Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
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nicht mit dem edlen Geber über die Zinsen einigen, und es ist wiederum Niemand da, der die heilige Flamme zu unterhalten strebe. — München, 20. April. (Privatmitth.) Ein im Jahre 1826 dahier begründeter, im Jahre 1830 umgestalteter Wohlthätigkeitsverein hatte mit Zurücklassung' eines Fonds von ca. 4622 fl. eine lange Unterbrechung bestimmter Ursache wegen. Jetzt ist derselbe von Neuem konpituirt, und zu einem „Unterstützungsverein, für israelitische Ackerbau« und Handwerkslehrlinge in Baiern" umgeformt worden. Einem jeden zur Unterstützung zugelassenen Individuum wird eine solche von 4L bis 60 fl. ertheilt. Die Gewerke müssen in oder München erlernt werden, und da der Verein noch wenige Mitglieder außerhalb München's zählt, so sollen die in dieser Gemeinde geborenen den Vorzug haben. Wenn Auswärtige dem Vereine beitreten, und zwar zehn an einem Orte,,so wird ein Filial daraus gebildet. Der monatliche Beitrag eines Mitgliedes ist mindestens 24 Kr., und nach Willkür zu erhöhen. Es werden hiermit die baier'schen Israeliten auf diesen Verein dringend aufmerksam gemacht, um seine Wirksamkeit auszudehnen, über die jährlich ein Bericht öffentliche Kunde geben wird. Oesterreich. Aus Ungarn, 10. April. (Privatmitth.) Neben den immer reger werdenden bürgerlichen Bestrebungen der Israeliten Ungarns, wie sie oft genug ihre Besprechung in dieser Zeitung finden, gestatten sie mir einmal einige Blicke auf den religiösen Zustand der Wirklichkeit nach, und mag diese Skizzen ein Jeglicher so hinnehmen, wie ich sie gebe, weshalb ich meinen Namen auch unterfertige. Der blühendste Bürgerstand, wenn er nicht mit Steigerung der religiösen Entfaltung verbunden ist, kann nicht als erwünschtes Ziel für Israel erscheinen. Moritz Feitel, prakt. Arzt. (Eisenburger Komitat.) Indessen in dem erleuchteten Deutschlande die Kämpfe um eine beglückende Reform mancher unserer zeitwidrigen Religionsdogmen rege sind, sind auch unsere Rabbinen nicht müssrg. Funken (freilich weder erwärmend noch beleuchtend) sprühend, erklingen die polemischen Waffen unter den jüdischen Theologen unseres Komitates. In einem Dorfe nämlich, wurden mehrere Gänse geschlachtet, geöffnet und mit einander bereits gesalzen, als man im Innern eines Magens einen Nagel fand. Der erste, hierüber zu Rathe gezogene Rabbi erklärte, der Vermischung wegen, sämmtliches Geflügel für wra. Sodann wand sich der Eigenthümer an einen zweiten, dem Ersten an Jahren und Celebri'täl überlegnen Rabbinen, welcher trotz seines sonstigen unerschütterlichen Rigorismus, auf die Autorität einer rri"w sich stützend, durch einen Christen eine Gans wegnehmen ließ und sodann über alle Andern sein “nra aussprach. Die nachbarlichen Theologen rufen Zeter und wehe! — und der durch so viele Jahrhunderte mit Füßen getretene echte Sinn der Lehre Gottes seufzet laut auf: Ist es erlaubt von Erleichterungsprinzipien, selbst einzelner Autoritäten Notiz zu nehmen; wie wagt man es dann, bei so vielen, Lebensglück und Geistesaufschwung hemmenden Störungen, starrsinnig jede, rabbinifche Reform auf rabbiuischem Wege, zurück zu weisen?-Aber die orthodoxe Finsterniß führt, wie manche Nächte, zweie Uebel mit sich, schneidend kalt ist sie — und fordert Stillstand im Leben. Sie ist ein Feind von allgemeinen Begünstigungen und entsprechen sie auch ganz ihrem Systeme. Sie widerstrebt jeder wahren Lebensregung. Im Oedenburger Komitate beschäftigt die Rabbinen die Schlichtung einer andern theologischen Streitfrage: Ein junger Mann ist Bräutigam mit der Schwester seiner Schwägerin, welche letztere schwanger ist. Indessen stirbt sein Bruder, und dessen Weib wird von einem nicht lebensfähigen Kinde entbunden. . Gibt der Bräutigam seiner Schwägerin nun so darf er seine Braut als TXibn mm nicht heirathen. — Bei dieser Angelegenheit zeigt sich das umgekehrte Verhältnis Hier, wobei es sich um wichtigeres, als um Gänse, wo es sich um Liebes - und Lebensglück zweier Menschen handelt, weifen die Orthodoxen starr, finster und kalt jede begünstigende Meinung von sich — indessen die wenigstens Humaneren das Räthsel auf die befriedigendste Weise lösen. — (Groß-Canisfa.) Diese Gemeinde, welche bereits seit einigen Dezennien, durch ihr zeitgemäßes