Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 ihrem Herrn, dem Könige, ihren Oberen, den Ministern, das Heft aus den Händen winden, und — ihre Vettern ins Affefforat bringen." Doch genug von solchen Erbärmlichkeiten. Fast komisch ist die Vertheilung der Rechte, die Herr K. G. an die Juden eintreten lassen will. In die Ständeversammlungen sollen sie kommen — aber halt, nur wenn in denselben Stände, Innungen, Korporationen vertreten werden, denn die Juden sollen ein „Volk" bleiben, und nur als solches sich vertreten lassen — welch' ein Unsinn, welch' ein logischer Schnitzer, die Juden sollen in die Ständeversammlungen eines Volkes kommen, als Vetreter eines von jenem ganz verschiedenen Volkes — doch immerhin, sie sollen da hinein kommen, aber nicht in die „Schulen zur Erziehung." Ziemlich unklar, aber wir verstehen: die Juden sollen keine Schullehrer werden. So wenig ein christlicher Lehrer eine Erziehung völlig im Sinne der israelitischen Religion geben kann, so wenig ein israelitischer Lehrer im Sinne der christlichen Religion. Aber was hat hiermit Mathematik, Sprachen, Physik ff. zu thun? Nun, ich gestehe, wenn ich den schlechten Zustand so mancher christlichen Schule ohne jüdische Lehrer sehe, bekomme ich keinen besten Begriff von einer jenseitigen, ausschließlichen Erziehung. Wolle uns doch Herr G. nichts weiß machen. Unter den jüdischen, wie christlichen Familien giebt es unzählige, welche ihre Kinder religiös, moralisch und intellectuel verwahrlosen, oder falsch erziehen, aber auch viele, und mit Gottes Hülfe immer mehre, welche ihre Kinder in Gottesfurcht, Menschenliebe und zu aller Seelenbildung erziehen. Hüben und drüben trägt die Erziehung die verschiedenartigsten, oft am wenigsten beabsichtigten Früchte. Dies ist das Resultat des vorurtheilslosen Beobachters. Doch einen Trost giebt utjH Herr K. G. noch. Er verspricht uns, wenn wir^ nicht mehr spotten, nicht mehr für die tausendfältigen falschen Beurtheilungen durch irgend bittere Ironie uns rächen, sondern wenn wir nur „trauern," und „trauernd" zu ihm kommen: dann will er sich „rühren" lassen, und — nun, und so weiter. — Nein! das soll Herr Gutzkow nimmermehr erleben! Und wenn er — ich wünsche es ihm — Methusalem's Alter erreicht, er soll es nicht erleben — Er soll ihn nimmer haben, Den Jud' in Sack und Asche! Die Zeit des Winselns und Jammerns ist auch für uns, dem Herrn sei Dank! vorüber, und soll nie wiederkehren. Was uns die Hand der Gerechtigkeit nicht giebt, das nehmen wir nimmer aus der Hand des Mitleids. Haben wir Jahrtausende die Bürde getragen, so soll es uns auf einige Jahre mehr nicht ankommen. ' Aber offen und ohne Scheu wollen wir sagen, was wir auf dem Herzen haben. Une hört es Herr Gutzkow nicht gern, ist es ein Mißklang in seinen Ohren — ich weiß es, unfern deutschen Brüdern ist es dies nicht, und wollen sie uns nichts geben, so lassen sie uns doch sprechen. Uebrigens weiß ich wirklich nicht, was Herr G. mit seiner Kritik wollte. Vielleicht, daß er Einigen etwas Angenehmes sagen wollte, die doch noch was Andres gelten, als Steinheim und die — Juden. Immerhin, wir gehen doch unfern Weg, das sage ich auch diesmal. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen IjNgr. (1 Ggr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandlung. Demnach die bei der hiesigen israelitischen Gemeinde erledigte Stelle des Borsangers bald wieder besetzt werden soll; so werden alle diejenigen, welche auf die gedachte Stelle reflektiren, hierdurch aufgefordert, sich desfalls binnen 8 Wochen in portofreien Briefen an den Unterzeichneten Vorstand zu wenden. Die Bewerber haben indeß ihre Qualifikation durch einzusendende glaubhafte Zeugnisse nicht nur über ihre zu dem Vorsangeramte erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse und ihren religiös - sittlichen Lebenswandel, sondern auch über ihre musikalische Ausbildung nachzuweisen. Hannover, den 2. April 1841. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Druck von I. B. Hirschfeld<