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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-01 · Heft 18 (1.5.1841) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 18 (1.5.1841)
Date
1841-05-01
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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MT ihrer Heimath. (Hört!) Ein Anderes ist es mit den Juden. Ihre Zahl ist so klein — kaum 18,080 im ganzen Lande —sie verschwinden so in der Masse unserer Staatsgesellschaft, daß nicht, wie bei den Katholiken, die dringende Nothwendigkcit vorliegt, eins von den Prinzipien unserer Verfassung aufzugeben, um sie, erst in die Gemeindeämter, und bald darauf ins Parlament zu belassen, damit sie hier, die Nichtchristen, über die Angelegenheiten eines christlichen Staatshaushaltes mitfprechen und mitstimmen. Vermöge ihrer Anzahl und Stellung, wie gesagt, haben die Juden kein moralisches Gewicht in unserer Gesellschaft, und was ihre Interessen betrifft, so ist mir unbekannt, daß sie in England über irgend einen Druck zu klagen hatten. Es fehlen ihnen bloß die politischen Rechte. (Ironisches Hört!) Wenn erst der Religionsunterschied kein Grund mehr sein darf zur Disqualifikation eines Engländers, dann gibt es gar keinen mehr. (Bedeutsames „Hört!" von Hrn. Hume.) Ja, wenn es gleich gelten soll, ob ein Mensch Jud oder Christ ist, dann will ich noch lieber von aller VermögenSqualifikation für gemeindliches und parlamentarisches Wahlrecht absehen, denn die Religion ist doch wol wichtiger als der Steuerfuß. (Hört!) Also noch einmal! England ist ein christlicher Staat, und ich hoffe, er soll es bleiben, denn im Christenthum ruhen die starken Wurzeln unserer Kraft; diese Bill aber rührt an das Grundprinzip unsers Staats, und darum trage ich darauf an, daß sie heute über sechs Monaten zum drittenmal gelesen (verworfen)werdet Hr. Pringle (Presbyterianer) unterstützte das Amendement mit acht schottischem Glaubenseifer. Die Bill bezeichnete er als eine Verletzung der Konstitutiou, das jüdische Volk als eine Art von National-Ahasverus, welcher zur Strafe für ein ungeheures Rationalverbrechen irre Handle auf Erden, und ein höheres Geschick zu erfüllen habe, als von einem Parlament ihm bestimmt werden könne. (Hört! sagen wir unsrerseits. Neda kt.) (Schluß folgt.) Frankreich. Paris, 8. April. Auf das Budget für 1842 hat der Minister der Justiz und Kulte 5000 Fr. mehr für den israelitischen Kultus gebracht, die dem Central-Konsistorium zur Abtragung der Schulden, die auf der Synagoge nie Neuve-St. Laureat zu Paris lasten, zu Gute kommen. Die ganze Summe betragt daher in diesem Jahre 96,000 Fr., die der Staat für den israel. Kultus verausgabt. In der vorausgesandten Note bemerkt der Minister, daß von mehreren israel. Kirchenbeamten Gesuche um eine Staatsbesotdung ringelaufen wären. Er habe daher eine allgemeine und detaillirte Zählung der israelit. Bevölkerung des Königreichs angeordnet, um, sobald die Zählung vollzogen sein wird, dem Könige und den Kammern das Nöthige vorzulegen, inwiefern jenen Reklamationen zu entsprechen sei. —. Herr Cremieux hat folgendes Umlaufschreiben in französ. Sprache ergehen lassen, welches bereits in vielen Exemplaren nach Deutschland gekommen: Paris, 20. März 1841. An die Juden des Abendlandes. Ich rufe, geehrte Glaubensgenossen, Ihre Beihülfe zu einem großen und heiligen Werke auf. Während meines Aufenthalts in Aegypten, im Laufe jener schönen Mission, die zu unfern Brüdern im Mvrgenlande die innigen Sympathieen ihrer Brüder im Abendlande brachte, ward ich bei dem Anblick der unglücklichen Bevölkerung, der sich meinen Augen bot, tief bewegt. Seit so vielen Jahrhunderten mit Füßen getreten, haben die Trümmer der jüdischen Nation, die ehemals so mächtig war in jenen Gegenden selbst, die Energie verloren, welche allein dem Menschen einige Hülfsquellen giebt, indem sie ihm zum Bewußtsein bringt, daß er Gottes Geschöpf ist. Das Element, welche alle Fähigkeiten unsrer Intelligenz belebt, der Unterricht, ist nicht einmal dem Namen nach bekannt in Alexandrien, wo vor einigen Jahrhunderten die israelitischen Weisen und Gelehrten sich so sehr auszeichneten. Die Jugend wächst heran, die Männer leben und sterben in einer »verzweifelten Unwissenheit, welche die Entartung, in einer Trägheit, welche die Verwilderung im Gefolge hat. In Kairo ist die Lage der Juden noch schreck, sicher, weil die Stadt der Bewegung ermangeltj die das Meer in Alexandrien unter ihren Bewohnern bewirkt. In diesem tiefen Elend sind die Familien zahlreich, aber welche Familien! die Kinder werden von

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