Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1841)
- Date
- 1841-05-01
- Page
- Seite 255 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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255 der Auszug aus Aegypten kosten, die Schwierigkeiten, auf die er stoßen würde (83.19.20.) zu mildern und gewissermaßen zu vergüten, wird schon hier (3, 21. 22.) erwähnt, was 11, 2. als Vorschrift, 12, 35. als Thatsache gegeben wird. Die Israeliten (denn II, 2. wird es nicht bloß den Frauen aufgetragen) sollen von ihren ägyptischen Nachbaren allerhand Kostbarkeiten fordern, und sie mit von dannen nehmen, so daß sie nicht leer und unbegütert herausziehen werden. Wir wollen hier nicht die vielen Vorwürfe herzählen, die gegen diesen Umstand erhoben wurden, und die Augustin und Aben-Esra sehr schwach, da es „Gebot Gottes, nach dessen Ursache nicht weiter zu fragen," zurückweisen. Auch das kann nicht zur Berücksichtigung kommen, daß die Aegypter schon um die Israeliten zu schneller Abfahrt zu bestimmen, gern Geschenke gaben, wie Josephus bemerkt. Auch das ist nicht hinreichend, was einige Neuere vorbrachten, daß die Israeliten für die zu verlassenden Ländereien, Häuser und andere Immobilien dadurch einen Ersatz hätten. Sondern halten wir uns an die Worte der Schrift selbst, so tritt uns bedeutsam hier, wie 11, 3 und 12, 36 konstant entgegen: in: "'m d^sn •wd vsn in Gott verlieh den Israeliten Gunst in den Augen der Aegypter," und darum sollten sie jene Geschenke fordern. Sehen wir nun noch besonders, wie dies 11, 3 weiter ausgeführt wird: „auch der Mann Mosche war sehr angesehn im Lande Mizr., in den Augen der Diener Pharao's und in den Augen des Volkes," was anders ist der Schluß, als daß — diese Geschenke eben nur zu Zeichen dieser Gunst dienen, daß sie den Beweis abgeben sollten, erstens wie nicht durch den Haß der Aegypter selbst, sondern nur durch den tyrannischen Willen Pharo's die Israeliten in Knechtschaft und zurückgehalten wurden, vielmehr daß Freundschaft zwischen den Israeliten und Aegyptern bestanden, und zweitens, daß die Israeliten nicht durch ihr Thun und ihren Wandel die Knechtschaft verdient hatten. Dies sollte dies Geschenkefordern für damals und für alle Zeiten erweisen. Den meisten Anstoß gab aber das Wort dnbxdi (auch 12, 36), welches von Onk. und Jon. „ausleeren" gegeben wird, wonach sich die jüdischen Uebersetzer richteten, nach 2 Chron. 20, 25 den Sinn von „berauben" hat, aber eben so sehr Jechesk. 14, 14. „durch Gerechtigkeit vom Tode erretten" heißt. Welchen Sinn hat es nun hier? Offenbar muß es schon dadurch in milderm Sinne erscheinen, daß diese Gaben nicht als Folge der Furcht, sondern der Gunst der Aegypter dargestellt werden, die sich aus Liebe nicht hätten plündern lassen. Es also in diesem Sinne nehmen, Hieße kn einen und denselben Vers vollständigen Widersinn bringen. Da es aber nach dem ganzen Zusammenhangs dennoch auch nicht auf die letztere Bedeutung „erretten," „bewahren" Hinneigen kann: so erscheint es bald als ein stärkerer Ausdruck für das Endwort des V. 21. dp-n ivbn ab (wodurch auch Onk. und Jon. aus ihre Uebertragung kamen), ist daher durchaus nicht zu urgiren, sondern, wie häufig, ein naiv-starker Ausdruck für eine an sich geringere Sache, und soll überhaupt nur die Menge der Gaben, welche ihnen die Aegypter überließen, bezeichnen." So weit jene Anmerkung. Man sieht hier sehr bald alle Anklage als eiteles Lügenwerk von des Textes Unkundigen in Nichts zerfallen. Wenn der Vers, vva:» bN spsn als Ausdruck für die Unsterblichkeit erklärt, und dies in dem Gebrauche dieser Phrase bei Jakob 1 Mos. 49, 29. am schlagendsten findet, so ist es noch schlagender bei Abraham, wo dies 1 Mos. 25, 8., und 1 Mof. 15, 15. dibm ‘pmdK b« todn gesagt wird, während Abraham doch ein einsames Grab fand, indeß seine Väter in Mesopotamien ruheten, so daß also jene Ausdrücke gewiß nicht vom bloßen Begrabenwerden gelten können. S. israel. Bibel S. 69. — Zu den überall tüchtigen und treffenden Bemerkungen und Widerlegungen der Broschüre können wir im Allgemeinen noch bemerken, daß unsere heilige Schrift daS Geschichtsbuch eines Volkes während eines Jahrtausends ist, welches daher viele, verschiedenartige Situationen enthält, die zu verschiedenen Aeußerungen veranlassen mußten. Es muß daher in ihr die objektive Lehre von subjektiven und lokalen Aussprüchen getrennt werden. Diese letzteren aber mit Macht und Verstellung auf die . Spitze treiben, um die erstere als mangelhaft und falsch zu bezeichnen und zu entstellen, ist entweder das Werk des Hasses, oder der Beschränktheit. sForrsetzung folgt.)