Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-08 · Heft 19 (8.5.1841) · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 19 (8.5.1841)
Date
1841-05-08
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225193--03509-3313049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

260 net im betreffenden Lande selbst censirten Leitung. Wir bedauern, sie daher nicht mittheilen zu können, werden aber in nächster No. das darin vorwaltende Prinzip bei Veranlassung einer ähnlichen Druckschrift besprechen. Berlin, 13. April. Es hat seiner Zeit nicht blos in Deutschland, sondern auch in Frankreich und England große Sensation erregt, als das Ministerium des Innern und der Polizei unterm 6. Juli 1836 eine Verfügung erließ, in welcher zufolge königl. Befehls die Provinzialregierungen und das hiesige Polizeipräsidium angewiesen wurden, den jüdischen Gemeindevorständen eröffnen zu lassen, „daß es den Juden nicht gestattet sein solle, christliche Taufnamen als Vornamen zu führen;" dabei war auf eine andere, jedoch nicht zur öffentlichen Kenntniß gekommene und demgemäß auch nicht ausgeführte, dieselbe Bestimmung enthaltende Kabinetsordre vom 30. Nov. 1828 Bezug genommen. Gegenwärtig nun hat der König mittels Kabinetsbefehls vom 9. März dieses Verbot außer Kraft gesetzt und dahin erläutert, daß die Juden nur solche Vornamen auch fernerhin nicht führen sollen, welche mit der christlichen Kirche in engster Beziehung stehen oder von dem Stifter der christlichen Religion hergeleitet sind; ' es bleiben also ausgeschlossen (sind in dem Erlaß angeführt): Anastasius, Baptist, Peter, Renatus, Christian, Christoph und Christine. Das Polizeipräsidium hat unterm 31. März die hiesigen Aeltesten der Judenschast von dieser Erläuterung in Kenntniß gesetzt. — Halberstadt, 23. April. (Privatmitth.) Sie haben sich um alle Juden in und selbst außerhalb Deutschlands das besondere Verdienst erworben,' sie zuerst zum Bewußtsein der aus ihrer Vereinigung zu entwickelnden Kräfte gebracht zu haben. Sie haben unsre religiösen Interessen centralisirt, und mit der Öffentlichkeit, die Sie durch die Allg.Zeit. des Judenth. unfern Angelegenheiten gegeben, Heil verbreitet über Israel. Aon unfern verfolgten Brüdern in Damaskus und ihren Errettern, von unserm guten Rechte, das man uns vorenthält, und zugleich von der gottesdienstlichen Verbesserung in irgend einer kleinen Gemeinde — von Allem weiß nunmehr auch der schlichteste Jude in dem entferntesten Theile des deutschen Vaterlandes und darüber hinaus. Jede Gemeinde kann Antheil nehmen an den Leiden der Entfernten und ihrer Errettung, kann Mitwirken zur Verbesserung unserer bürgerlichen Stellung, und sich, wenn es Noth thut, ein Beispiel nehmen an Gemeinden, die in der Verwaltung der Beisteuer, der Schulen und des Gottesdienstes vorausgeeilt sind. — Darum, Herr Redakteur, wollen Sie auch diesen Zeilen die Aufnahme nicht versagen. Denn ich erlaube mir, voller Freuden zu veröffentlichen, daß unser verehrter Vvtstand den Hrn. Lasch, Oberlehrer an unsrer Schule, ersucht und veranlaßt hat, am ersten Tage des verflossnen Pessach einen Allen verständlichen religiösen Vortrag, das ist eine hier sooft unterdrückte „deutsche Rede" zu halten. Ich fühle mich nicht berufen, die hiesigen religiösen Zustände zu besprechen, und beschränke ich mich vielmehr auf den Bericht, daß Herr Lasch diesem Wunsche ohne eine ihm nicht unnölhige Rücksicht aus körperliche Anstrengung willig nachkam, und uns über die Bedeutung des Pessach und ihre Anwendung auf das Leben eines frommen Juden belehrt und erbauet, nachdem er in der Einleitung die Hülfe und Verbesserung angedeutet, die unser Gottesdienst so sehr bedarf. Gewiß stimmen Alle, die ihn gehört, und nur sehr wenige fehlten, nicht nur in den Dank, den ich ihm hier öffentlich abstatte, herzlich ein, sondern wünschen auch, daß unser geehrter Vorstand, dem um so mehr Dank dabei gebührt, als er selbst auf Hindernisse stößt, recht "bald Hrn. Lasch um die Wiederholung seiner Vorträge angehe. Denn eine viel bewegte Zeit (so ungefähr sprach auch Herr Lasch) ist über uns hinweggeschritten, Jahrzehende haben mehr gewirkt als Jahrhunderte und unsre Jugend findet im Gotteshause keine Erbauung, keine Belehrung mehr. Wahrlich es ist hohe Zeit und die da blind sein wollen gegen die Zerrüttung in unserm heiligen Glauben und taub gegen die Stimme der Vernunft, ziehen eine schwere Verantwortung auf ihr Haupt herab. Unsre Jugend, unsre Gemeinden bedürfen der Erweckung und Erhaltung wahrhaft religiösen Geistes in einer Allen verständlichen, Alle ansprechenden Form. Und du edler und verkannter Jacobson, schau auf die Gemeinde, in der du geboren und die dich am meisten verfolgt, obgleich noch heute die Halste derselben deine Wohlthaten genießt und viele Ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.