Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1841)
- Date
- 1841-05-01
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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252 sich an den Wänden hin, die Ostseite ausgenommen. Ein Theil des obersten Chors ist für solche Fremde bestimmt, die sich für längere Zeit hier aufhalten, und aus lokalen Gründen nicht besser untergebracht werden können. Am untersten Ende des Schiffes sind einige Banke für Kinder unter 13 Jahren eingeräumt, die hier unter Aufsicht zuverlässiger Personen beten. Um die Feier zu erhöhen, und den Theilnehmern an dem seltenen Akt auch einen seltenen Genuß zu verschaffen, war an den Herrn vr. Geiger eine Einladung mit der Bitte ergangen, eine zweite Predigt nach der ~ unseres Rabbinen zu halten. Die Einladung wurde angenommen, unv Herr vr. G. traf am Tage vor der Einweihung hier ein. Um 2 Uhr Nachmittags setzte sich von der Gemeindeschule aus der Zug nach der Synagoge, an dem, außer den beiden Geistlichen, den Verwaltungsbeamten, Repräsentanten, der Baukommission, auch der kvnigl. Kreis-Landrath, die Geistlichen, die Beamten und andere christl. Honoratioren der Stadt Theil nahmen, mir den Gesetzrollen in Bewegung, an der Spitze 12'Jünglinge mit dem Schlüssel zum Hauptcingang. Um den, bei dergleichen Aufzügen gewöhnlichen Andrang Md die, in Folge desselben entstehenden Störungen möglichst zu verhüten oder doch zu vermindern, hatten alle nicht zum Zuge Gehörige, die mit Einlaßkarten versehen waren, sich bereits eine halbe Stunde vorher auf ihren Plätzen im Gotteshause einsinden müssen, und auch der Sängerchor war auf dem, ihm eingeräumten Theil des ersten Frauenchvrs aufgestellt. Nachdem der Zug in feierlicher Stille und Ordnung in der Synagoge angelangt war, begann der Gottesdienst nach einem, zu diesem Behuf gedruckten, und unter den Anwesenden vertheilten Programm. Wiewol jeder mitwirkende Theil zur Verschönerung des Ganzen beizutragen bemüht war, und besonders der trefflich ausgeführte Choralgesang der Kinder jede Erwartung weit übertraf, und die Herzen Aller, ohne Unterschied der Konfession, zur Andacht stimmte, so waren es doch vorzüglich die Reden unsers Rabbinen, Herrn H. Joel, und des Herrn vr. Geiger, weiche die Aufmerksamkeit dergestalt fesselten, daß" das gefüllte Haus, nach der darin herrschenden Ruhe zu urtheilen, leer zu sein schien. Der erste hatte zum Texte: 2B. Mos. 25, 8; der zweite: Ps. 122, 1. Die homiletische und rhetorische Gewandtheit des Letztern ist zu bekannt, als daß sie hier eines Lobes bedürfte. Aber auch der Vortrag unsers würdigen Rabbinen machte sowol durch reine Sprache, als durch reiche Gedankenfülle einen tiefen Eindruck auf die Herzen aller Zuhörer. Gestern raia) hörten wir ebenfalls zwei Reden, und zwar Vormittags vom Sohne unsers Rabbinen, Herr David Heyman Joel über 1 B. Mos. 28, 17. und Nachmittags, auf mehrseitiges Bitten, abermals vom Herrn vr. Geiger über das vibw'vM und sfron -sv unserer Weisen, woran der Redner sehr zeitgemäß die lehrreichen Ermahnungen anschloß, daß man, so viel Lobenswertheö auch bereits geschehen sei, doch nie im Dünkel eitler Selbstgenügsamkeit still stehen, sondern Vollendung fort und fort anstreben müsse. Was nun die Hauptsache, die Verbesserung des Gottesdienstes, anbetrifft, so ist zu diesem Zwecke eine Synagogen-Ordnung von 48 §§, gedruckt worden, von welchen etwa Folgendes das Wesentliche sein dürfte. Synagogen-Inspektoren wachen über Ordnung und Ruhe während des Gottesdienstes, damit die Andacht nicht durch Schreien, Plaudern und andere unschickliche Willkürlichkciten Einzelner gestört werde. Der Vorbeter darf nicht, wie bisher, durch beliebige Melodien die Gebete entweihen, sondern muß, nach bereits vorhandenen mustergiltigm Vorbildern, mit gehörig eingeübtem Choralgesang seine Funktion verrichten. Die Versteigerung der Tora, Funktionen, die prsc r: und — mit wenigen Ausnahmen — und das ebenso unanständige als lärmende Abklopfen der von Frauen und Kindern in der Synagoge sind abgeschafft. Das ■pri der S’rrra, welches bisher ein widerliches Durcheinanderschreien war, geschieht jetzt in einer eingeübten harmonischen Gesangweise, und es ist wirklich bemerkenswerth, daß 70jahrige Greise es nicht gescheut haben, sich den nöthigen Hebungen freiwillig anzuschließen, und jetzt das ihnen zur Erkenntniß gebrachte Bessere dem mit ihnen Gealterten vorziehcn. So wie dieses, ebenso verdient es gewiß, öffentlich zur Nachahmung anerkannt zu werden, daß auch recht viele, meist unbemittelte Frauen und Mädchen seit Jahren gewetteifert haben, es sich am Unentbehr-