Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225193--03514-3313054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
265 der erste gutberedte Geistliche auf ein Geschöpf aus-, übt, mit dem nie von Religion gesprochen wurde, läßt sich denken... Durch die strengen Heirathsgesetze in den Provinzen Böhmen und Mähren, sieht man daselbst manches in Liebe erglühte Mädchen hoffnungslos dahin welken. Zehnjährige Bräute, denen endlich die Heirath versagt wird, gehören dort gar nicht zu den Seltenheiten; deßwegen aber wird der Uebertritt zu einer andern Religion zu den äußerst seltnen Ereignissen gezählt. Die dortigen Mädchen fanden Trost und Erhebung in ihrer Religion, welche sie kennen, Beruhigung in dem ihnen theuren Glauben, dessen Märtyrer sie sind. — Die in den kaiserl. Staaten verbreiteten israelit. Normalschülen, streuen auch dort, wo noch keine zeitgemäße Erbauungen statt finden, den edelsten Saamen des Glaubens in die für Religion so sehr empfänglichen Gemüther der weiblichen Jugend Israels, aus. Glaube mir, du wunderlicher Götze religiöser Obskurität, du wüthest in deinen eigenen Eingeweiden, so du deine Flüche und Mißblicke auf die modernen Schulen richtest. Deine sophistische Jrrgewebe und Kan^zelgebrülle, können weder jenen wohlberedten Missionsbemühüngen das Gleichgewicht halten; noch, dort Trost gewähren, wo die Nächte des Geschickes mit aller ihrer Schwärze über unser Leben sich verbreiten .... (Statistische Bemerkungen:^ Im Jahre 1840 sind im Regierungsbezirk Köslin 142 israelitische Kinder geboren, und nur 53Israeliten gestorben. In München wohnen jetzt unter 95,531 Seelen 1423 Israeliten. Im Großherzogthum Baden lebten 1840 unter 1,277,305 Einwohnern 21,368 Israeliten. Literarische Nachrichten. Berlin, 23. Marz. (Schluß.) II. Nachdem Almakkari von Ibrahim den Sahl gesprochen, der unter den Arabern in Süden der Halbinsel gelebt hatte, geht er zu einem andern Ibrahim über, welcher unter den Christen gelebt. Wir lassen ihn selber sprechen: Ibrahim Jbn-at-Fachahr al Jahudi * *) ist auch ein *) Der letzte Theil des Namens heißt blos der Jude, wie oben Al Israeli der Israelit. Ibrahim ist der Vorberühmter Dichter. Er lebte unter den Christen, und zwar im Dienste Atfonso's, Königs von Toledo, bei welchem er in so hoher Gunst stand, daß er ihn zu seinem Gesandten an dem Hofe eines mohammedanischen Sultans in Afrika ernannte *). Nach der Versicherung aller seiner Zeitgenossen war er in der Prosa gewählt und in der Poesie sehr glücklich. Jbn Said hat uns einige seiner Verse aufbewahrt, worunter ein Gedicht zum Lobe seines Herrn Atfonso (Gott verdamme ihn!)** ***)) Folgende Anekdote ist von diesem Juden in Umlauf; er hat sie selbst dem Schriftsteller erzählt, dem ich sie hier entlehne. „Ich wurde von meinem Königlichen Herrn einst als Gesandter zu dem Chaliftn Al-Mostanser geschickt. Als ich zur Audienz beim Wesir ging, um ihm mein Beglaubigungsschreiben vorzulegen, führte man mich durch die Garten des Palastes, wo ec sich befand. Es war ein bezauberndes Gefilde; sein hinreißender Glanz, seine üppige Schönheit, seine balsamischen Düfte entsprachen nur der Vorstellung vom Paradiese. Merkwürdig an dem großen Garten war aber noch der Pförtner, der nur darin mit dem paradiesischen Ort zu vergleichen war, daß er eben so sehr durch seine Häßlichkeit, wie jener durch seine Schönheit überraschte. Ich habe in meinem ganzen Leben keine solche abschreckende Figur gesehen. Der Wesir fragte mich spater, was ich von der Anlage des Gartens dachte? Ich antwortete, ich würde den Ort ohne Bedenken mit dem Paradiese vergleichen, allein ein Umstand hindere mich an dieser Vergleichung; man habe mir nämlich gesagt, das Paradies werde von Redwan (einem Engel) bewacht, hier aber sehe ich Malek (den Teufel) •**). name, und Jbn-al-Fachahr heißt wörtlich: „der Sohn des Töpfers;" nach dem Sprachgebrauche aber: „auS dem Geschlechte Alfachahr." *) Bei Pascual de GayangoS heißt es: in the west im arabischen demnach Magreb oder Garb. Beide Wörter werden im engeren Sinne für Nord-Afrika gebraucht, da man für Spanien das Wort Andalus gewählt. Man wird unten sehen, daß wahrscheinlich hier Afrika gemeint ist. *•) Diese menschenfreundliche Formet, im Arabischen gewöhnlich: Laanaim Alla, gebrauchen die Muhammedaner in ihren Schriften sehr häufig, besonders gegen siegende Feinde und gegen große Männer überhaupt, die nicht Muhammedaner sind. ***) Nach der Dämonologie des Koran nämlich heißt der Thürhüter des Paradieses Redwan, der der Hölle aber Malek. 19