Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 268 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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268 lang statt, 1159 oder 1160 bls 1173. Daß wir übrigens nur einen Auszug aus dem Tagebuch R. Benjamin's besitzen, lehrt der erste aufmerksame Blick. Nur von 10 Städten wird Ausführlicheres gegeben, und nebenbei finden zwei Episoden ihren Platz. Von Saragossa nach Tartosa, Taracona, Barcellona (mit einer ausgezeichneten Gemeinde.) Von da nach Gerona und Narbonne, letzteres mit einer bedeutenden jüdischen Akademie und einer Gemeinde von 300. Seelen. Beziers, Montpellier, deren Juden er zu den geachtetsten und weisesten der damaligen Zeit rechnet; Lunel, wo Rabbi. Meschullam mit seinen fünf Söhnen wohnt, und die Gemeinde alle dort studierenden Jünglinge reichlich unterstützt, Beaucaire, mit 400 I. und einer großen Akademie, wo der reiche R. Abraham den David (‘»'his^) den Schülern nicht bloß Weisheit und Kenntniß, sondern auch Unterhalt aus eigenen Mitteln reicht. Bourg de St. Gilles (100 I.), Arles (200 I.), Marseille, mit 3Y0 I. in zwei Gemeinden, in der Unterstadt an der Küste und in der Oberstadt an der Festung, Genua, wo zwei Juden aus Ceuta wohnen, Pisa mit 20I., Lucca(40J.), endlich 5fom, das zuerst weitläufiger beschrieben wird. Ec fand dort nur 200 I. mit einer Akademie, die sehr human behandelt wurden, und von denen mehre Beamte des Papstes waren, so R. Jechiel Schatzmeister. Eapua mit 300 I., Sorrento, Neapel mit 500 I., Salerno mit 600I., Amalfi (20 I.), Bavento (200 I.), Melst (200 I.), Ascoli (40 I.), Trani (200 I.), von wo aus die Pilgrimme nach Jerusalem abgehen, Taranto (300 I.), Brindisi (10 I. die Färber sind,) Otranto (500 I.) In Korfu findet er nur einen Juden, ^der Färber war. Von hier ging R. Benjamin nach Griechenland über. Hier besucht er Achelous (10 I.) Patras (50 I.),. Lepanto (100 I.), Crista, wo am Berge Parnassus 100 Juden abgesondert wohnten, welche Ackerbau auf eigenem Lande trieben^ Korinth (300 I.), Theben, welches 2000 Juden bewohnten, die eben so in Seide- und Purpurmanufakturen, als im Studium des Talmuds sich aus- , zeichneten. Ueber Negroponte (200 I.), Jabustrisa(100J.), Rabenika (100 I.),- Zektun (50 I.) gelangt er in die Wallachei, deren Bewohner er als Räuber, unabhängig und ohne Glauben bezeichnet. Ueber Armiro (400 I.), Biffina (100 I.), und Salonichi, wo 500 I. sehr gedrückt von Handwerken lebten, Mitrizzi (20 I.), Drama (140 I), Christopolis (20 I.), gelangte er nach Konst an tinopel, dem bereits von Türken bedrohten, dessen Reichthümer R. Benjamin recht beredt zu schildern weiß. Den Standpunkt, den die Juden damals, unter griechischer Herrschaft, einnahmen, schildert er folgendermaßen. In der Stadt dürfen die Juden nicht wohnen, da sie rund um den einen Arm der See verwiesen sind. Sie sind da von der andern Seite durch den Kanal Sophia eingeschtossen, und können die Stadt nur zu Wasser erreichen, wenn sie dieselbe des Handels wegen besuchen wollen. Die Zahl der Juden erreicht jetzt 2000 Rabbaniten und 500 Karaiten die in demselben Flecken, aber durch einen Wall geschieden, leben. Der Rabbaniten Häupter sind: R. . Abtalion, der Rabbi, R. Obadia ff. Einige von ihnen sind Seiden- und Wollenmanufakturisten, Andere Kaufleute, Einige erstaunlich rerch. Keinem Juden ist es aber gestattet, auf einem Pferde zu reiten, außer dem R. Schlomo Hamizri, des Kaisers Leibarzt, durch besten Einfluß die Juden manche Erleichterung in ihrem Druck erlangt. Sie fühlen diesen Zustand sehr schmerzlich; so geben insonders die Lohgerber ihren Haß zu erkennen, indem sie ihr Schmuzwasser in die Straßen und vor die Thüren der Juden ausgießen, die dadurch sehr verunreinigt werden. Die Griechen lassen sie so sehr ihren Druck fühlen, daß sie sie schlagen auf den Straßen und jeder Art von Mißhandlung unterwerfen; die Juden aber sind reich, wohlthätig, religiös, die ihr Mißgeschick mit Geduld ertragen. Das von den Juden bewohnte Viertel heißt Pera. Von Konstantinopel begab sich R. Benj. nach Rodosto (400J.), Gallipolis (200 I.), Kilia (50 I.), besuchte noch die Inseln des Archipelagus Mitilene, wo zehn Ortschaften jüdische Gemeinden enthielten, Chio (400 I.), Samos (300 I.), Rhodos (400 I.), Eyprus, wo neben den rabbinischen Juden eine Ketzergemeinde, Kaphrossin, d. i. Cyprianer genannt, wohnte. Die profanirten den Abend vor Sabbat, und feierten den Abend vor Sonntag. Von Cyprus aus betrat er die Küste von Asien. Ueberblicken wir diese Reiseroute durch Europa, so fallt es uns auf, daß der westliche Theil von Oberitalien, den ec durchwandert, so sparsam von Juden bewohnt ist, daß hingegen Neapel, insonders Kalabrien mit Gemeinden besät ist, aus welcher Gegend sie gänzlich geschwunden sind. Ebenso bemerken wir im eigentlichen Hellas eine Anzahl Gemeinden, von denen jetzt keine Spur. Außerdem müssen wir finden, daß die Gemeinden sammtlich gering an Seelenzaht sind, so daß sie sich mit den jetzigen gar nicht messen können. In ganz Südeuropa findet er nur Korinth und Konstantinopel von 2000 I. bewohnt, wohingegen das letztere jetzt von 60,000, Salonichi von 20,000 I. bewohnt ist. Man muß zugestehen, daß die Vertreibung aus Spanien einen sehr großen Einfluß auf die Gestaltung der Gemeinden übte. (Fortsetzung folgt.)