Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1841)
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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230 zösischen Bürgern gleiche Rechte ertheilt. Sie haben einen Lehrer, Vorsänger und Schächter in einer Person, haben wie die zu Basel eine eigene Synagoge, schicken ihre Kinder auf öffentliche Anstalten. Erfreulich ist's hier den ausgezeichneten Prof. vr. Valentin aus Breslau zu treffen, den die Regierung vor mehreren Jahren an die dortige Hochschule berufen, und der nunmehr seiner Tüchtigkeit und seines liebevollen Wesens halber bei Bürgern und Studenten in hoher Achtung und Liebe steht. Geht man von Bern aus in das Naturreiche Oberland, so trifft man zu Jnterlacken einen wackern jungen Israeliten — Dr. Weil aus Eichstetten im Breisgau — der vom Sanitätsrath dorthin als Spitalarzt gesendet worden, nachdem er durch ein mehrjähriges fleißiges Studium zu Bern sich das Wohlwollen der Behörden erworben. — Nicht vergessen wollen wir des antiken ^venticum's, das in seinen römischen Ruinen etwa 24 jüdische Familien umfaßt, die nach echt patriarchalischer Sitte den jüdischen Wanderer gastfreundlich aufnehmen. — Endingen und Lengnau bilden gleichsam das Ghetto der argauischen Juden, die hier eine eigene Korporation, aus zwei Gemeinden bestehend, bilden und nirgends in den herrlichen Gauen an der Aare, Reuß und Limmat sich niederlassen dürfen. Freilich ist diese Einpferchung physisch nicht so einengend wie in den Ghetto's, wohl aber ökonomisch. Denn bei dem Gewerbsfleiße dieses Landestheils muß der ökonomische Ruin der Juden nothwendig erfolgen, so ihnen die hohe Behörde nicht durch völlige Emanzipation aufhilst. Viermal sind die Juden mit einem Gesuche zu diesem Zwecke beim Großen Rathe vergebens cingekommen. Doch haben wir gegründete Hoffnung diesen Wunsch in Bälde erfüllt zu sehen. — Beide Gemeinden haben eine eigene Synagoge mit einem eigenen Rabbinen. Hier aber sieht es noch finster aus, Stabilität und Orthodoxie bis zum Ueberflusse. Freuen würde es uns, so wir mit Schiller sagen könnten „so wie ihre Alpen fort und fort dieselben Kräuter nähren, ihre Brunnen gleichförmig fließen, so hat die alte Sitte hier vom Ahn zum Enkel unverändert fort bestanden. Dies ist aber nicht der Fall. Die Einfachheit ist gewichen in Kleidung, Rede und Handlung, . in häuslicher und weltlicher Lebensweise. Man ist nicht mehr-gewohnt in alter gemüthlicher Weise zu beten, aber in alter Form doch. Das Volk wird nicht viel durch Predigt erbaut. Auch hier müssen wir uns mit der Hoffnung sättigen. Wir setzen diese auf unsere Schulen, wo — in Endingen durch 3 Klassenlehrer, in Lengnau — die Jugend eine gemüthlich-religiöse und verstandesbildende Erziehung genießen. Diese durch das Gesetz festgegründete — seit 1830 auf besonderes Einwirken des jetzigen Rabbinen Myler zu Endingen wohlerhaltene Anstalten, lassen uns mit Grund eine bessere Zukunft erwarten für das argauische Israel. Deutschland. Frankfurt am Main, 5. April. (Privatmitth.) Endlich ist man auch hier des langen provisorischen Zustandes müde, und, nach dem Wunsche Aller, die es, nicht in ihrer Parteiung einseitig, aufrichtig meinen mit ihrer Religion, ist der Antrag auf Anstellung eines zweiten Rabbinen beim Vorstande durchgegangen. Man ist nun, und nicht mit Unrecht, auf die Wahl eines solchen zweiten Rabbineu sehr gespannt, und hofft, daß der Vorstand diesen wichtigen Akt von allem Parteieinflusse frei halten, sondern im Interesse der Gesammtheit behandeln wird, so daß die Wahl auf ein Individuum fällt, welches wissenschaftliche Bildung, deutsche Gelehrsamkeit, Rednertalent und talmudisches Wissen verbindet. Das Regulativ beschränkt die Wahl dahin, daß der Rabbine Herr Trier die als Requisit aufgestellte Morenu ertheilen muß. Ein hiesiger oder hier geborner Mann bekömmt diese Stelle nicht, weil es vom hiesigen Senate so bestimmt sein soll, damit allen Streitigkeiten von vorn herein aus dem Wege gegangen werde. Die nächste Zukunft wird den Schleier lüften. Auch die Einführung eines geregelten Leichenkondukts liegt bei dem Vorstand vor, und wird hoffentlich bald in's Leben treten. —. Herr L. H. Löwenstein hier hat sürUebersendung seines Werkes „Damascia" vom Central- Konsrstorium zu Paris ein sehr belobendes Schreiben unterm 28. März erhalten. Es bezeichnet dieses Werk als ein eben so gründliches historisches Denkmal, als auch siegreiche Widerlegung aller Verläumdungen, die bei dieser Gelegenheit zum Vorschein kamen. Das übersandte Exemplar ist in dem Archiv