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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-08 · Heft 19 (8.5.1841) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 19 (8.5.1841)
Date
1841-05-08
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 werthe Mitglied gegenüber war aufrichtig genug, an-, zuerkennen, daß die irischen Katholiken jahrhundertelangen Druck erlitten; aber was war die Bedrückung der Katholiken, was die Bedrückung der Dissenter gegen die Leiden des Judenvolks? Nichts, gar nichts im Vergleich mit diesen. (Hört!) Man fragt,welche faktische Beschwerde denn jetzt auf den Juden in England laste. Ich frage entgegen, ist es nicht faktische Beschwerde genug, wenn ein Mensch seiner Religion wegen von den bürgerlichen Aemtern ausgeschlossen ist? (Hört!) Den Katholiken, sagt man, durfte man die politischen Rechte nicht länger vorenthalten, weil es ihrer sechs bis sieben Millionen sind; der englischen Juden sind es nur wenige Lausende, darum verweigere man ihr ähnliches Begehren. Eine schöne Argumentation! Der Herzog von Wellington äußerte 1829 im Hause der Lords, er könne sich der Emanzipation nicht länger widersetzen, die Katholiken seien ihm zu mächtig geworden. Die Juden hingegen, sagt man jetzt, sind nur gering an Zahl, wir brauchen sie nicht zu fürchten, wir brauchen wegen keiner Revolution im Untetrocksgäßchen (?etticont- Irme) oder aus der Duke's-Place (die Londoner Stadtgegenden, wo die meisten Juden beisammenwohnen) in Sorgen zu sein; ergo — bekommen sie keine politischen Rechte. (Beifall und Lachen.) Aber eben weil sie einen so unerheblichen Bruchtheil des Volkes bilden, ist es ja um so ungefährlicher, ihre bürgerlichen Rechtsunfähigkeiten aufzuheben. Die Juden, Sir! sind kein Proselyten machendes Volk; gewiß sie werden in unfern Stadtgemeinden keine Glaubenspropaganda stiften; es giebt für sie anziehenderes Metall. (Heiterkeit.) Ich habe in neuern Lagen erlebt, wse wenig gewisse.Glaubensartikel den Scharfsinn der Kasuisten zu fesseln vermögen, und es thut mir daher leid, daß das Haus seine Zeit mit solchen Diskussionen verliert. Es sollte mich freuen, wenn unsere Kasuisten in Oxford die Juden mit ihrem Scharfsinn bereichern, ihnen einen Lheil ihres so schmiegsamen Geistes eingicßen wollten, dann würden die Juden gewiß jede von ihnen verlangte Glaubenserklärung oblegen und so zu jedem Civilamte im Staat befähigt sein. (Beifall und Murren.) Das ehrenwerthe Mitglied, das zuletzt gesprochen, gedachte des von den Juden verübten großen Nationalverbrechens, aber ich glaube, es würde besser sein, dergleichen erbsündliche Subtilitäten den Theologen vom Fach zu überlassen. Meine Ansicht ist, daß, nachdem wir die bürgerlichen Rechtsungleichheiten der Katholiken und protestantischen Dissenter aufgehoben, das Parlament ohne Ungerechtigkeit dieselbe Wohlthat den jüdischen Unterthanen I. Maj. nicht vorenthaltxn kann." Herr Goulburn, Mitglied für die Universität Cambridge, äußert sein Bedauern, daß einer der Minister Ihrer Maj. erklärt habe, zwischen Jud und Christ sei kein Unterschied. Herr Macaulay verwahrt sich gegen diese Auslegung seiner Worte; er habe bloß sagen wollen, über alle dem Parlament vorliegenden religiös-politischen Fragen herrsche unter den Christen selbst ein solcher Meinungszwiespalt, daß er zwischen Juden und Christen nicht größer sein könnte. Herr Goulburn sprach dann nachdrücklich gegen die Bill. Abgesehen von der Erwägung, ob hinter derselben eine andere auf Zulassung der Juden ins Parlament laure, oder nicht, sei mit den Gemeindeämtern, um die es sich hier handle, Ausübung der Rechtspflege verbunden, diese aber dürfe nicht von Juden über Christen ausgeübt werden. Gesetzt, ein Mann würde wegen Blasphemie gegen das Christenthum vor die Munizipalobrigkeit beschieden, mit welcher Konsequenz könnte ihn ein jüdischer Magistrat verurtheilen, welchem selbst das Christenthum ein Gräuel sei? Wie könnte ein Jude auf Heilighaltung des christlichen Sonntags dringen, und wieder wie könnte er,» ohne sein Gewissen zu verletzen, am jüdischen Sabbat seinen Amtspflichten obliegen? Die Juden seien so ungemein eifersüchtig, die „Gojim" nicht an der Verwaltung jüdischer Angelegenheiten Lheil nehmen zu lassen: mit welchem Recht könnten sie also das von den Christen verlangen, was sie selbst allen Andersgläubigen versagen? Sir R. Jnglis meinte, es unterliege keinem Zweifel , daß die Urheber und Unterstützer dieser Bill noch weiteres im Schilde führen, habe ja doch der edle Staatssekretär der Kolonien (Russell) bereits erklärt, daß er für Zulassung der Juden ins Parlament stimmen würde. Zu andern charakteristischen Merkmalen des modernen Liberalismus gehöre auch eine idiosynkrasische Zärtlichkeit für das Judenthum — eine Zärtlichkeit, welche, wenn man sie näher untersuche, wol weniger der interessanten weltschmerzlichen Physiognomie des jüdischen Volkes gelte, wie poetische Seelen behaupten, als vielmehr auf die nicht sehr poetische Thatsache hinauslaufe, daß derselbe Liberalismus,

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