Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 unseres Geschichtslebens in mannigfaltigen Weisen und Formen gelehrt und vorgetragen worden ist. Mosis lehrte sie anders, die Propheten anders, eben so später die Männer der großen Synagoge und die Weisen der Mischna und des Talmuds, wiederum später die Geonim, und die ihnen nackgesolgten Gottesgelehrten in Israel anders, und ebenso modisizirt wissen wiederum unsere wissenschaftlichen Theologen das Ewige von der Form zu sondern, die Universalität des mosaischen Bekenntnisses aus dem leidigen Particularismus hervorzuheben versuchen. Wer in Mendelssohn einen Vertheidigcr des alten Dogma in allen seinen Beziehungen erkennen will, hat ihn nie verstanden, und kennt den Geist seines „Jerusalem's" nicht. Formglaube crtödtet die Sittlichkeit, und krasse Erstarrung in der Form entzieht dieser die ganze Weihe. Darum wiederhole ich es, nur eine Kultus-Assoziation von Männern von Ansehen aus dem gesammten deutschen oder preußischen Vaterlande, nur ein Konvent nach Art der Sanhedrin, unterhalten auf Kosten aller Gemeinden, und zu diesem wird jeder mit dem vollsten Herzen beisteuern. Von allen Seiten muß man sich die Hände bieten zum Bunde der Wahrheit, denn die vielen nothwendigcn Veränderungen dürften einigen scheinbar positiven Glaubensregeln entgegentreten, daß hierbei das Einschreiten in dieselben von Einzelnen leicht kraft - und erfolglos bliebe. Wir können nicht in der That so gesunken sein,, daß wir kräftige Im» pulse zu einer solchen Reorganisation (nicht Revolution) erst von außen her, und nicht durch uns selbst erhalten müßten; jedes Blatt in dieser Zeitschrift zeigt ja, daß wir Gottlob noch nicht so arm sind an Männern, die ihre Fähigkeit hinlänglich dokumentirt haben, auf scientivischer Basis die Religion unserer Väter von all' der Schlacke, welche die Reihe trüber Jahrhunderte ihr angeklebt, zu reinigen und zu säubern, und gewiß, der Geist der Ewigkeit, der über den Geist der Zeiten richtet, wird auch unsere sonst so intellegente Regierung erleuchten, und was sie, um die Fueros in den Provinzen nicht zu reizen, mit einem Male nicht gewähren kann, werden wir doch nach und nach durch einzelne Zugeständnisse erhalten. Ich habe das vollste Vertrauen in dieser Beziehung zu der Gerechtigkeit und Milde unseres Königs, wie zu der hohen Einsicht unseres gegenwärtigen Kultus-Ministers, der Geist und Gemüth genug besitzt, um in seiner Religion keine Feindin unseres Rechts zu erkennen. Für daS neuerliche immediale Emanzipationsgesuch einiger Hauptgemeinden unseres Landes bei der Thronbesteigung des neuen Herrschers war offenbar die Zeit noch viel zu früh, und wird darum gewiß nur von geringem Erfolge bleiben. Wie sollte die Regierung in dem Augenblicke, in welchem sie wegen ihr noch weit näher liegender Dinge mit den Provinzial - Ständen der Monarchie nicht harmonisch stimmte, die Sache der Juden-Emanzipation begünstigen, gegen welche diese bekanntlich immer noch öffentlich einen sehr feindlichen Sinn zu erkennen gegeben haben. Das Gesuch ist zwar dem hohen Staatsrathe vorgelegt worden, von dem nun auch einige Verbesserungen im Judenwesen ausgehen werden, aber für unsere Hauptwünsche dürfte an diesem hohen Staatskörper vorläufig noch nichts sonderlich Ersprießliches zu erwarten sein. Hier werden die Mitglieder theils noch von den in der Kindheit eingesogenen Vorurtheilen gegen uns geleitet, bei allen Humanitäts- und Weltbürgersinn deren sie sonst so gern sich' rühmen, theils erscheinen sie bedächtig, weil sie die Einheit des Staates gefährdet glauben, sobald sie diesen verschiedene Elemente in sich aufnehmen sehen, größtentheils aber scheinen sie gegen uns von einem sanften Bekehrungseifer geleitet, daß sie uns lieber zu sich hinüberziehen, als Konzessionen machen, weil einmal bei ihnen, was sie glauben und festhalten, auf Ueberzeugung beruhet, und das Bessere erscheint. Wenn ich aber hier eben auf bessere Aussichten für uns durch das gegenwärtige hohe Kultus-Ministerium einige Hoffnung mache, bei welchem sich kein so deutliches Schwanken rücksichtlich unserer Rechtsverhältnisse erkennen läßt, wie z. B. in den Verfügungen des Ministeriums der Polizei und des Innern im Bereiche der Heimathsangehörigkeit und Naturalisation unserer Glaubensgenossen, so kann ich aber auch nicht unerwähnt lassen, wie dieses Ministerium, welches mit dem Kultus auch die obersten Medizinalangelegenheiten des Landes leitet, nicht selten in uns stutzig werden muß. Der Gelehrtenstand ist es doch eigentlich nur, der die politische Emanzipation, die öffentliche staatliche Wirksamkeit zunächst wünscht, denn der Kaufmann und Gutsbesitzer, der Künstler sind Handwerker sind ja bereits emanzipirt.- Was