Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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266 Der Wesir lachte herzlich und konnte sich nicht enthalten, dem Ehalifen meine Antwort mitzutheilen. Nach einiger Zeit sagte er mir im Namen seines Herrn Folgendes: der Thürsteher ist absichtlich für den Eintritt des Gesandten gewählt worden. Hatte man einen Redwan hingestellt, er würde ihn sicherlich von der Thür gewiesen haben, mit der Bemerkung, daß hier das Paradies sei und folglich kein Ort für solche Sünder; wahrend Malek, nicht wissend, was hinter ihm ist, und in deyl Wahne, er hüte berufsmäßig die Hölle, ihm den Eingang ohne Weiteres gestattete."" Bei Ibrahim ben Sahl hat uns Almakkari doch wenigstens einige bestimmte Angaben überliefert und gab uns indirekt einige Mittel zur Kombination. So viel historische Freude macht er uns nicht bei Alfachahr. Die schwachen Lichtpunkte, mit welchen er unsere Dunkelheit bescheint, sind: 1) daß Alfachahr in Toledo lebte; 2) daß er im Staatsdienste bei Alfonso war; 3) daß er am Hofe eines Ehalifen oder Sultans Mvstanser Gesandter seines Königs war. Toledo's giebt es freilich nicht mehrere, dagegen Alfonso's recht viele und Mostanser's auch mehrere. Das sicherste, was hieraus zu gewinnen wäre, läuft darauf hinaus, daß Alfachahr nicht vor 1085 (Jahr der Eroberung Toledo's) und (lassen wir als vierte Notiz die Aufbewahrung einiger Gedichte durch den im 13. Jahrhundert lebenden Zbn Said gelten) nicht spater als 1250 geblüht haben kann. Vor Allem wird der Leser sich an die gelehrten Aufschlüsse des Herausgebers wenden wollen. Allein Herr P. d. Gayangos hat seine Noten über diesen Dichter gar wenig in ein richtiges Verhaltniß zu dem Forscherfleiße gesetzt, der seiner ganzen Arbeit zum Grunde liegt. Zuerst sagt er: have never mel witli tlie name of tliis poet.“ Sodann hat er nicht üble Lust, Hakem II. für den Ehalifen Monstanser zu halten, bei welchem Ibrahim Alfachahr akkreditirt war, obgleich dieser Fürst ein Jahrhundert vor der Eroberung Toledo's starb; und endlich will er einen Herrschling zu Saragossa aus der Dynastie der Bene Hud unter dem angeführten Mostanser verstehen. Er sieht jedoch selbst bei der ersteren Konjektur seinen Anachronismus ein und.verwirft auch seine zweite Vermuthung mit Recht schon aus dem Grunde, daß ein so kleiner Herrscher nicht Ehalif genannt wird. Wir sind im Stande, nähere Auskunft zu geben. Das Geschlecht der Alfachahr gehört mit zu den berühmtesten unter den Juden in Spanien. Mit der größten Ehrerbietung wird dieses Geschlecht in hebräischen Werken genannt. Maimuni in seinem Briefe an Samuel Aben Tibbon erwähnt der Alfachahr, die im 12. Jahrhundert zu Granada wohnten. Auch Abenesra erwähnt eines Schriftstellers aus dieser Familie *). Im Ilten, 12ten und 13ten Jahrhundert zogen sehr viele Juden aus dem maurischen Spanien in das christliche, wo sie günstige Aufnahme fanden, da sie arabische Bildung und Kenntnisse mitbrachten und besonders durch Uebersetzungen viel Gutes vermittelten. Bor allem war ihre Wirksamkeit und ihr Einfluß zu Toledo groß, wo sie spater auch die berühmten Alfonsinischen Tafeln anfertigten. Hier finden wir auch das Haus Alfachahr wieder, und zwar zu Anfang des 13. Jahrhunderts in der größten Blüthe. Bei dem Streite über das Buch Mure Nebochim von Maimuni ums Jahr 1230 that sich der Nasi (eine Art Fürstentitel, den die Juden ihren Vornehmen beilegten) Jehuda ben Joseph Alfachahr in Toledo hervor. Trotz seiner zelotischen Schritte zur Verketzerung des Maimuni und trotz seiner stolzen Sprache, wird er doch von Allen, die sich schlichtend in den Streit mischten, darunter von dem berühmten David Kimchi, mit größter Ehrerbietung behandelt, und zwar mit der ausgesprochenen Rücksicht auf seine vornehme Familie. Nachdem wir gezeigt, daß der Name Alfachahr nicht nur bekannt, sondern berühmt ist**), wird sich wieder dieselbe Schwierigkeit einsinden wie bei Ibrahim ben Sahl, nämlich, das einzelne Glied aus dem zahlreichen Geschlecht hervorzusuchen. Glücklicherweise finde ich in den hebräischen Makamen des oben angeführten Alcharisi einen von diesem wie gewöhnlich nur hingeworfenen Namen, welcher etwas Sicheres über unseren Alfachahr, über Alfonso und Mostanser geben mag. *) Es ist die Stelle im Kommentar zu Daniel 11. Abenesra nennt einen Ben Hajozer, der über die Erlösung geschrieben habe; Hajozer ist aber nur eine Uebersetzung des Wortes Alfachahr, d. h. der Töpfer. Solche Uebersetzungen sind sehr gewöhnlich (gerade wie christliche Gelehrten ihre Namen früher in klassischer Sprache ausdrückten, z. B. Melanchthon); der spottende Abenesra gab aber hier um so lieber den Namen hebräisch, weil er einen Wortwitz darauf gründen wollte. Statt nämlich zu sagen, er habe ihn widerlegt, sagte er: „Ich habe seine Worte wie Töpferwerk zerschmettert."^ **) Herr P. d. Gayangos scheint in der neuhebräischen Literaturgeschichte nicht sehr bewandert. Er beruft sich oft blos auf das Machwerk des Spaniers Rodriguez de Kastro.