Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
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261 zelne dir Dank schuldig sind, denn -auch dir wird Gerechtigkeit! — Wir aber wollen uns ein Beispiel an ihm nehmen und aus harren, damit unsre Jugend gottessürchtig und unser Gotteshaus ein Haus Gottes werde. Halberstadt, 19. April. (Privatmitth.) Ihre kurze, aber bedeutungsvolle Bemerkung über die Predigten des Herrn Lasch in No. 7 d. I. hat eine sehr vortheilhafte Wirkung hierorts gemacht, und am ersten Tage Pcsach wurde nach 28Jahren, an der Stelle, wo der sel. Rosenbach 1813 aufhören mußte, in unsrer schönen und würdigen Synagoge, die erste Predigt — ohne patriotische Veranlassung — gehalten. Glvgau, 15. April. (Privatmitth.) Die feierliche Weihe des neuen Schulhauses, das Herr I. Z all er Cohn auf eigne Kosten erbaut hat, gab am 18. März einem großen Theil unserer Gemeinde Anlaß, Sinn für das Gute und Achtung gegen den Guten vielfältig auszusprechen. Zugleich that sich zu wiederholtem Male in den Verhältnissen der Konfessionell-Geschiedenen ein herzerfreuender Fortschritt kund.— Auf die Einladung des Revisors der Schule, des Herrn Pastor Bock und der Schulkommiffion, fanden sich um 12 Uhr im alten Schullokale ein: der wohllöbliche Magistrat, ein Abgeordneter der städtischen Schulendeputation (Hr. Polizeirath Thiem,) der Vorstand der Stadtverordneten (Herr Kaufmann Niegisch), der Rabbinatsverweser (Herr Mannes Lisser), der ganze Gemcindevorstand; außerdem die angesehensten Gemrindemitglieder. Herr Zaller Cohn, durch zwei Abgeordnete der Schulkommission geholt, trat ein und ward von allen Anwesenden mit größter Herzlichkeit begrüßt und bewillkommt. Jetzt sprach der zeitige Revisor unserer Anstalt, der Herr Pastor Bock, ein gemüthvolles Scheidewort, aus dem alten Lokale an die Schulkinder, ermahnte sie zu dauerndem und wesenhastem Danke gegen den Bauherrn und schloß mit einer so warmen Anrede an diesen, daß kein Auge der Anwesenden trocken blieb. — Nun bewegte sich der Zug nach dem neuen Schulhause, wo der Akt der Uebergabe vor sich ging, und von hier nach der Synagoge. Denn da keines der Klassenzimmer Raum genug bot, um die Menge der Zuschauer allen Alters, .Standes und Bekenntnisses zu fassen, so mußte man sich entschließen, das Gotteshaus zu dem Hauptakte zu benutzen. — Nach Absingung des 112 Psalms in angemessener Redaktion — die v. 1. 8. 10 blieben weg — trat der Oberlehrer Arnheim vor die heilige Lade, und sprach die Weihrede, die in jeder Beziehung meisterhaft zu nennen. Nachdem der Redner die Geschichte der Schule und ihrer Wanderungen in gedrängtem Umrisse berührt, die Nöthigung einer abgeschlossenen Räumlichkeit für die Schule, die er als Vorhalle und Eingang zum Gotteshause darstellte, deren Bestimmung und Würde entwickelt und so seine Freude über den Anlaß zur heutigen Feier gerechtfertigt hatte, sprach er den Dank gegen .das verehrte Paar, welches die Jugend mit einem so köstlichen Geschenke versehen, auf warme, tief gefühlte und eindringliche Weise aus. Nach einer schließlichen Mahnung an die Schüler schloß er mit dem üblichen Gebete, und die Kinder rezitirten im Chor °) ein von ihm für den Tag verfaßtes Lied, und die Feier war zu Ende. Sämmtliche Eingeladenen (50 Personen) begaben sich jetzt zum Festmahle, das die Schulkommiffion zu Ehren des Herrn Zaller Cohn veranstaltet hatte. Und wahrlich, an einem fröhlicheren, herzlichem, von allem Zwang befreiten, und dennoch in den Schranken wahrhafter Schicklichkeit gehaltenen Mahle, bekannten sämmtliche Gäste seltsn Theil genommen zu haben. Das Saamenkorn freiwilliger Anerkennung, daß in die, unter dem warmen Hauche der Freude aufgegangenen Herzen unserer christlichen Tischgenvssen geworfen wurde, wird gewiß zu guter Frucht reifen.— Eine Zierde unseres Mahles war auch der Dr. und Professor Werder aus Berlin, der noch jugendliche und schon gefeierte Lehrer an der Universität unserer Königsstadt, dem vor Kurzem die edelsten *) Leider müssen wir uns noch immer mit diesem dürftigen Surrogat des Chorgesangs behelfen. Möchte der Sinn für einen verschönerten Gottesdienst auch bei uns bald erwachen. Möchte sich besonders unter den feinsinnigen Frauen unserer Gemeinde ein Verein bilden, durch dessen geringe Beitrage es möglich würde, an unserer Schule einen tüchtigen Gesanglehrer anzustellen! Vielleicht hätten wir dann in kurzem die Freude, in die öden oder unerfreulich besuchten Hallen des Gotteshauses wärmere Andacht zurückkehren zu sehen. Corresp.