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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-08 · Heft 19 (8.5.1841) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 19 (8.5.1841)
Date
1841-05-08
Page
Seite 264 (sequence 8)
Language
German
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264 BorwärtSschreiten im Kultus — durch ihre Geschäfts» solidität und tolerante Gesinnungsrveise sich auszeichnet, hat nicht minder in ihrer Rabbinenwahl sich als musterhaft hervorgethan — und Herrn Rabbinats-Kandidaten Leopold Löw als israel. Religions-^ Vorsteher und Prediger zu Caniffa angestellt. — Hr. Löw, ein Schüler mehrerer rabbinischer Heroen, besitzt viel talmudischen Scharfsinn, große Kenntniß und Belesenheil in hebräischer Sprache und Literatur — hat schulenmäßig die Studien der klassischen Sprachen und der Philosophie absvlvirt — spricht geläufig französisch und hat musikalische Kenntnisse. Ein stattlich jugendliches Aeußere, eine kraft- und «nmuthsvolle Stimme nebst dem Besitze eines klassischen Styles und lebhaften Bortrages, vollenden den Kranz seiner seltnen Eigenschaften. Alle Gutgesinnten Israels, werden sicher dieser edeln Gemeinde von Herzen gratuliren und sich um so inniger 'freuen, daß schnöde Verleumdungen einiger Frömmler bei ihr keinen Eingang fanden — und Herrn Löw ist zu wünschen, daß er seinem hochwichtigen Borsatze treu, als würdiger Lehrer und Bildner einer solchen großherzigen Gemeinde sich bewege — reinen Samen in die Herzen künftiger Religionsverweser *) säe — und zur Vollendung seiner umfangsreichen Vorzüge, mehr natürliche Wärme und geistliche Popularität, sowol in seinem Benehmen als in seinen öffentlichen Vorträgen, sich aneigne. — Herr Löw ist nun nächst den Herren Schwab und E hör in der dritte Rabbine Ungarns, von welchen wir sagen können, daß sie als wohlthätige Stirne in das allgemeine Dunkel leuchten.-- (Papa.) Das Nerven - und Kindbettsieber hat im verflossenen Winter unter den hiesigen Israeliten viele Individuen weggerafft. Allgemeine Bestürzung herrschte im Orte, und unser Herr Rabbine ist noch immer beschäftigt jenen rrun ausfündig zu machen, welcher diese göttliche Strafe nach sich zog. . Referent erlaubet sich hier zur Kunde der Papacr denselben zu veröffentlichen: Ist es nicht himmelschreiende Sünde, eine Gemeinde von einigen tausend Seelen soll — keine ordentlich organisirte Schule haben, das *) Es gereicht Herrn L. zur besondern Ehre, daß er sich eine von 10 Schülern kontraktlich Vorbehalten. Corrfsp. ganze Jahr keine wahrhaft erbauende Rede hören, keinen den Gemüther jetziger Zeit genügenden Gottesdienst üben?— Warum sollen Männer wie Neumann, Herzfeld, Schlesinger, Spitzer, Hirschier, denen doch Sinn für das Bessere und Mittel zu derartigen Anregungen eigen sind, in einem solchen religiösen Scheintod verharren? Ein Lehrer, zugleich' befähigt religiöse Vorträge zu halren, könnte, wie an manchen Orten Deutschlands, ihren beiden Bedürfnissen genügen... Körmend. Die Tochter einer hiesigen armen Jsraelitenfamilie ist plötzlich, ohne Vorwissen, oder Ahnung der Eltern, durchgegangen um sich taufen zu lassen. Die Eltern eilten ihr nach, aber auf das Mädchen, welche zu Hause nur Noth und Elend vor sich sah, konnten selbe keinen wohlthätigen Eindruck machen, und sie blieb bei ihrem Vorsatze*). An dieses Ereigniß knüpft sich die Bemerkung, daß, seit 20 Jahren hier bereits 4 jüdische Frauenzimmer auS der armen Klaffe, trotz ihres von jedem Ehristenumgange isolirten Lebens, zum christkatholischen Glauben übergingen, indessen hier sich Niemand erinnert, daß auch nur ein männliches Individuum, welche doch mit Christen in immerwährendem Verkehre stehen, seinen Glauben verlassen hätte. . Kann es aber auch anders sein? — Ist unfern Mädchen nur eine lichte, erhebende Seite ihres Glaubens bekannt? — Werden sie auch nur, in einer der so viel Trost gewährenden Lehren oder Geschichten unserer Religion unterrichtet? — Nehmen sie auch den mindesten Antheil an dem Gottesdienste? — Freilich ist bei uns auch der gewöhnliche Religionsunterricht der Knaben unter aller Kritik. Aber diese fungiren doch wenigstens bei Synagogalfeierlichkeiten (wenn auch als Automaten) mit. Diese.priesterlichen Mitwirkungen haben für die fromme Einfalt doch etwas Anziehendes. — Aber was soll arme, in mißlicher Lage lebende Mädchen abhalten, aus den für sie reizlosen, voll Erschwerungen beladenen Verhältnissen sich loszureißen, um sich bessern Aussichten in die Arm zu werfen? — Wie groß endlich der Eindruck ist, den *) Unsere geistliche und weltliche Behörde zeigte sich bei dieser Angelegenheit sehr tolerant. Das Mädchen mußte alle überflüssige Kleidungsstücke, Ohrgehänge u. dgl. den Eltern zurück stellen. Corresp.

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