Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Jünger ernster Wissenschaft eine seltene Huldigung gebracht; der geweihete Priester heiliger Forschung nach Wahrheit, des einzig Berechtigten , zu binden und zu lösen, der den Zauber gefunden, Geister in seinen Kreis zu bannen, und Herzen in innerster Tiefe zu fassen und zu fesseln. — Durch die wenigen, aber aus hellem Geiste und warmem Herzen strömenden Worte, womit er den ihm ausgebrachten Toast beantwortete, bekundete er auch an uns die Magie seiner Redemacht, die er auf seine Hörer ausübt. Der Thau der Freude hat noch einen andern Keim für künftige reiche Entwickelung befruchtet. Der Herr vr. Lilienhain benutzte nämlich die fröhliche Stimmung zu edlem Zwecke, und legte den Anwesenden den Neubau eines Krankenhauses an's Herz. 20 Fd'or. von dem anwesenden Herrn Raphael Prausnitz aus Liegnitz, und 10 Fd'or. von dem Kaufmann Herrn M. Lilienhain, und 50 Thaler von dem Herrn August Gottschalk, waren die ersten Opfer auf dem Altar der Barmherzigkeit, die Gottlob, immer noch Verehrer unter uns zählt. Um 7 Uhr ging die Gesellschaft auseinander; aber auf dem Gesichte aller Mitglieder stand in unverkennbaren Zügen das Geftändniß ausgeprägt: das war ein glücklich verlebter Tag! .... 2. Deutschland.' Altona, 21. April. (Eingesandt.) Wenn die feindselige Stimmung, die, den Absichten unserer erleuchteten Negierung gerade zuwider, hinsichtlich der Juden sich in der holsteinischen Ständeversammlung geltend gemacht, auch im Lande sich hin und wieder kund giebt, so findet man dies leicht begreiflich, wenn aber von Seiten so mancher Israeliten selbst, mit Hintenansetzung jeglichen Selbstgefühls, das Verachtende solcher Judenseindschast nicht gefühlt, und man im Gegentheil bemühet ist, sich vor der schlagenden Hand noch zu krümmen, dann ist solches Betragen um so mehr noch verachtenswerth, und verdient, öffentlich gezeichnet zu werden. Der Inhaber einer hiesigen christlichen Schule, die auch von mehreren sehr ordentlichen Knaben jüdischer Eltern besucht wird, 0r. T., ließ sich, wie man sagt, auf Anrathen guter Freunde, bereden, seine Schule von der jüdischen Jugend zu befreien, und schickte deshalb, als erste Dosis, die größere Hälfte seiner jüdischen Scholaren, den Eltern zurück. — Nichts Außerordentliches! Die Knaben werden auch ohne Hrn. vr.'s Pädagogik gebildet, und dabei noch einige wortgetreue Reminiscenzen aus dem Religionsunterrichte desselben über Toleranz mitnehmen. — Aber was thun nun die jüdischen Eltern, deren Kinder für die zweite Dosis aufgespart sind? Nun — sie sind stolz darauf, daß, man ihre Kinder würdig gehalten, noch die christliche Schule besuchen zu dürfen!! Sollte man es glauben, daß einige Tage nach jener sogenannten Säuberung vom Neuen einige jüdische Eltern nach jener Ehre geizten, die ihnen aber abgeschlagen wurde? Oder hält man es für möglich, daß einige Eltern dieser zurückgeschickten Knaben, dieselben alsbald in andere christliche Schulen unterbrachten, wo sie auch unter der Bedingung angenommen wurden, daß sie am Sonnabend die Schule besuchen müßten? Achten wir uns nicht selbst, wie können wir da Anspruch machen, geachtet zu werden; wie dürfen die auf Gerechtigkeit rechnen, die nicht einmal gegen sich selbst gerecht sind!! Hamburg, 16. April. (Privatmitth.") — Am zweiten Tage Pesach hat Herr Jacob Ettlinger, Rabbine zu Altona, am Schluffe seiner Predigt, des Herrn Moses Montesiore sehr ehrenvoll erwähnt, und dann ein Lob- und Dankgedicht auf denselben vorgetragen, wovon die ganze Gemeinde höchst gerührt ward. Wenn diesem Gedichte auch die poetische Schönheit fehlte, so war es'doch deutlich zu erkennen, daß jedes Wort aus vollem Herzen kam, und hatte auch der Gemeindevorstand den Herrn Rabbinen pro forma dazu aufgefordert. — In Hamburg ist schon seit vier Monaten der Plan zu einer neuen Synagoge entworfen, wozu unser wohlthätiger Vorsteher, der Herr Jsaac Hartwig die Veranlassung gab, und 100,000 Mrk., zu vierprocentigen Zinsen während des Lebens seiner Gemahlin, zusicherte, die aber nach deren Ende der Gemeinde zufallen sollten; es müsse aber auch ein Prediger an der neuen Synagoge angestellt werden. — Dies Alles schön und herrlich. — Leider aber kann sich der Vorstand *) Nicht von unfecm gewöhnlichen Correspondenten. Redakt.