Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Date
- 1841-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Jahrgang. Allgemeine No. IN. Zeitung des Zudenthums. Ein urrpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen. Gemeinde zu Magdeburg. j# ötlPZ lg. (Mit Königl. Sächsischer allexgnädigster Concesfion) Leipzig, den 8. Mai 184!. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers», .w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit A Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächf. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen, Zeitungsnachrichten. Schweden. Stockholm, 4. April. Im Pri'esterstande unsres Reichstages fand am 27. März eine interessante Erörterung statt. Professor Thomander, ein sehr guter Kopf, der jedoch bei diesem Reichstag eine äußerst sonderbare Rolle gespielt Hai, hatte einen Antrag gestellt, welcher verschiedene Einschränkungen in den, den'Juden und Katholiken während der letzten Jahre zugestandenen Freiheiten herbeizuführen bezweckt. Schon bei den vorläufigen Berathungen darüber sprach sich eine allgemeine Mißbilligung aus; im Ausschüsse wurde der Antrag völlig verworfen, und als er zum Priesterstande zurückkam, wurde er nur von zwei Mitgliedern, und sogar von diesen nur sehr schwach, unterstützt. Großbritannien. In der Hoffnung, daß die Jews-Declaration- Bill durch das 'Oberhaus gehen würde, ist bereits in Portsmouth ein Jude zum Gemeinderath erwählt worden. London, 4.April. (Beschluß.) Nun erhob sich der Kriegsminister, Herr Macaulay, für die Bill. Er fand die gegnerischen. Einreden unerheblich. Die Behauptung, man müsse den Juden daS jetzt Verlangte abschlagen, weil sie später mehr verlangen könnten, sei kein zureichendes Argument. Aus der Zulassung der Juden zu Gemeindeämtern folge nicht ihre Zulassung ins Parlament, das sei eine ganz andere Frage. Doch gesetzt auch, sie kämen ins Parlament, so könne er darin nichts so Hochgefährliches sehen. Man habe das Gebet angeführt, mit welchem die Parlamentssitzungen eröffnet werden; aber diesem Gebet, wie überhaupt allen Gebetformeln, seien auch die Quäker entgegen. „Was man, sprach Herr Macaulay, gegen die Juden gesagt hat, ließe sich ungefähr mit gleichem Recht auch gegen viele Mitglieder dieses Hauses sagen. Hier sitzen Katholiken und Protestanten, Anglicaner und Dissenter, wol auch Unitarier und Trinitarier. Jeder derselben behauptet die wahre Religion zu besitzen, aber alle können sie unmöglich Recht haben; es ist also offenbar, auch ohne die Juden, schon viele falsche Religion im Haus. (Großer liberaler Applaus.) Wenn Juden hier im Hause säßen, wie würden sie sich zu den religiös-politischen Fragen, die man erwähnt hat, verhalten? Lächerlich wäre es gewiß, anzunehmen, daß sie z. B. die schottische Nationalkirche zu stürzen und den Judaismus an deren Stelle zu setzen suchen würden. Im schlimmsten Fall würden sie nicht mehr thun, als dermalen Tausende von Protestanten und Katholiken, d. h. sie würden in Religi-onssachen das „System der Freiwilligkeit (the voluntary system)" einzuführen suchen. Das ehren-