Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dieser Utcharist giebt uns in der XLVI. Makama seines Tachkemoni eine Liste jüdischer Großen von Toledo, wo er um 1200 sich aushielt. Der dritte Mann in der Reihe ist „Abraham den Alfachahr mit seltenen Tugenden und gerechten Handlungen." In Toledo herrschte damals Alfons YHL, der Sieger von Tolosa. Dieser Fürst war bekanntlich ein großer Freund der Juden?) und stand mit den Arabern in Andalusien und Afrika wahrend seiner ganzen Regierung (bis 1214) bald in kriegerischen, bald in freundlichen Verhältnissen. Alfonso und Abraham waren durch diese Angabe gefunden. Aber auch der wahrscheinliche Mostanser wird sich jetzt zeigen. Das Wort Chatif Al-Mostanser würde freilich auf einen Chalifen von Bagdad Hinweisen. Jedoch vieser heißt auch nicht Sultan, und der ganze Anstrich der Erzählung zeigt, daß wir es mit einem Sultan der Moahadin in Afrika zu thun haben. Die Sultane aus dieser Dynastie führten wol den Titel Emical-Mumenin, den sonst nur die legitimen Chalifen führten; und ein Nord-Afrikaner, wie Almakkari, würde am wenigsten anstehen, die mächtigen Herrscher seines Vaterlandes Chalif zu nennen. Auch sagt er ja früher ausdrücklich, daß Alfachahr bei einem Sultan in Magreb Gesandter war; Magreb aber wird vorzugsweise von Nord-Afrika gesagt. Was hatte auch Alfonso mit dem Chalifen von Bagdad zu thun gehabt, der damals zwar ein unabhängiger Fürst, aber doch von geringer Bedeutung für Europa war? Wenn es uns durch Obiges ertaubt wird, den Chalifen oder Sultan in Nord-Afrika zu suchen, so wird der wahre Mostanser sogleich gefunden sein. Kurz nach der Schlacht von Tolosa nämlich bestieg den Thron der Moahadin Sultan Abu Jakub Mostanser (billa). Er besaß noch das ganze südliche Spanien und mußte nothwendig mit dem Könige von Kastilien in häufigen Verkehr treten; sei es auch nur, um über die Auswechselung der Gefangenen jener entscheidenden Schlacht zu unterhandeln. Wie lebhaft damals die Christen und Araber mit einander verkehrten, geht unter Anderem auch daraus hervor, daß Mamun kurz nach dem Tode Mostanser's mit 12,000 christlichen Kriegern, die ihm der König Ferdinand von *) Daß er auch ein großer Freund einer schönen Jüdin war, und daß diese von den Großen des Hofes vor den Augen des Königs ermordet wurde, erzählen viele französische und deutsche Schriftsteller. Die spanischen Historiker erklären es für eine Fabel. Kastilien zu Hülfe schickte, nach Nord-Afrika zur Wiedereroberung seines Reiches ging. Möge man aus dem Gesagten sehen, daß die noch so wenig für die Geschichte des Mittelalters benutzten jüdischen Quellen nicht ohne Nutzen für die historische Forschung sind. Noch einige andere jüdische Dichter und eine Dich« terin (Kasmuna) führt Makkari auf; wir werden vielleicht ein andermal davon Mittheilung machen. Magdeburg, 25. April. Angekommen: Um Itinerary of Rabbi Benjamin of Tudela. Translated and ediled bv A. Aslier. Vol. I. Text, Bibliograph}’ and Trahslalion. Yol. 1L Notes and Essays. London and Berlin. 1740. 1841. Die vorliegende Ausgabe und Bearbeitung der alten Reiseskizzen des R» Benjamin von Tudela ist, abgesehen daß sie die Autorität dieses Vaters der Touristen wieder hergestellt, und durch die unzähligen Nachweisungen ihn erst genießbar und nützlich gemacht, von unschätzbarem Werthe für die Geschichte der Geographie und des Handels, von bedeutendem Nutzen für die Geschichte der Juden aus einer historisch magern Zeit. Bibliographie, die uns 22 Ausgaben aufzahlt, mit Uebersetzungen in lateinischer, englischer, französischer, holländischer und jüdisch-deutscher Sprache (also nicht einer einzigen in rein deutscher,) revidirter Text mit Varianten, und fließende englische Uebersetzung (sollte die verheißene, deutsche Ausgabe nicht erscheinen?) machen den ersten Band aus, kritische Einleitung, Noten von verschiedenen Verfassern (die meisten vom Herausgeber und Dr. Zunz), meist geographischen und literar-historischen Inhalts, nebst werthvollen Zugaben: 1) Versuch über die geograph. Literatur der Juden von Zunz, 2) über das Khalisat in der letzten Halste des 12. Jahrhunderts von Lebrecht, 3) über -die Geographie von Palästina aus jüdischen Quellen, von Zunz — bilden den eben fertig gewordenen zweiten Band. Wir müssen voraussetzen, daß das alte Reisewerk unsers Rabbi den meisten Lesern unbekannt ist, und versuchen wir es darum zuvor, einen Auszug des Interessantesten zu geben. Rabbi Benjamin aus Tudela (in Navarra) war ein Kaufmann, und begann seine Reisen ungefähr 1100. In der doppelten Eigenschaft als Israelit und Kaufmann, benutzt er seine Pilgerreise nach Jerusalem und Bagdad (dem Sitz der letzten Prinzen unsres Stammes), um sowol über den Zustand der Juden als des Handels reiche Notizen zu sammeln. Seine Reisen fanden 14 Jahre