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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Date
1841-04-17
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 jener großen Befürchtung heraus sie vom Landezurückhalten will — so müssen wir ihm eben seine Furcht lassen, bis er sich einst erholt haben wird. Herr K. G. weiß den jüdischen Schriftstellern auch Rath zu ertheilen. Anstatt die Angriffe abzuwehren, die Beschuldigungen zurückzuweisen, und so mancherlei Absurditäten unsrer Gegner in's Bloße zu stellen, sollen wir „über die inneren Angelegenheiten der Gemeinden aufklären, die Partheien schildern, in welche die Juden kirchlich und gesellschaftlich verfallen sind, ff." daß doch diese Leute nicht zu bessern sind! In keiner Zeit haben die Juden ihre innersten Angelegenheiten so vielfach besprochen, so offen dargelegt, so unumwunden beurtheilt — 12 oder 13 Zeitschriften in allen Sprachen Europa's, unzählige Broschüren und Bücher geben über den kleinsten Vorfall, selbst über die unwichtigsten Erscheinungen innerhalb des Judenthums Rechenschaft. Sagten nun solche Herren, wie K. G., wir kümmern uns nicht um Eure Arbeiten, wir haben weder Zeit, noch Lust dazu: nun, wir werden es ihnen nicht aufnöthigen. Alles aber, was geschieht, ignoriren, und dann noch als kluge Lehrmeister auftreten wollen, das heißt mindestens — U nv erschämtheit. Jndeß, woran gewöhnen uns die Lehrer nicht? — Aber noch mehr, Gutzkow verlangt auch, wir sollen ihn „von der vielleicht thörichten Furcht" befreien, daß wir durch Emancipation neben unserm alten, noch einen neuen Adel bekommen,eine zusammenhängende Kaste, wo die jüdischen Gerichtspräsidenten ihre jüdischen Vettern und.Schwäger schneller in's Assessorat bringen würden, als die christlichen Mitbewerber." — Wieder eine Furcht! Und wie soll man ihn davon befreien? Wo bekommen wir schnell einen jüdischen Gerichtspräsidenten her, der zeigen kann, daß er seine jüdischen Vettern nicht eher in's Assessorat bringt? So ein Vogel ist in Deutschland nicht zu finden, und dann würde wieder ein Vogel den Sommer nicht machen. Und auf andre Länder uns zu berufen, auf die rühmlichen Zeugnisse, die in England, Frankreich und Holland den Beamten jüdischen Glaubens so oft schon gegeben worden, das verbittet sich Herr K. G. sofort. Was thun? Wenn Herr Gutzkow mich, den Schreiber dieses, für einen ehrlichen Mann hielte, und dieses Prädikat zu verdienen, war und ist das Ziel meines Strebens: so würde ich ihm offenherzig zwei Dinge sagen. Erstens, ich hege diese Furcht nicht, weil, wenn den Juden in Deutschland gesetzlich gestattet würde, Gerichtspräsidenten zu werden, ich fest überzeugt bin — sie werden es doch nicht: eben so wenig, oder noch weniger, wie Herr G. Minister wird, da er es doch vermöge seines Glaubens werden könnte, und wahrscheinlich auch wegen seiner Einsichten. Was man werden kann oder könnte, ist man doch noch nicht. Und zweitens:^, ich habe einen jüdischen Stadtverordneten gekannt, der, sobald in der Session eine einen Juden betreffende Angelegenheit Vorkommen sollte, wegblieb — eben weil man nicht glauben sollte, daß er dem Juden förderlich sein wolle. Wenn doch die Nichtjuden nicht Wunder was von dem Zusammenhänge der Juden unter sich, denken wollten, noch dazu, wenn die gemeinsame Bedrückung die Gemeinsamkeit nicht mehr mit Gewalt aufrecht halten würde. Ich kann ihm auf Ehrenwort sagen, daß die jüdische Masse sich vor einem jüdischen Richter weit mehr fürchtet, als vor einem christlichen. — Doch ich lasse mich da ernstlich ein, eine „thörichte Furcht" zu bekämpfen, mit der Herr Gutzkow doch nur schön thut. Aber aus dieser „thörichten Furcht" heraus, will Herr G. den Juden den Zutritt zum Staatsdienst versagen. Ei, ei, das ist nicht männlich! Bei uns zu Lande nennt man den eine Memme, der, wenn ihm eine „thörichte Furcht" einkömmt, nicht entweder dieselbe muthig abweist, oder sich wenigstens von dem Grunde oder Ungrunde der Furcht überzeugt. Und das will ja Herr G. Beides nicht. In allen Staaten, in allen Ländern klagt man über Nepotismus. In England klagen die Tory's die Whig's, die Whigs die Tory's desselben an. In Frankreich haben es die jeweiligen Minister zur Systematik darin gebracht; und doch sind es die beiden Länder, in welchen der Staatsdienst mit Argusaugen betrachtet wird. Wie nun erst anderswo! Ich halte mich überzeugt, daß, wenn ich die Gutzkow'schen Schriften bei der Hand hätte, ich tausend scharfe, bittere Rügen darüber lesen könnte, gerechte und ungerechte. Aber alles dies verschwindet in Nichts, alles dies wird weggeläugnet, ignorirt — den Juden gegenüber. Diese erst würden die Mißgeburt des Nepotismus zur Welt bringen, das nie gekannte Ungeheuer würde unter den jüdischen Maschinenmeistern die Staaten verschlingen, denn sie würden

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