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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-05-01 · Heft 18 (1.5.1841) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 18 (1.5.1841)
Date
1841-05-01
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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246 anders gestalten; dieß sei aber nicht möglich, «ud wÄe erst den Juden die gemeindliche Emanzipation bewilligt, so würde die politische unmittelbar darauf von ihnen verlangt, und das aktive und passive parlamentarische Wahlrecht könnte ihnen dann nicht vorenthalten werden. Seines Erachtens sei das Bekenntniß des mosaischen Glaubens eine Untüchtigmachung (disqaalification) zum Amt in einem christlichen Lande, vor allen in England, mit dessen sämmtlichen Institutionen das Christenthum so innig verwoben sei, daß man mit Recht gesagt habe, dasselbe sei ein Bestandtheil des englischen Gesetzes „Christianity is part and parcel of the law of England“). „Fangen wir ja doch, sagte Herr Gladstone, unsere parlamentarischen Geschäfte täglich mit einer christlichen Andacht an; wir beten um Förderung und Ausbreitung der wahren Religion, womit nur die christliche gemeint sein kann. Bei einer frühem Gelegenheit ist von einem edlen Lord (Russell) und andern Herren gegenüber viel liberaler Hohn über den von dem sehr chrwerthen Mitglied für die Universität Oxford (Sir R. Jnglis) gebrauchten Ausdruck ergangen, daß diese Bill England zu „entchristlichen (nncluwtianire)" bezwecke. Ich denke, der Sinn, den mein sehr ehrenwerther Freund mit diesem Ausdrucke verband, ist ziemlich klar. Bis jetzt legt unsere Verfassung bei den meisten Aemtern in Staat und Gemeinde den sie übernehmenden Personen einen Eid oder ein Gelöbniß (lost) auf, wodurch sich dieselben für Bekenner des christlichen Glaubens erklären; solche Testerklärungen durch diese und ähnliche Bills abschaffen, heißt allerdings das Bekennt» niß des Christenthums antasten. Die harten Vorwürfe religiöser Unduldsamkeit, die man uns bei der letzten Verhandlung dieser Frage gemacht hat, waren in der That unverdient. Es war früher und ist jetzt nicht entfernt unsere Absicht, mit Mißachtung von einzelnen Juden oder von den Juden im Allgemeinen zu sprechen. Es gibt ohne Zweifel redliche und gewissenhafte Juden, aber leider verstärkt das nur meinen Einwand, denn je gewissenhafter ein Jude ist, desto weniger kann er ein Beförderer des Christenthum sein wollen. Mancher Jude würde einem Gemeindeamt ebenso gut, vielleicht besser als mancher Christ vorstehen; aber unsere Verfassung, Die Verfassung eines durch und durch christlich orga- J irisirten Staats, erklärt sie nun einmal, mehr noch 1 ihrem Geiste als ihrem Buchstaben nach, für «n» tüchtig dazu. Die Toleranz, auf welcher die vorliegende Bill beruht, scheint mir nicht die acht«, sondern jene falsche, die mit religiösem Jndiffrrentismus zusammenfällt. Bedenken Sie zumal, meine Herren! den Zustand, die Geschichte, die neueste Geschichte unseres Landes. Von welcher Art sind die schwierigsten und verwickeltsten Fragen, die in Bezug auf alle drei Königreiche vor dem Parlament liegen? Sind es nicht Fragen, welch« die christliche Religion betreffen? — Fragen, in welche schon durch die Verschiedenheit der christlichen Bekenntnisse im Reich Meinungszwiespalt und leider auch Leidenschaft und Animositar genug getragen wird? Gibt es nicht Fragen, welche, wiewol nicht an und für sich religiöser Natur, doch mit Retigionsfragcn aufs engste verwoben sind? Ja, gilt dieß nicht von unserer ganzen innern Politik? Wenn wir auf England blicken, hatten wir da nicht die Kirchensteuerfrage, und haben wir sie nicht annoch? Hatten wir nicht die Fragen der Volksschulen und der Kirchenausdehnung, und haben wir sie nicht noch jetzt? Wenn wir auf Schottland blicken, ist. die Ernennung der Geistlichen in der dortigen Staatskirche nicht eben jetzt die Frage, welche das politische und gesellschaftliche Leben der Schotten am tiefsten bewegt? Irland brauch' ich leider gar nicht zu erwähnen, denn jedermann weiß, wie mächtig dort die religiösen Differenzen auf die staatlichen Dinge einwirken, und mit wie unermeßlichen Schwierigkeiten daher die Legislatur in Bezug auf Irland immer zu kämpfen hatte und noch hat. Man sagt indessen: da ihr die Römischkatholischen nicht nur zu Gemeindeämtern, sondern auch ins Parlament belassen habt, so müßt ihr den Juden die gleiche Vergünstigung erzeigen. Ich antworte: mit Nichten. Die römischen Katholiken sind, aller Meinungsverschiedenheit im Einzelnen ungeachtet, durch das allgemeine Band des Christenglaubens mit uns vereinigt, sie glauben mit uns an den Erlöser und die Erlösung; das ist nicht der Fall bei den Juden. Zudem war eine noch längere Ausschließung der Millionen römischer Katholiken von den Rechten unserer Verfastung unthunlich geworden, wäre auch ungerecht gewesen, da sie Jahrhunderte lang unter dem Druck der englischen Gesetzgebung gelitten. (Hört, hört! von der mirkisteriellea Seite.) Der Druck galt theils ihrer Conseffion, theils

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