Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1841)
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
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233 von der hiesigen Gemeinde zum Rabbinats-Verweser und Prediger ausgenommen worden. (Wir können uns nicht versagen, diese Wahl als eine sehr glückliche zu bezeichnen. Obschon nicht persönlich mit Herrn Löw bekannt, haben wir doch seit Jahren mit ihm'im lebhaftesten Briefwechsel gestanden, und hat er als Korrespondent der Weckung israelitischreligiösen und ungarisch-nationalen Eifers unter unseren ungarischen Glaubensbrüdern vielen Vorschub gethan. Wir fanden ihn überall besonnen, klar und bestens strebsam. Wir wünschen, daß er seiner Gemeinde ein israelitischer Geistlicher werde, im herrlichsten Sinne des Wortes, und seine Gemeinde ihm eine wahrhaft zugethaene, .fördernde und einträchtig willige. D. Redakt.) Brody, 29. Marz. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei zwei in hebräischer Sprache abgefaßten Adressen, die von der hiesigen israelitischen Gemeinde an die Herren Montesiore und Cremieux, am vergangenen Purimfeste abgesandt wurden. Die eine, an Herrn Montesiore ist von einem der hiesigen Gemeindevorsteher, Herrn I. Landau, und die andere an Herrn Crvmieur von Herrn M. Strelisker abgefaßt, beide meisterhaft an Styl und ausgezeichnet an Geschmack"). Großbritannien und Irland. Parlaments-Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 31. Marz. An der Tagesordnung war die dritte Verlesung der Bill über die Zulassung von Juden zu städtischen Aemtern. Herr Gladstone widersetzte sich derselben, weil sie nothwendig auch zur Aufnahme der Juden ins Parlament füh. ren müßte, die jüdische Religion aber im Schooße der Legislatur nicht geduldet werden könne, da Personen , welche das Christenthum für einen Betrug und eine Fabel hielten, doch gewiß nicht dazu geeignet seien, über Fragen zu entscheiden, welche mit der christlichen Religion in Verbindung ständen, wie *) Da wir bereits so Vieles von derartigen Zuschriften, Gedichten ff. gegeben haben, so gestaltet uns der Mangel an Raum nicht, die beiden Adressen mitzutheilen, welche das obige Lob verdienen, und im Archiv der Redaktion niedergelegt worden. Redakt. sie im Unterhause fortwährend vorkämen. Es sek, fügte er hinzu, ein wesentlicher Unterschied zwischen der Sache der Katholiken und der Juden; die Katholiken seien Jahrhunderte lang gedrückt und ungerecht behandelt worden und hatten Anspruch auf Verbürgung ihrer politischen Rechte gehabt; die Juden aber hätten sich in praktischer Hinsicht über ihre Behandlung nicht zu beschweren. Herr Pringle unterstützte das auf Verwerfung der Bill gerichtete Amendement des Herrn Gladstone; Hr. Macaulay aber machte bemerklich, daß beide Herren diese Maßregel aus einem unrichtigen Gesichtspunkte betrachteten, indem sie so thäten, als handle es sich darum, die Juden in bürgerlicher Hinsicht vollständig zu emanzipiren, sie von allen bürgerlichen Beschränkungen zu^ befteien. Das Eingeständniß Lord John Russell's, daß er die Zulassung der Juden ins Parlament unterstützen würde, berechtige nicht zu den Argumenten, deren sich jene beiden Herren gegen die vorliegende Bill bedient hätten; es stehe Niemanden zu, eine ihm als gerecht erscheinende Forderung deßhalb zu verweigern, weil er glaube, daß in Folge davon noch mehr würde gefordert werden. Freilich habe man von der Unterdrückung dpr Juden nicht die Gefahr zu fürchten, wie früher von der Unterdrückung der Katho.liken; man habe keine Insurrektion in Petticoat-Land oder auf dem Duke's Place zu besorgen; aber deshalb sei der Druck, in welchem man die Juden halte, nicht minder eine Schmach für das christliche England. Es sprachen dann noch Herr Goulbourn und Sir R. Jnglis gegen die Bill, doch wurde dieselbe am Ende mit 108 gegen 31, also mit einer Majorität von 77 Stimmen angenommen. London, 2. April. Obgleich die Bill, wonach die Juden zu städtischen Aemtern zugelassen werden sollen, im Unterhause mit einer Majorität von mehr als drei gegen eins durchgegangen ist, so glaubt man doch kaum, daß das Oberhaus, in welchem die Bill gestern zum erstenmal verlesen wurde, diese Maßregel genehmigen werde, da in die Erklärung, welche von allen zu Munizipal-Aemtern gewählten Personen abgegeben werden muß, vom Oberhause ausdrücklich die Worte „auf den wahren christlichen Glauben" ausgenommen wurden, wodurch die Juden von solchen Aemtern ausgeschlossen sind. Die Lords müßten daher, wenn sie die ihnen jetzt vorliegende Bill