Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. Seite 226

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Date
1841-04-17
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225190--03472-3313009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Schranken in den Weg stellen — gesagt sei cs ihm, daß — Geduld die Tugend des Esels ist! Gesagt sei es ihm, daß, wenn einmal die Wahrheit des Prinzips und des Rechts, wie er selbst gesteht, auf unsrer Seite ist, wir lieber die Folgen fester Opposition wider die Unwahrheit und das Unrecht tragen wollen, als daß wir im Schatten der Beschränkungen und des Widerwillens müffig die Hände in den Schooß legen, als daß unsre Enkel uns 'nachsagen: sie haben das Rechte schon gekannt, aber nicht geübt aus Furcht und thörichter Hoffnung, es würde Alles von selbst kommen. Uebersehen wir die Literatur der Judenemanzipation, so sticht es uns überklar in die Augen: daß nicht unfern christlichen Vertheidigern — so sehr und dankbar wir ihre Bemühungen auch anerkennen — sondern den Kämpfern jüdischer Konfession von Menasse ben Israel bis auf Steinheim wir es zu verdanken haben, daß wenigstens das Prinzip der Emanzipation entschieden ist. Was nun das christliche Vorurthcil betrifft — an der Vertilgung dieses können weder Rießer und Steinheim, noch Gutzkow und seinesgleichen arbeiten, sondern das ganze Judenthum und das ganze Christenthum, die ganze Zeit, die mit ihrem Wellenschläge Felsen aushölt. Aber vielleicht wollte Gutzkow als ein rechter Homöopath mit seinem eignen Vorurtheil das andrer Leute kuriren. Wir können wenigstens nicht anders glauben, wenn wir die große, wenn auch künstlich verdeckte Mühe, die er sich giebt, um für sein Vorurtheil doch einen scheinbaren Grund aufzusuchen, bemerken. Freilich gelingt es ihm nicht, Etwas von Bedeutung aufzusinden. In seiner Angst greift er wieder in den Topf, und holt — wie die bösen Söhne Eli's — ein Stück „eigengeschlachtetes Fleisch" hervor und etwas jüdische Kost; wirst auch den reichen Juden eine schlechte Erziehung ihrer Kinder vor; und diese beiden, .die ganze jüdische Glaubensgenossenschaft centnerschwer herabziehenden Vorwürfe gebraucht er als Ecksteine, um ein ganz niedliches Gefangenhäuschen für die Juden — unter dem Namen der Schleswig'schen — darauf zu bauen. Ja — das bischen Nahrung, was die Juden noch haben, und die Handvoll Reicher, und würde jenes noch so sauer, und würden diese von einer zahllosen Masse Armer ausgewogen, diese sind und bleiben die Steine des Anstoßes. Wären wir erst verhungert, und Alle Bettler, wer weiß, wozu sich Herr K. G. entschlösse. Vielleicht hilft er uns dann mit einigen lächerlichen Phrasen ab, womit er so freigebig um sich wirft, wie z. B. „die Franzosen sind abstrakt, wir konkret" — während die ganze Welt gerade das Gegentheil versichert, und die Deutschen abstrakt, die Franzosen konkret und praktisch nennt. Jndeß er muß es besser wissen. Die schrecklichen „Einwendungen," mit denen Herr K. G. das Holstein'sche Land, als dessen Patron er sich verkündet, wider die Juden vertheidigt, und womit er die Juden durchaus in den Ghetti's einiger Holstein'scher Städte sesthalten will, ist — die Furcht. Ja, auch dieser Löwe hat vor den jüdischen Lämmern Furcht. Er fürchtet, die Juden werden auf's Land ziehen, das Land bebauen, und so „Concurrenten" der Bauern werden, die dadurch noch mehr verarmen müßten. Die Juden in Hamburg und Altona würden ihnen Geld vorschießen, und so aus dem Ackerbau Güterpachtungen machen, wie aus dem bescheidenen Handwerk ruinirende Fabriken. Nun vergißt Herr K. G., oder weiß nicht, daß nach §. J4. und 15. des Gesetzentwurfs der Erwerb liegender Güter den Juden zum Wiederverkauf versagt, und nur zu eigener Bewirthschaftung gestattet wird, also von Güterpachtungen im Großen und fabrikweise gar nicht die Rede sein kann, wie auch die „Motive" bemerken. Ferner will er nicht wissen, daß durch Koncurrenz der so sehr daniederliegende Werth der Grundstücke sich hebt, daß überhaupt einem verarmten Lande durch nichts mehr aufgeholfen wird, als durch erhöhte Geschäftsthätigkeit und Belebung des industriellen Treibens, wohingegen die ewigen Beschränkungen des einen Theils auf den Handel, des andern Theils auf den Landbau — deyn indem man den einen Theil auf jenen beschränkt, beschränkt man den andern Tyeil indirekt auf diesen — alle Bewegung der vorhandenen Kräfte lähmen. Und selbst, ob ein blühendes Fabrikwesen einem Lande nachtheilig sei, wird eine Frage sein, welche verständige Kameralisten nicht so entschieden bejahend beantworten werden — indeß es ist einmal unsrer Zeit gegeben, daß ein Jeder über Alles schwatzen, über Alles aburtheilen will, und wir wollen nicht gleich in denselben Fehler verfallen. Da nun Herr K. G. den Juden den faktischen Gegenbeweis zu liefern nicht Raum geben, sondern aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.