll daher nicht noch weiter die Kunst durch die Künstler selbst fallen, so wiederhole ich es hier zum letzten Male, daß uns in Corpore gefaßte Beschlüsse Nvth thun; nur eine allgemeine Kultus-Association kann die wahre Reform unseres Ritus in allen Beziehungen herbeiführen, ohne sie schreitet unsere Lithurgie nicht vor, und ohne sie erhalten wir auch keine Dogmatik, die uns jetzt, wo man von Breslau aus ein stümperiges Buch von Inkonsequenzen für ein sogenanntes „rationelles Judenthum" ausgeben will, fast noch mehr, als sonst Noth thut. Ein solcher Konvent hat es nur mit dem Kultus- Ministerium zu thun, und der edle Chef mit den beiden würdigen Direktoren dieser hohen einsichtsvollen Behörde werden den Zuflüsterungen einzelner Bornirten, wenn sich solche in Opposition versuchen sollten, eben so zurückweisen, wie neuerlich die erbärmlichen Erhebungen der Breslauer Orthodoxen gegen die Aufnahme Geiger's. Bei der Vornahme einer Reorganisation des Judenthums im Sinne der Mehrzahl der jüdischen Unterthanen, kann man uns nicht einer Neologie beschuldigen, es soll ja kein modernes Judenthum des neunzehnten Jahrhunderts aufgestellt, sondern gerade jenes alte, echte und ehrwürdige Judenthum hergestellt werden, gereinigt und befreit von dem Form-Mysticismus, der ihm aus den finstern Zeiten des Mittelalters anklebt. Die Staatsgewalt wird sich der Eingriffe auf Dinge ganz gewiß enthalten, die offenbar nur von Religionsge-

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